Du verdienst die Liebe, die du stets anderen entgegenbringst

· 17. September 2018

Du verdienst die Liebe, du die stets anderen entgegenbringst, die gleiche aufrichtige, selbstlose und authentische Liebe. Was wir geben, wird uns jedoch nicht immer auf die gleiche Weise, mit der gleichen Intensität und Qualität zurückgegeben. Das Leben ist kein Bumerang; was man gibt, kommt nicht immer wieder auch zurück, aber trotzdem bemühen wir uns, unser Bestes zu geben.

Den meisten von uns wurde irgendwann einmal gesagt, dass man, um jemanden anzuziehen, dieser Person Gutes tun müsse. Das ist der Beginn einer Dynamik, die sich durch verschiedene Kleinigkeiten, Gefälligkeiten, nachgegangenen Vorlieben, Geschenken und Schmeicheleien auszeichnet. Wir wissen, dass man sich Zuneigung mit Aufmerksamkeit verdient, aber manchmal wissen wir nicht, wo die Grenzen sind.

Und wir reden hier nicht nur vom Umwerben einer Person. Die Welt ist voll von grenzenlosen Gebern, von Menschen, die sich nicht des irreparablen Schadens bewusst sind, der damit einhergeht, seine ganze Seele zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das sind Menschen, die sich mit jeder Faser ihres Seins für andere einsetzen und denken, dass sich diese Investition nicht nur lohne, sondern vor allem lebenswert wäre. Aber bei emotionalen Angelegenheiten sind große Opfer nicht immer gut. Sie hinterlassen Spuren und untergraben unsere psychische und emotionale Integrität in hohem Maße.

„Wie man gibt, ist mehr wert als das, was man gibt.“

Pierre Corneille

Frau mit geschlossenen Augen legt ihren Kopf in den Nacken

Du verdienst die wahre Liebe und nicht irgendeinen schlechten Ersatz

Alles, was gepflegt wird, gedeiht. Wir sehen es bei unseren Pflanzen, wenn wir sie in die Sonne stellen, wenn wir sie düngen, wenn wir ihre abgestorbenen Blätter entfernen und sie in größere Töpfe umpflanzen, damit ihre Wurzeln wachsen können. Aufmerksamkeit, Sorge und Zuneigung lassen all unsere Sinne und uns in alle Richtungen wachsen. Nur weil sich der Gärtner um seine Pflanzen kümmert, dürfen wir jedoch nicht übersehen, dass auch er selbst Aufmerksamkeit benötigt. Und das ist ein Detail, das wir oft vergessen.

Es gibt Menschen, die seit Jahrzehnten anderen eine strahlende Liebe, einen Reichtum an Aufmerksamkeit und Emotionen schenken, die sie nicht immer mit der gleichen positiven Ladung zurückbekommen. Menschen, die sich in gewisser Weise darauf beschränkt haben, eine Liebe dritter Klasse zu akzeptieren, einen Ersatz, der weit davon entfernt ist, sie zu nähren, und sie eher vergiftet. Und trotzdem nehmen sie das immer noch Tag für Tag in Kauf. Wenn wir uns jetzt fragen, was dieses Verhalten erklärt oder warum diese Menschen an Beziehungen ohne Gegenseitigkeit festhalten, ist die Antwort darauf viel komplexer, als wir vielleicht denken.

Wir könnten das fehlende Selbstwertgefühl erwähnen, aber dahinter steckt noch viel mehr. Wenn diese Menschen zur Therapie gehen, ist das Erste, was dem Therapeuten auffällt, der Fluss des inneren Dialogs dieser Patienten. In dem Moment, in dem sie gebeten werden, über sich selbst zu sprechen und sich selbst zu definieren, hören sie so etwas wie „Ich bin der zweite von drei Brüdern, und Sie wissen ja, wie schwierig das ist. Niemand achtet auf einen“  oder „Ich bin schon früh selbstständig bzw. unabhängig geworden. Ich musste schon in jungen Jahren anfangen, zu arbeiten, und ich konnte nicht studieren. Wie Sie sich vorstellen könne, sind viele meiner Träume auf der Strecke geblieben“.

Erschöpfter Mann lehnt sich auf seine Unterarme

Oft haben wir es mit zerrütteten Leben zu tun. In Betroffenen nehmen wir eine resignierte Akzeptanz und das Gefühl wahr, dass sie im Grunde genommen diese von Hell und Dunkel geprägte Realität verdienen würden. Sie geben sich Beziehungen hin, die ihnen kein Glück bringen, die sie aber als wertvoll ansehen, weil sie nicht dazu in der Lage sind, nach etwas Besserem zu streben, weil sie das Leben ihrer Meinung nach schon immer an zweiter Stelle platziert habe, wo sie schlichtweg akzeptieren, was kommt.

Und doch ist das Besondere an diesen Fällen, dass die Betroffenen dazu fähig sind, alles für diejenigen zu geben, die ihr Leben ausmachen, denn das, was sie am besten können, ist Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist ihre größte Stärke, und ohne sie wären sie noch frustrierter.

Du verdienst genau das, was du gibst

Du verdienst die Liebe, die du anderen entgegenbringst. So zu denken ist keinesfalls egoistisch, sondern zeugt von Integrität und persönlicher Würde. Du warst lange Zeit der Gärtner, der einzige Architekt in einigen Beziehungen, in denen du die Grundsteine gelegt und die Wände erbaut hast, in denen nur du dich darum kümmerst, dass das Dach nicht einstürzt, damit die Liebe einen Unterschlupf hat und in Sicherheit ist. Und trotzdem befindest du dich außerhalb dieses Hauses und kämpfst gegen die beißende Kälte an.

Du verdienst die Liebe, von der du einst geträumt hast und die du momentan nicht bekommst. Wir haben es eingangs erwähnt, das Leben ist kein Bumerangwurf, bei dem man am Ende das zurückbekommt, was man in die Luft oder in die Herzen anderer geworfen hat. Oft verliert sich dieser Bumerang auf halbem Weg oder tritt nicht einmal die Rückkehr an. Deshalb solltest du aufhören, dich so zu verhalten. Höre auf, Gegenseitigkeit zu erwarten, die sowieso ausbleibt, und höre auf, dein Leben in ein anderes zu investieren, das weit davon entfernt ist, einen Gewinn abzuwerfen, sondern dir nichts als Verluste bringt.

Bumerang in der Luft

Du verdienst eine Liebe, die nicht wehtut, die dich erfüllt und dich wachsen lässt. Du solltest anspruchsvoll sein und spüren, dass du solch eine Liebe verdienst. Und dafür solltest du am besten deine Strategie ändern. Sei nicht länger nur ein „Geber“, sondern werde auch zu einem „Nehmer“. Du bist doch der Experte auf dem Gebiet, diese Liebe zu geben, die einem Flügel verleiht und andere wertschätzt, um sie zu den Protagonisten der Welt zu machen.

Sei du nun der Nehmer dieser Liebe. Schätze dich selbst, gib deinen Wurzeln Nährstoffe und nimm deine Träume wieder auf, die dir eines Tages verloren gegangen sind. Suche nicht länger die Bestätigung und Akzeptanz anderer. Befreie dich, um wieder zu dir selbst zu finden.