Du kannst dich in jeden verlieben

26. Januar 2016 en Psychologie 145 Geteilt

„Sich zu verlieben ist wie von einer Klippe zu springen. Dein Gehirn schreit, dass es keine gute Idee ist und dass der Schmerz und die Verletzung unvermeidbar auf dich zukommen. Aber dein Herz glaubt, dass es aufstreben, loslaufen und sogar fliegen kann.“

Marie Coulson

Wir verlieben uns völlig unbewusst und intuitiv. Wir müssen keine komplexen mathematischen Vorgänge bewältigen und auch keine Listen zu Pro und Kontra erstellen, ob uns jemand unser Herz stehlen kann.

Um eine schnelle Entscheidung treffen zu können, ist unsere Intuition darauf getrimmt, nicht zu viel darüber nachzudenken, ob uns jemand gefällt oder nicht. Deshalb sagt uns unser Unterbewusstsein, ob wir uns zu jemandem hingezogen fühlen, oder ob wir uns in ihn verlieben könnten.

36 Fragen, durch die wir uns verlieben

Der Psychologe Arthur Aron der Universität von New York (New York, USA) erarbeitete im Jahre 1997 einen Test mit 36 Fragen, mit denen er bestätigte, dass wir uns durch das Erzeugen von Intimität innerhalb von 45 Minuten in einen Unbekannten verlieben können. 

Dieser Test von Arthur Aron kam am 9. Januar 2015 erneut in die Medien, da Mandy Len Catron einen Artikel in der New York Times veröffentlichte, in dem sie erzählte, wie sie sich durch den Arons Test der 36 Fragen verliebt hatte.

Aron versuchte, eine Intimität zwischen Unbekannten herzustellen und verwirklichte eine Studie mit mehreren Teilnehmern, um die Fragen zu entwickeln, durch die man sich in eine Person, die man nicht kennt, verliebt.

Zum Schluss wählte Aron einige heterosexuelle Paare aus, die die Fragen beantworten sollten. Er fand heraus, dass jedes der Paare bestätigte, einen hohen Grad an Intimität erreicht zu haben. Er vervollständigte den Test damit, dass jedes Paar sich 4 Minuten lang in die Augen schauen sollte.

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Warum verlieben wir uns in eine bestimmte Person?

Wenn wir uns in die eine oder andere Person verlieben, basiert das auf unserer Intuition. Wir verstehen, dass diese Person uns gefällt, ohne die Logik hinterfragen zu müssen.

Wir haben ganz einfach das Gefühl, das uns mit Klarheit sehen lässt, dass es diese eine Person ist, die uns gefällt und nicht eine andere. Diese Intuition hängt von zwei fundamentalen Faktoren ab, einer psychologischer, der andere chemischer Natur.

Das Glaubenssystem ist der psychologische Faktor, der uns eine bestimmte Person auswählen lässt. Generell suchen wir nach Menschen, die guten Geschmack haben und eine Weltanschauung vertreten, die wir mit ihnen teilen können. Manchmal suchen wir uns sogar unbewusst Menschen aus, die Familienmitgliedern oder Freunden ähneln, die wir anhimmeln.

Wir verlieben uns in jemanden, der oft um uns herum ist und den Moment, in dem wir uns befinden, stark beeinflusst. Das heißt, wir müssen bereit sein, uns zu verlieben, damit es passiert. 

„Das Treffen zweier Persönlichkeiten ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: Wenn es eine Reaktion gibt, werden beide transformiert.“

Carl Gustav Jung

Unsere Anziehung zu einer Person ist aber auch eine Frage der Chemie. Die Chemie der Liebe setzt sich aus den den von Hormonen und Neurotransmittern getriggerten Vorgängen zusammen, die ablaufen, wenn zwei Personen miteinander in physischen Kontakt treten.

Helen Fisher, Forscherin der Anthropologischen Fakultät der Rutgers University in New Jersey, USA, behauptet, dass Männer sich schneller verlieben als Frauen.

Fisher sagt, dass aufgrund ihrer Untersuchungen herausgefunden wurde, dass Männer eine höhere Aktivität in dem Teil des Gehirns aufweisen, der visuelle Stimulationen steuert. Aus diesem Grund versuchen Frauen schon seit langer Zeit, für Männer ästhetisch zu wirken.

Im Gegensatz dazu hat sich bei den Frauen eine höhere Aktivität in drei verschiedenen Bereichen herausgestellt, die das Gedächtnis und die Fähigkeit, sich an etwas zu erinnern, betreffen. Um zu wissen, ob sich ein Mann als guter Vater oder Ehemann erweisen wird, erinnert sich eine Frau daran, wie er sich einmal verhalten hat oder was er gesagt hat.

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Warum kann man sich in jeden verlieben

Eigentlich entwickelte Aron den Test mit den 36 Fragen, um zu belegen, dass man innerhalb von 45 Minuten Intimität zwischen zwei sich unbekannten Menschen schaffen kann.

Die Paare müssen sich gegenseitig die Testfragen stellen. Diese sind in drei Kategorien eingeteilt und werden immer intimer. In der finalen Phase des Tests erscheinen Fragen wie:

  • Wann war das letzte Mal, dass du vor einer anderen Person geweint hast? Und wann allein?
  • Sag deinem Partner etwas, das dir jetzt schon an ihm gefällt.
  • Teile ein persönliches Problem mit deinem Partner und bitte ihn um einen Rat, wie er damit umgehen würde. Bitte deinen Partner, dir aufzuzeigen, wie du dich in dieser Situation, die du ausgewählt hast, zu fühlen scheinst.

Das Experiment besteht darin, Fragen zu beantworten und langsam eine Verbundenheit mit der anderen Person herzustellen. Es sind Fragen, die immer persönlicher werden, um die Person in kurzer Zeit auf eine tiefgreifende Art und Weise kennen zu lernen.

Durch dieses intime und tiefe Kennenlernen wird die notwendige Intimität hergestellt, die dazu führt. uns zu verlieben.

Es scheint, als ginge das Verlieben hier sehr schnell, aber in Wirklichkeit vereinigt sich der konkrete Aspekt, der es bei einer Person funken lässt, mit einer anderen: Intimität. Und Intimität kann zu Liebe führen. 

„Meine Strategie ist, dass du mich eines Tages brauchen wirst, egal wie und egal unter welchem Vorwand.“

Mario Benedetti

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