Drei faszinierende neurowissenschaftliche Fälle

2. März 2020
Einige neurowissenschaftliche Fälle sind so seltsam, dass sie zu beweisen scheinen, dass das Gehirn ein endloses Labyrinth ist, das wir möglicherweise nie vollständig verstehen werden. Diese seltsamen Phänomene führen daher oft zu wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dies ist auch bei den Fällen der Fall, die wir dir heute vorstellen möchten.

Ein interessanter Teil, den viele neurowissenschaftliche Fälle gemeinsam haben, ist der, dass sie häufig zu bisher unbekanntem Wissen über das Gehirn führen. Manchmal bietet eine Krankheit oder ein Symptom Hinweise, die unser Verständnis über den menschlichen Geist verbessern.

Viele neurowissenschaftliche Fälle sind aufgrund der einzigartigen Symptome des Patienten bemerkenswert. Das Leben von Menschen, die von diesen ungewöhnlichen Bedingungen betroffen sind, ist oft zeitgleich seltsam und faszinierend. Das wirklich Wertvolle, das wir aus diesen Fällen mitnehmen können ist, das menschliche Gehirn auf eine Weise zu beobachten, die noch niemand zuvor gesehen hat.

Die wissenschaftliche Welt betrachtet den Neurologen Oliver Sacks als einen der wichtigsten Pädagogen unserer Zeit. Obwohl sich sein Erzählstil und die außergewöhnlichen Geschichten, die er über Patienten erzählt, manchmal nach Science-Fiction klingen, könnten sie dennoch nicht realer sein. Heute werden wir daher drei faszinierende neurowissenschaftliche Fälle mit dir teilen.

„Jede Krankheit führt zu einer Doppelspurigkeit im Leben: einem „Es“ mit seinen eigenen Bedürfnissen, Anforderungen und Einschränkungen.“

-Oliver Sacks-

Die wissenschaftliche Welt betrachtet den Neurologen Oliver Sacks als einen der wichtigsten Pädagogen unserer Zeit.

Drei interessante neurowissenschaftliche Fälle

1. Erinnerung

Dies ist einer der faszinierendsten Fälle. Die Patientin war eine Frau in den Achtzigern, die 1979 eine einzigartige Erfahrung erlebte. Sie war bei guter Gesundheit und hatte voll funktionsfähige geistige Fähigkeiten. Allerdings hatte sie einige Hörprobleme.

Eines Nachts träumte sie von ihrer Kindheit in Irland. Im Traum hörte sie die Musik ihrer Vergangenheit, die traditionellen Lieder und typischen Tänze. Als sie aufwachte, war die Musik immer noch in ihrem Kopf. Sie dachte, dass ein Radio eingeschaltet war oder dass jemand eine Aufnahme abspielte, obwohl niemand da war. Sie konnte alle Noten perfekt hören, mit einer Lautstärke, die hoch genug war, um sie von anderen Dingen abzulenken.

Bevor Ärzte einen Gehirnscan durchführen konnten, begann die Musik zu verschwinden. Dabei hatte sich die Musik über Monate in ihrem Gehirn abgespielt. Alles schien auf ein Problem im Temporallappen hinzudeuten, das mit Gefühlen der Nostalgie verbunden war. Dieser Fall legt nahe, dass einige Stellen im Gehirn alle Erfahrungen deiner Vergangenheit speichern, als wären sie unzerstörbare Dateien.

2. Faszinierende neurowissenschaftliche Fälle: Der Fall von Madeline

Madeline war eine 60-jährige Frau mit angeborener Blindheit. Das heißt, sie wurde blind geboren und hatte noch nie etwas mit ihren eigenen Augen gesehen. Sie hatte auch Zerebralparese und litt unter unwillkürlichen Handbewegungen. Unter all diesen Bedingungen würde man erwarten, dass sie schwere kognitive Verzögerungen hatte, aber Madeline war eine sehr intelligente Frau.

Die Menschen um sie herum lasen ihr ständig vor. Infolgedessen war sie kultiviert und eine großartige Gesprächspartnerin. Sie lernte nie, Braille zu lesen, weil ihre Hände in ihren Worten „nutzlose, gottverlassene Teigklumpen“ waren. Sie sagte, dass sie sich nicht einmal als Teil ihres Körpers fühlten.

Dennoch waren Madelines Hände, trotz allem, was sie über sie glaubte, im Grunde normal. Aus irgendeinem Grund bewegten sie sich jedoch nicht richtig. Oliver Sacks vermutete, dass sie, weil ihre Familie absolut alles für sie tat, den Gebrauch ihrer Gliedmaßen verlor. Aus diesem Grund begann er mit ihr ein Rehabilitationsprogramm. Und ob du es glaubst oder nicht, am Ende der Behandlung wurde Madeline tatsächlich Bildhauerin.

Einer der faszinierenden neurowissenschaflichen Fälle ist der von Madeline, die an Zerbralparese und unwillkürlichen Handbewegungen litt. Ein Rehabilitationsprogramm half ihr und sie wurde im Anschluss daran tatsächlich Bildhauerin.

3. Der Mann, der aus dem Bett fiel

In diesem neurowissenschaftlichen Fall handelt es sich um eine seltsame Störung namens Autotopagnosie. Sie ist durch die Unfähigkeit gekennzeichnet, eigene Körperteile zu erkennen. Ein junger Mann hatte während eines Krankenhausaufenthalts eine sehr seltsame Erfahrung. Er sah ein Bein auf seinem Bett, von dem er sagte, dass es nicht sein Bein sei. Infolgedessen versuchte er, es aufzuheben und vom Bett zu werfen. Und als er das tat, fiel er aus dem Bett.

Diese Erfahrung verängstigte den jungen Mann. Denn aus irgendeinem Grund glaubte er, dass sein linkes Bein von seinem Körper amputiert wurde und dass, das Bein auf seinem Bett folglich nicht sein eigenes sein konnte. Das Bein erschreckte ihn. Mediziner befragten ihn und da er niemandem sagen konnte, wo sein echtes Bein war, schlug er sich immer wieder selbst und versuchte, das seltsame Glied loszuwerden.

Leider muss der Fall einer falschen Identität erst noch gelöst werden. Obwohl es in Büchern viele ähnliche Fälle gibt, kennt niemand die Ursache des Problems oder weiß, wie man Menschen mit dieser Krankheit hilft.

Sacks, O. (2016). El hombre que confundió a su mujer con un sombrero. Anagrama.