Drei einfache Dinge, die kompliziert geworden sind

Die Menschheit hat ein paar ernste Probleme zu lösen, aber viele Leute verbringen zu viel Zeit damit, irgendwelche fiktive Schwierigkeiten zu lösen. Diese ergeben sich manchmal durch eine Menge einfacher Dinge, die plötzlich unnötig kompliziert wurden. Wir sehen uns das im Folgenden genauer an.
Drei einfache Dinge, die kompliziert geworden sind

Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2021

Wir leben in einer Zeit voller Widersprüche, in der extrem komplexe Dinge einfach und einfache Dinge kompliziert geworden sind. Heutzutage ist es relativ einfach, sich in Sekundenschnelle sogar von verschiedenen Erdteilen aus miteinander zu verbinden, aber es kann ein regelrechter Kraftakt werden, der Nachbarschaft “Guten Tag!” zu sagen.

Zu einem großen Teil ist es unser Konsumverhalten, das uns dazu gebracht hat, einfache Dinge zu verkomplizieren. So wie die Moderne fantastische Fortschritte mit sich bringt, die wir nutzen sollten, könnten ein paar wichtige Werte aus der Vergangenheit dem Menschen von heute nützlich sein. Hier zählen wir drei Dinge auf, die kompliziert geworden sind.

“Der Mensch, der begonnen hat, nach innen ernsthaft zu leben, beginnt, nach außen einfacher zu leben.”

Ernest Hemingway

Eie Frau sitzt gelassen am Ufer eines Sees und genießt die Einfachheit.

Essen – eines der einfachen Dinge, die kompliziert geworden sind

Wir können uns die Sache mit dem Essen nicht aussuchen, denn wenn wir nichts essen, sterben wir. Allerdings gehörte bis vor wenigen Jahrzehnten die Essensaufnahme zu den einfachen Dingen des Lebens. Da wurde kein großes Geheimnis darum gemacht. Die Menschen aßen, was es gab und versuchten, den Nahrungsmitteln den Vorzug zu geben, die mehr Nährstoffe beinhalteten und besser schmecken.

Aber heutzutage ist das Essen eine Sache, die komplizierter geworden ist. In unseren modernen Zeiten sind fast alle Lebensmittel auf irgendeine Art und Weise schädlich und das Thema Ernährung ist für einige Leute sehr komplex geworden: laktosefreie Milch, koffeinfreier Kaffee, eine Ernährung ohne Zucker, ohne Salz, ohne Mehl, ohne Gluten, ohne Fleisch, ohne Fett; nicht zu viel von einer Sache, aber auch nicht zu wenig davon; das eine verträgt sich sehr schlecht mit dem anderen usw.

Die Dinge könnten in dieser Hinsicht viel einfacher sein. Einerseits ist es eine gute Idee, nicht zu viel von einer Sache zu essen. Das ist eine Binsenweisheit, die schon seit der Zeit der stoischen Schule, die um 300 v. Chr. in Athen gegründet wurde, bis heute unverändert gültig ist. Andererseits gilt auch: Je weniger industriell verarbeitete Lebensmittel wir essen, desto besser für uns.

Wir sollten Essen nicht als bedrohlich einstufen, aber man muss auch kein ausgefallenes Ritual daraus machen. Es geht viel einfacher.

Frau isst einen Hamburger

Sich kleiden – die blinde Befürwortung des Konsumdenkens

Unser Konsumverhalten hat absurde Ausmaße angenommen. Viele von uns wissen bestimmt, dass die Großeltern und Urgroßeltern sich nur von Zeit zu Zeit etwas geleistet haben. Die Kleidung war von solch solider Qualität, dass sie vom älteren Bruder zum jüngeren oder vom Vater an seinen Sohn weitergegeben werden konnte.

Was Menschen von Kleidungsstücken wollten, war, dass sie bei Kälte ausreichend wärmten oder sich bei heißem Wetter kühl auf der Haut anfühlten. Man suchte sich die tägliche Bekleidung nach Gesichtspunkten wie Nützlichkeit und Komfort aus. Deshalb erwarben die Menschen Kleidung, die aus geeigneten Materialien gefertigt, gut verarbeitet und haltbar war.

Kleidung hatte schon immer etwas mit Ästhetik zu tun. Allerdings verliehen unsere Vorfahren diesem Aspekt nur an besonderen Tagen oder bei besonderen Augenblicken eine Wichtigkeit. Es war üblich, dass alle einen Sonntagsstaat hatten, der an arbeitsfreien Tagen oder zu besonderen Festen getragen wurde.

In unserer heutigen Welt gestaltet sich das sehr schwierig, vor allem für diejenigen unter uns, die sich stark nach der Meinung anderer richten oder sich anbiedern. Wechselnde Trends machen bestimmte Kleidungsstücke schnell zu altmodischen Ladenhütern, was der Kleidung eine kurze Lebenszeit garantiert und uns Käufern einen großen Verschleiß beschert. Wie wir uns kleiden ist ein perfektes Beispiel für eines der einfachen Dinge, die kompliziert geworden sind.

Die Wahl ist kompliziert.

“Einfach” Spaß haben

Es ist verblüffend, dass es auch “Spaß haben” auf die Liste der einfachen Dinge, die kompliziert geworden sind, geschafft hat, aber es ist in der Tat so. Die Menschen haben Hunderte von Möglichkeiten geschaffen, Spaß zu haben, aber unter dem Strich sind sie nicht wirklich so wahnsinnig lustig. Wir vertreiben uns mit diesen Aktivitäten die Zeit oder halten uns für ein Weilchen damit beschäftigt.

Heutzutage ist eine gigantische Unterhaltungsindustrie am Werke, die bestimmte Menschen im Show-Business fördert. Offensichtlich sind da auch hochtalentierte Leute dabei, aber auch Sänger, die eigentlich nicht singen können, Schauspieler, die ihr Handwerk nicht verstehen und Autoren, die nicht schreiben können. Im Grunde genommen sind einige Promis nicht viel mehr als Geschöpfe, die der “Model-Welt” entsprungen sind.

Berühmtheiten werden als Kunstfiguren auf dem Reißbrett entworfen und Produzenten verdienen eine Stange Geld mit deren Konzerten und Shows. Viele Menschen sehen sich diese Form der Unterhaltung an, sind aber dabei nicht wirklich aktive Teilnehmer. Vielleicht haben sie vergessen, dass ein gutes Gespräch, ein einfaches Spiel, ein Tanz oder eine gute Lektüre wirklich Freude bereiten.

Ein Paar, das sich auf einigen Schaukeln küsst, was kompliziert ist.

Das spanische Wort divertido, das im Deutschen “lustig, witzig, spaßig” bedeutet, stammt vom lateinischen divertere ab. Seine ursprüngliche Bedeutung ist: “sich abwenden, auseinander gehen oder neu erschaffen”. Allerdings passiert das in unserer modernen Spaßgesellschaft größtenteils nicht. Stattdessen geschieht genau das Gegenteil, da wir in einer innerlichen Wiederholung der immer gleichen Trends untergegangen sind.

Essen, Bekleidung und Spaß könnten einfachere und zugänglichere Konzepte sein. Vielleicht ist die Vereinfachung der Dinge ein Teilstück auf unserem Weg zurück zu unserem Wohlbefinden.

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  • De Bono, E., & Millet, A. S. (2000). Simplicidad: técnicas de pensamiento para liberarse de la tiranía de la complejidad. Paidós.