Digital Detox: sich trennen, um sich zu verbinden

9. April 2019

Wir leben in ständiger Verbindung, sei es mit dem Handy, dem Tablet oder dem Computer. Die digitale Welt ist zu einem grundlegenden Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Tatsächlich ist das Handy das erste und letzte, was wir jeden Tag benutzen. Aber wissen wir wirklich, wie viel Zeit wir in dieses digitale Universum stecken? Wenn wir uns dessen bewusst wären, würden wir vielleicht einige Maßnahmen ergreifen, um dies zu verhindern. Eine solche Maßnahme nennt sich Digital Detox.

Was würde passieren, wenn wir die Zeit reduzierten, die wir in den sozialen Netzwerken verbringen? Vielleicht scheint manchen schon der bloße Gedanke daran beunruhigend, macht sie nervös. Der Punkt ist, dass besagte Netzwerke bis vor nicht allzu langer Zeit noch nicht einmal existiert haben.

Wir sagen nicht, dass wir radikal sein und jeden Kontakt mit der digitalen Welt ablehnen müssten, sondern dass wir sie verantwortlich nutzen sollten, dies in Maßen tun und verhindern müssen, dass sie über uns bestimmt.

Es geht darum, uns von diesem wachsenden Bedürfnis zu befreien, dauerhaft verbunden zu sein und so technologische Abhängigkeiten zu vermeiden. Um dies zu tun, können wir mit Digital Detox beginnen, mit dieser Trennung von der Technologie, um uns mit der Realität, d. h. mit uns selbst und mit anderen zu verbinden. Schauen wir uns das nun im Detail an.

Eine Entgiftung auf technologischem Niveau verbessert unser Wohlbefinden.

Mädchen schaut auf sein Handy

Was ist Digital Detox?

Digital Detox oder digitale Entgiftung besteht darin, uns eine Auszeit von der digitalen Welt zu gönnen. Es geht darum, uns von sozialen Netzwerken, dem Internet und den neuen Technologien im Allgemeinen zu trennen, die digitale Verbindung, die wir geschaffen haben und die immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, zu unterbrechen, um uns mit anderen Themen zu befassen, wie z. B. der Beziehung, der Frage, wie es uns geht oder der Erledigung dieser Liste von anstehenden Aufgaben, die immer länger wird.

Das Wort „detox“ kommt aus dem Englischen und seine Übersetzung ist „entgiften“. Ziel ist es also, jene Gifte loszuwerden, die dem Organismus schaden, in diesem Fall die der digitalen Welt. Denn obwohl sie manchmal sehr hilfreich oder unterhaltsam ist, hat sie auch negative Folgen.

Dabei ist es nicht Sinn und Zweck der Sache, unsere Beziehungen zur digitalen Welt zu kappen, sondern uns bewusst zu werden, welchen Nutzen wir daraus ziehen, wie viel Zeit wir hier verbringen und was wir beiseite lassen, um verbunden zu sein.

Schlüssel zur digitalen Entgiftung

Digital Detox klingt simpel, aber so einfach ist es nicht. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die digitale Welt Teil unseres täglichen Lebens ist. Deshalb brauchen wir viel Ausdauer und Engagement. Die folgenden Schlüssel werden uns dabei helfen:

  • Einen Moment für Digital Detox einrichten. Das heißt, wir setzen uns einen Zeitplan für die Entgiftung. Dieser hängt von jedem Einzelnen ab. Es könnte am Wochenende sein, zu einer bestimmten Zeit jeden Tag … Das Wichtige ist, mit etwas zu beginnen, wenn auch nur mit ein paar Minuten. Auf diese Weise werden wir eine Gewohnheit etablieren.
  • Uns von den Benachrichtigungen verabschieden! Benachrichtigungen sind eine Tortur. Sie verhindern, dass wir uns konzentrieren und unterbrechen sogar wichtige Gespräche. Wenn es ständig klingelt, kann dies Angst und ein größeres Bedürfnis, in den Netzwerken zu bleiben, erzeugen.
  • Schritt für Schritt vorgehen. Übereilt vorzugehen hat noch nie geholfen. Es gibt keine Entgiftung über Nacht. Es ist wichtig, jene Leiter mit Geduld zu bauen, die uns zu unserem Wohlbefinden führen soll.
  • In uns selbst vertiefen. Uns selbst zu kennen, nach unseren Interessen zu fragen oder danach, wie wir uns fühlen, wird uns helfen, dieses Bedürfnis zu verstehen, ständig verbunden sein zu müssen. Was vermeiden wir? Was brauchen wir? Wie kommen wir mit Einsamkeit zurecht? Das Wichtigste ist, uns bewusst zu sein, dass wir ohne die digitale Welt leben könnten.
  • Nach alternativen Plänen suchen. Wie wäre es, mit einem Freund auf einen Kaffee zu gehen, ein gutes Buch zu lesen oder Sport zu treiben? Es ist eine gute Idee, nach Plänen und Aktivitäten zu suchen, die uns gefallen, um damit unsere Freizeit zu verbringen.
  • Einfühlsamer sein. Uns an die Stelle anderer zu versetzen ist von grundlegender Bedeutung. Wenn wir uns mit unseren Freunden oder der Familie treffen, verstecken wir uns oft die ganze Zeit hinter unseren Handys. Das ist nicht nur respektlos, sondern verletzend.

Auf der anderen Seite ist es auch eine gute Idee, das Handy nicht auf den Nachttisch zu legen, wenn wir schlafen gehen. Auf diese Weise würden uns die Emotionen, die sich aus der Erkundung der digitalen Welt ergeben, nicht in Versuchung führen und die Qualität unseres Schlafes würde sich verbessern.

Es gibt jedoch Menschen, die nicht nur eine Verschnaufpause von der digitalen Welt, sondern auch professionelle Hilfe benötigen. Denn sie sind stark von diesem digitalen Universum abhängig und können sich nicht trennen.

Freundinnen trinken Kaffee im Rahmen des Digital Detox

Vorteile des Digital Detox

Es gibt zahlreiche Vorteile bei der Durchführung von Digital Detox. Einige der wichtigsten lauten wie folgt:

  • Bessere Zeiteinteilung
  • Mehr Zeit für sich selbst
  • Mehr Freizeit
  • Mehr Zeit, um Beziehungen zu anderen aufzubauen und die Beziehungen zu ihnen zu verbessern
  • Authentischere Beziehungen
  • Erhöhte Empathie
  • Erleichtert es, ruhiger und entspannter zu sein
  • Erleichtert es, Selbsterkenntnis zu üben
  • Stressabbau

Digital Detox fördert unsere Beziehungen zur Welt, zu anderen und zu uns selbst. Es erlaubt uns, andere Arten von Plänen zu schmieden und Prioritäten zu setzen, anstatt Zeit damit zu verbringen, uns Bilder oder Videos anzusehen. Digital Detox ist eine Gelegenheit, uns mit der Realität zu verbinden und unsere Freizeit zu maximieren.

Sich trennen, um sich zu verbinden ist ein wunderbarer Weg, um zu erkennen, was uns fehlt.

  • Ugur, N. G., & Koc, T. (2015). Time for digital detox: Misuse of mobile technology and phubbing. Procedia- Social and Behavioral Sciences, 195, 1022-1031.