Diese 7 Charakterzüge haben autoritäre Menschen laut der Psychologie

19 März, 2018

Autoritäre Menschen werfen einen langen Schatten, der uns in vielen alltäglichen Situationen das Licht nimmt. Sei es auf familiärer, beruflicher oder politischer Ebene, dieses Persönlichkeitsprofil geht mit eindeutig identifizierbarem Verhalten einher, weil diese Menschen Macht gebrauchen und missbrauchen. In ihren Köpfen herrschen Vorurteile und das Bedürfnis, andere zu dominieren, vor. Darüber hinaus sind sie zynisch, intolerant und lieben die Doppelmoral.

Das Studium der autoritären Persönlichkeit gewann kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts an Intensität. In einem sozialen Kontext, der so extrem zerbrochen war, kam die akademische Welt nicht umhin, sich zu fragen, wie Rassismus, Vorurteile und Autoritarismus stark genug werden konnten, um es in der Welt so weit kommen zu lassen.

Eine der repräsentativsten Persönlichkeiten dieser wissenschaftlichen, psychologischen und philosophischen Bewegung war zweifellos Theodor W. Adorno. Er stützte sich auf die Theorien von Erich Fromm und eine gründliche Analyse der antisemitischen Ideologie und antidemokratischen Bewegungen jener Zeit. In seinen Studien wurde die autoritäre Persönlichkeit ganz klar definiert und in einem psychoanalytischen und psychosozialen Rahmen abgegrenzt.

Es kann gut sein, dass nun so mancher Leser annimmt, dass die von Adorno geschaffenen Prämissen mittlerweile nicht mehr gelten würden, weil sich die Zeiten und die Umstände natürlich geändert haben. So weit sollten wir aber nicht gehen. Autoritäre Menschen und Machtgelüste, sei es auf politischer Ebene oder in den eigenen vier Wänden mit einer Mutter oder einem Vater einer intoleranten Familie, gab es schon immer und wird es auch immer geben.

Letztendlich sind ein autoritärer Charakter und diese blinde Suche nach Herrschaft wie ein Keim, der in bestimmten Menschen niemals aufhören wird zu wachsen. Dabei handelt es sich um ein psychologisches Profil, dem wir nur allzu häufig begegnen und das wir erkennen können sollten. Tatsächlich ist Autoritarismus auch im aktuellen Politgeschehen in Europa ein zentrales Thema.

Nachfolgend möchten wir die Haupteigenschaften von autoritären Menschen einmal genauer unter die Lupe nehmen.

„Stolz ist eine Behinderung, die arme Sterbliche betrifft, die sich plötzlich mit erbärmlicher Macht wiederfinden.“

José de San Martín

1. Blinde Loyalität gegenüber bestimmten Werten, Sitten und Idealen

Autoritäre Menschen kategorisieren die Welt mit der Einfachheit und Starrheit eines fünfjährigen Kindes. Die Dinge sind „gut” oder “schlecht“ und wer die gleichen Sichtweisen, Werte und Meinungen vertritt, ist auf einem guten Weg. Doch wer eine andere Perspektiven aufzeigt, ist ein potenzieller Feind.

Darüber hinaus kommt es häufig vor, dass eine autoritäre Person ganz genau definiert hat, was für sie oder ihn beispielsweise „ein guter Mensch“, „ein guter Vater“, „ein gutes Kind“ oder „eine gute Frau“ ist. Ihre politischen Neigungen, ihre Religion oder sogar ihre Lieblingsmannschaft sind wie heilige Tempel, die andere respektieren und mit der gleichen Verehrung anbeten müssen.

Schattenspiel mit der Hand

2. Autoritäre Menschen und ihr Ethnozentrismus

Meins ist immer das Beste. Nicht nur mein Land, meine Kultur und meine Sprache sind das Beste überhaupt, sondern das einzig Denkbare und Annehmbare.

Diese Einstellung und dieses mentale Schema führen zu diskriminierenden und beleidigenden Verhaltensweisen, Praktiken, die mit gefährlichen Vorurteilen beladen sind, um das, was „anders“ ist, zurückzuweisen und zu verachten, was nicht diesen engstirnigen Schemata entspricht.

3. Angstkultur

Mit der Wahl von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten haben wir zweifellos unendliche Beispiele für viele der oben genannten Dimensionen an der Hand: Rassismus, Ethnozentrismus, nationalistische Ideale usw. Schon während der Kampagne beschrieb der ehemalige Präsident von Mexiko, Vicente Fox, in unverhüllter Sprache, was Trump seiner Meinung nach verkörpert: eine autoritäre Persönlichkeit, die Macht durch Angst ausübe. Jeder, der von außerhalb der Grenzen des US-Territoriums käme, stelle eine Bedrohung dar, und deshalb sei es notwendig, diese Angst, diese Ablehnung des „Anderen“, was auch immer es sein mag, zu schüren.

Dasselbe ereignet sich auch in vielen anderen Bereichen, vor allem auf familiärer und partnerschaftlicher Ebene. Dort, wo autoritäre Menschen ohne zu zögern Gebrauch von Bedrohungen oder der Darstellung von Katastrophen machen, um die Angst ihrer Mitmenschen zu nähren und somit die Herrschaft an sich zu reißen.

4. Meine Erfolge sind immer besser als deine

Es kommt nicht darauf an, worin du besonders gut bist, was du studiert hast oder welches Hobby du hast, denn autoritäre Menschen versuchen immer, über dir auf dem Siegertreppchen zu stehen. Die von ihnen verwendeten Strategien, um das zu erreichen, basieren auf einer extrem hinterhältigen und aggressiven Verachtung.

Wenn du viele Titel besitzt, werden sie dir sagen, dass es dir an Erfahrung fehlt, an Erfahrung, die die autoritären Personen selbstverständlich in jeglicher Hinsicht besitzen. Wenn du deine Arbeit gut machst und kompetent darin bist, werden sie versuchen, dich abzuwerten, indem sie dir Aufgaben aufdrücken, die nicht mit deinen Fähigkeiten übereinstimmen, weil dieses Persönlichkeitsprofil nicht möchte, dass irgendjemand anders, außer es selbst natürlich, hervorsticht.

Mann wird auf einem Schachbrett von jemand anderem geführt

5. Aggressiver Führungsstil

Jeder von uns weiß, dass autoritäre Menschen gern eine Machtposition einnehmen und über andere bestimmen wollen, sei es innerhalb der Familie, in Beruf oder Politik. Aber ihr Führungsstil ist keinesfalls demokratisch und beruht auch nicht auf den Grundlagen der emotionalen Intelligenz, um das menschliche Kapital zu fördern, wodurch einen harmonisches, vertrauensvolles und sich gegenseitig unterstützendes Klima begünstigt wird, was die Produktivität steigert und Glück fördert. Hier ist genau das Gegenteil der Fall.

Ein autoritärer Chef ist aggressiv, ist nicht mitfühlend, will nur seine eigenen Bedürfnisse befriedigen und hat darüber hinaus eine sehr geringe Toleranz gegenüber Frustration. Das führt dazu, dass er nicht dazu in der Lage ist, die Bedürfnisse anderer zu sehen und sich sogar häufig gegen sie stellt, weil es in seinen Augen Schwächen und Sentimentalitäten sind, die es zu vermeiden gilt.

6. Vorurteile und engstirniges Denken

Man sagt so schön, dass es schwieriger sei, mit einem Vorurteil zu brechen als ein Atom zu spalten. Das entspricht absolut der Wahrheit und ist dazu noch ein Charakterzug von autoritären Menschen. Sie haben leider einen sehr beschränkten Horizont, der keine andere Sichtweise als die eigene, keinen anderen Glaubenssatz als den eigenen und keine andere Meinung als die zulässt, die sich die autoritäre Person selbst irgendwann einmal gebildet bzw. die sie von anderen übernommen hat.

Vorurteile und ein engstirniges Denken sind die Termiten unserer Gesellschaft; Dimensionen, die unsere Möglichkeit, ein gutes Zusammenleben, sozialen Respekt und im Grunde genommen eine demokratischere und würdigere Welt für alle zu erschaffen, verringern.

Vorurteile und ein engstirniges Denken sind die Termiten unserer Gesellschaft.

Schreiender Mann

7. Schwache Argumentationen

Autoritäre Menschen leben in einem Meer aus reiner Oberflächlichkeit. Auf den ersten Blick drängen sie uns zu etwas und es kann sogar sein, dass sie uns erschrecken. Sie platzieren sich normalerweise auf einem hohen Sockel, das wissen wir bereits. Aber das Fundament, das sie stützt, ist so schwach, dass wir nur auf ihre Argumente hören müssen, um zu entdecken, dass sich hinter ihnen ein simpel gestrickter Verstand, ein leerer Verstand ohne Argumente, Ideen und solide Argumentationen verbirgt.

Ihr persönliches Universum beschränkt sich darauf, zu verteidigen, was für sie die universelle Wahrheit ist. Es genügt jedoch oft, sie mit bestimmten Argumenten herauszufordern, um diesen simplifizierten Ansatz, auf dem sie ihre Ideologie aufbauen, zunichte zu machen.

Das größte Problem der autoritären Persönlichkeit ist allerdings, dass die Wurzel des vereinfachenden Denkens Aggression sein kann. Daher ist es üblich, dass sich autoritäre Menschen auf die schlechteste Art und Weise verhalten, wenn sie sich bedroht oder sich in eine unterlegenere Position versetzt fühlen.

Deshalb, und damit kommen wir zum Ende dieses Artikels, ist es immer ratsam, zu wissen, dass man mit dieser Art von Mensch vorsichtig umgehen sollte. Eine angemessene Distanz zu bewahren, ist die beste Strategie und der beste Weg, um unsere eigene psychologische und emotionale Integrität zu schützen. Wir sollten darüber hinaus lernen, eine autoritäre Persönlichkeit nicht nur zu erkennen, um uns dagegen zu wehren, sondern auch um zu vermeiden, dass wir uns ihr nicht anschließen und sich diese bedeutungslose Macht ausweitet, die die nobelsten Werte unserer Gesellschaft gefährden kann.

Quellenangaben

Adorno, TW (1950) Die autoritäre Persönlichkeit – Nueva York: Harper.

Martin, JL (2001) Die autoritäre Persönlichkeit, 50 Jahre später: Welche Fragen ergeben sich für die politische Psychologie? – Politische Psychologie 22 (1), 1-26.

Altemeyer, B. (1988) Enemies of Freedom: Understanding Right-Wing Authoritarianism – San Francisco: Jossey-Bass.

Dean, J. (2006) Conservatives Without Conscience – Nueva York: Viking Press.