Die Welt ist voller bedeutungsvoller Details, die deine Würdigung verdienen

24 Februar, 2018

Einige Leute sehen, aber erkennen nicht. Einige hören, aber hören nicht zu, und berühren, ohne zu fühlen. Darum bevorzuge ich diejenigen, die die bedeutungsvollen Feinheiten des Lebens schätzen, die Details würdigen. Ich mag Menschen, die wissen, wie man beobachtet und auf eine innere Reise geht. Denn Intention und Begeisterung zu vereinen, das macht ein besseres Leben aus.

Anthropologen und Psychologen sagen, dass Beobachtung immer der Schlüssel zum Überleben der Menschheit gewesen sei. Jedoch haben wir einen Punkt in unserer Evolution erreicht, an dem wir von Ablenkung geprägt sind. Wir alle sind Teil einer unaufhaltsam überstimulierten Gesellschaft, die ihre Sinne ignoriert, aber gleichzeitig nicht schlafen kann. Wir wollen alles tun, aber nicht sehen, wer oder was sich direkt vor uns befindet.

„Zu denken ist einfach, zu handeln ist schwierig, und seine Gedanken in die Tat umzusetzen, ist die schwierigste Sache der Welt.“

Johann Wolfgang von Goethe

Experten berichten, dass wir wahrscheinlich ausgestorben wären, wenn wir nicht gute Beobachter gewesen wären. Unsere Vorfahren nutzten alle ihre Sinne, um Gefahren und nützliche Dinge wahrzunehmen. Wir stimmten unser Gehör, unsere Sicht und unseren Geruchssinn so, dass wir jedes Detail unserer Umgebung erfassen konnten – nichts ist uns entgangen. Inzwischen sind die meisten von uns jedoch zu faulen Beobachtern geworden. Weder akustische noch visuelle Signale reichen aus, damit wir aufschauen, während wir die Straße überqueren. Wir nehmen dabei nicht nur die Gefahr nicht wahr, sondern uns entgehen auch jene faszinierenden Feinheiten, die das Leben ausmachen. Wir nehmen uns nicht die Zeit, um Details angemessen zu würdigen.

Ein guter Beobachter sieht mehr als einfache Details

Bedeutungsvolle Details vermitteln Informationen über unsere Welt. Eine Geste, ein Blick, eine Stimmlage, ein Lichtwechsel, ein schiefes Bild, ein Insekt, welches von einem Tautropfen trinkt … All dies sind Details in unserem Sichtfeld. Dennoch schätzen wir sie nicht, vielleicht weil wir den Willen nicht haben, oder keine Zeit.

Ebenso dürfen wir nicht vergessen, dass zu sehen nicht das Gleiche ist wie zu erkennen. Um dies besser zu verstehen, lass uns ein Gemälde von Edward Hopper näher betrachten:

Chop Suey - Gemälde von Edward Hopper

Einige Leser haben ihre Augen nun einfach für ein paar Sekunden auf das Bild gerichtet, ohne sich im Detail mit ihm zu befassen, ohne irgendetwas wahrzunehmen. Andere haben vielleicht mit Intention hingesehen, um Details würdigen zu können. Diese Leser konnten entscheiden, was sie sehen wollen, die Seele des Gemäldes wahrnehmen, seine bedeutungsvollen Details erkennen. Tatsächlich haben sie es vielleicht bis zu dem Punkt betrachtet, an dem sie sich selbst in dem Bild erkannt haben.

Ein guter Beobachter, jemand, der die Wirklichkeit transzendiert, wird das subtile Puzzle erkennen, welches Hopper mit seinem Bild versuchte zu vermitteln: Wir sehen zwei Frauen in einem Restaurant. Merkwürdig ist, dass sie sich sehr ähnlich sind. Der Grund? Die junge Frau vor ihr ist ihr Doppelgänger, ihr Double, ihr „anderes Ich“.

Die Handlung des „Sehens“ ist der erste Schritt des Bewusstseins. Es ist ein winziges „Ich“, das uns hilft, zwischen Dingen, Objekten und Leuten zu unterscheiden. Jedoch ist es die Handlung des „Hinsehens“, die es uns erlaubt, zu erwachen. Sie gibt uns die Chance, zur anderen Seite zu blicken und Kontakt mit unserer Seele aufzunehmen, um ihre Essenz zu erfassen.

Auge

Interessanterweise beschreiben die Resultate des Enneagramm-Tests auch eine Beobachter-Persönlichkeit, die als neugierige, innovative Person definiert wird. Sie ist dazu fähig, sich von Dingen zu distanzieren und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Auch hat sie eine unabhängige, einfache und sehr verständnisvolle Persönlichkeit.

Die Welt ist voller bedeutsamer Details, die unsere Bewunderung verdienen

In der heutigen Gesellschaft sehen wir, aber erkennen nicht. Wir wischen routiniert über unsere Handys, mechanisch, manchmal obsessiv. Wir sitzen vor dem Fernseher und nehmen einfach auf, was uns zugeworfen wird. Das Gleiche passiert mit unserem Leben, wir sehen und atmen, aber wir leben nicht, oder zumindest nicht so, wie wir es tun könnten: mit weit geöffneten Augen und mit einem offenen Herzen.

„Weisheit beginnt beim Wundern.“

Sokrates

Shirley – Gemälde von Edward Hopper

Zusammenfassend können wir sagen, dass wir alle in unserem täglichen Leben zwischen zwei Optionen wählen können: unser Leben nur wahrnehmen, oder unsere Wirklichkeit näher betrachten, ein aktiver Teilnehmer an ihm sein und Details würdigen.

Es gibt außerdem noch eine dritte, noch lohnendere Option, obwohl diese mehr Zeit und Willensstärke benötigt. Es ist die Wahl, unser Leben zu reflektieren, die Seele der Dinge zu berühren und in die vielen Mysterien und Enigmas einzutauchen, die in und um uns existieren.