Die Vorteile einer empathischen Kommunikation

· 24. Mai 2018

Effektiv zu kommunizieren ist gar nicht so einfach. Viel öfter tauchen Vermutungen und Missverständnisse auf als klare Botschaften und Definitionen. Aus diesem Grund entwickelte Marshall B. Rosenberg die empathische Kommunikation, die auch als gewaltfreie Kommunikation bekannt ist.

Dieses Werkzeug wurde mit der Absicht entwickelt, uns die notwendigen Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, uns auf angemessene Weise und im Einklang mit unseren Werten mit anderen zu verbinden. Darüber hinaus vermeiden wir dadurch nicht nur Konflikte, sondern können bestehende Probleme auch auf rationale Weise lösen, indem wir uns von traditionelleren Formen der Kommunikation distanzieren. Durch eine empathische Kommunikation können wir dem anderen aktiv zuzuhören, und das auf Grundlage eines gegenseitigen Verständnisses.

Eine durchsetzungsfähige Persönlichkeit

Die Durchsetzungsfähigkeit ist zwischen der Passivität und Aggressivität einzuordnen. Sie ist eine Fähigkeit, die es uns erlaubt, persönliche Meinungen auszudrücken, andere zu respektieren und Grenzen zu setzen. Der Psychologe Rosenberg ermutigte uns, das in die Praxis umzusetzen, um unsere Beziehungen zu verbessern.

Freundinnen trinken zusammen einen Kaffee und reden

Eine der am weitesten verbreiten Eigenschaften von durchsetzungsfähigen Menschen ist das Verständnis, das sie für die Schwächen anderer haben. Das heißt, sie kritisieren ihre Mitmenschen nicht, vernachlässigen sie nicht und empfinden keine Gleichgültigkeit für sie, sondern nehmen sie so, wie sie sind, versuchen, sie zu verstehen. Daher ist das Durchsetzungsvermögen ein Hauptaspekt der empathischen bzw. gewaltfreien Kommunikation.

Wer sich selbst behauptet, respektiert Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen anderer.

Welche Vorteile hat die empathische Kommunikation?

Die Empathie – die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen – ist neben der verbalen und nonverbalen Sprache ein wesentlicher Teil dieser Art der Kommunikation. Gewaltfreie Kommunikation zielt darauf ab, eine authentische Verbindung zwischen dem Sender und dem Empfänger herzustellen. Daher hat eine empathische Kommunikation folgende Vorteile:

Zufriedenstellende persönliche Beziehungen

Eine empathische Kommunikation setzt auf eine klare und eindeutige Ausdrucksweise, die zu einem besseren Verständnis führt. Das lässt gleichzeitig weniger Raum für Kritik und hat einen effektiveren Austausch von gut verständlichen Botschaften zur Folge.

Wenn wir demnach unsere Befürchtungen auf eine uns selbst behauptende Weise mit unserem Gegenüber teilen, geben wir ihm die Möglichkeit, uns und unser Unbehagen zu verstehen. Rosenberg hob dabei besonders hervor, wie wichtig es ist, den anderen daran wissen zu lassen, dass die von beiden geteilte Erwartung nicht erfüllt worden ist.

Konfliktlösungen

Der Schlüssel zu einer funktionierenden empathischen Kommunikation ist es, über die eigenen Gefühle in der ersten Person zu sprechen. Somit kann niemand wegen dessen, was kommuniziert wird, diskutieren, weil das eine ganz individuelle Information ist, die zu demjenigen gehört, der sie zum Ausdruck bringt. Wenn wir also nicht wollen, dass unsere Botschaft als Angriff interpretiert wird, sondern als ein Versuch der gewaltfreien Kommunikation, sollten wir unsere Sätze mit „Ich habe das Gefühl, dass …“  oder „Ich fühle mich …“  beginnen.

Anstatt zu sagen „Wir waren vor einer Stunde verabredet. Du kommst immer zu spät!“, sollten wir es mit „Wenn du mich so lange warten lässt, vergeht mir die Lust, mich mit dir zu treffen. Es ist nervig, stört mich und gibt mir das Gefühl, machtlos zu sein“  versuchen. Wenn wir, statt Vorwürfe zu machen und Kritik zu äußern, sagen, wie wir uns fühlen, wird die Kommunikation weniger negativ aufgeladen sein. Unser Gesprächspartner wird sich nicht beleidigt fühlen, wir können uns ausdrücken und zu einer Lösung gelangen.

Aufrichtigkeit

Wir müssen „Nein“  sagen können und das „Nein“  unseres Gegenübers akzeptieren können. Nur so können wir respektvoll uns selbst und anderen gegenüber bleiben. Um aufrichtig sein zu können, müssen wir darüber hinaus jegliche Art von Spekulation aus unserer Kommunikation eliminieren.

Laut Meinung von Bob Wentworth, Experte für eine gewaltfreie Kommunikation, beruhe unser Eindruck zunächst auf einer Beobachtung, unsere Gefühle untermauern diese und distanzieren uns von unserer rationalen Sichtweise. Unsere Bedürfnisse würden die Verbindung zum Gegenüber stärken und aufdecken, was wichtig sei. Darüber hinaus verdeutliche eine Bitte, welche Art von Reaktion uns zusagen würde. Wenn wir diese Komponenten zusammen verwenden, sei kein Platz mehr für moralische Urteile, wie wir dann auch sehen können.

Zwei junge Männer unterhalten sich

Die Entwicklung der Fähigkeit, zuzuhören und zu verstehen

Gewaltfreie Kommunikation fördert die Entwicklung der empathischen Fähigkeit uns selbst gegenüber. Verstanden wird dies als eine mitfühlende Art und Weise, das zu erkennen, was in unserem Inneren passiert. Dazu müssen wir uns unserer Gefühle, Gedanken und Urteile bewusst werden und uns mit den Bedürfnissen verbinden, die uns paralysieren oder blockieren.

Diese Art der Kommunikation fördert ebenfalls die Empathie als Fähigkeit, nachzuvollziehen, wie sich ein anderer Mensch fühlt. Dadurch können wir nicht nur seine Gedanken und Ziele verstehen, sondern auch seine Empfindungen und Gefühle.

Verhaltensweisen, die eine empathische Kommunikation verhindern

Rosenberg versicherte, dass es viele Vorteile habe, eine empathische Kommunikation zu pflegen, aber dass es auch gewisse Kommunikationsweisen gebe, die die Entwicklung dieser Art der Kommunikation und somit der Empathie und Durchsetzungsfähigkeit blockieren würden.

Den Moralapostel spielen

Wer den Moralapostel spielt, vermittelt nicht, was er wirklich fühlt, sondern er verbirgt seine Gefühle. Dadurch nehmen sie eine andere Form an, nämlich die von Kritik, Demütigungen, Beleidigungen oder Zynismus. Rosenberg schlug vor, diese durch objektive Beobachtungen zu ersetzen und jegliches Urteil hinsichtlich dessen zu vermeiden, um sich auf das zu konzentrieren, was wir tatsächlich fühlen.

„Der Bericht, den du mir geschickt hast, ist eine Katastrophe. So können wir ihn niemandem geben“  können wir beispielsweise durch „In dem Bericht, den du mir hast zukommen lassen, gibt es einige Punkte, an denen wir noch einmal arbeiten müsse, bevor wir dem Kunden den Bericht geben“ ersetzen.

Forderungen und Vergleiche mit anderen Menschen

Bitten, Forderungen, Beleidigungen etc. – wir greifen auf alle möglichen Mittel zurück, um den anderen dazu zu zwingen, uns zu verstehen. Letztendlich sind das dann aber Drohungen, die Schuldgefühle auslösen oder wie eine Bestrafung wirken sollen, wenn unseren Forderungen nicht nachgekommen wird. Auch sind es Wege, jemanden zu manipulieren, und das steht für eine aggressive Kommunikation.

Zwei Frauen diskutieren miteinander

Sich vor der Verantwortung drücken

Ein typisches Beispiel für diese Verhaltensweise ist, wenn ein Jugendlicher mit seinen Noten nach Hause kommt und sagt: „Mama, sie haben mich durchfallen lassen.“  Die passive Formulierung steht dafür, jemand anderen für sein Unglück verantwortlich zu machen und sich vor der Verantwortung zu drücken.

Ähnliches geschieht tagtäglich, wenn wir eine unpersönliche Ausdrucksweise oder Konditionalsätze verwenden und so Bezug auf unsere Geschichte oder Erfahrungen nehmen. Hierbei geht es darum, nicht die Konsequenzen für das eigene Handeln übernehmen zu wollen.

Wie wir sehen, müssen sich für eine empathische Kommunikation beide Gesprächspartner anstrengen, doch die daraus resultierenden Vorteile sind die Mühe wert.