Die Theorie der Entwicklungsphasen nach Erikson

· 16. Mai 2018

Eine Entwicklung aus globaler Perspektive zu betrachten, liefert uns sehr nützliche Informationen. Die Phasen zu kennen, die ein Mensch von der Geburt bis zum Tod durchläuft, hilft uns dabei, das Leben dieser Person zu verstehen. Hier kommt die Theorie der Entwicklungsphasen nach Erikson ins Spiel.

Erik H. Erikson wurde durch diese Theorie bekannt und gilt bis heute als Pionier in der Forschung der menschlichen Entwicklung. Obwohl sein Lebenswerk sehr umfassend ist, ist seine Theorie zu den Entwicklungsphasen seine meistgewürdigte Leistung. Darin beschreibt er acht Phasen, die im Lebenszyklus durchlaufen werden und eine Veränderung oder eine Evolution der Identität darstellen.

Erik Erikson

Die acht Entwicklungsphasen nach Erikson

Die von Erikson dargestellten Phasen haben alle eines gemeinsam: ihre Bipolarität. Jede einzelne besteht aus einer positiven und einer negativen Komponente. Das Individuum muss sich diesen von der Gesellschaft vorgegebenen Extremen stellen. Nur so ist es ihm möglich, sich dem jeweiligen Kontext anzupassen und seine Identität, wie es erwartet wird, zu entwickeln. Jede Phase ist eine Krise, die es zu überwinden gilt. Nur auf diese Weise ist ein Vorankommen während des gesamten Lebenszyklus möglich.

Urvertrauen vs. Urmissvertrauen

Diese erste Stufe der Entwicklung erstreckt sich bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres. In dieser Phase muss das Baby Vertrauen zu seinen Eltern entwickeln. Ist seine Versorgung stabil, wird es darauf vertrauen, dass sich seine Lage nach einiger Zeit wieder bessern wird, auch wenn etwas mal nicht so läuft, wie es das erwartet hätte. Dieses Stadium zu überwinden bedeutet, Vertrauen in andere zu gewinnen.

Autonomie vs. Scham und Zweifel

Hierbei handelt es sich um die zweite Phase der Entwicklung. Sie wird zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr durchlaufen. In diesem Alter ist das Kind gezwungen, erste Schritte in Richtung Autonomie zu machen. Es sollte allein essen, sich allein anziehen, sich seinen Eltern widersetzen, usw. Dabei muss es jedoch seinen Wunsch nach Autonomie mit den sozialen Normen in Einklang bringen, die seine Eltern vertreten und durchsetzen.

Die selbstständige Realisierung verschiedener Aktivitäten kann Zweifel aufkommen lassen, ob die Kinder den Aufgaben bereits gewachsen sind. Der Erfolg besteht jedoch darin, diese Unsicherheit in eine Herausforderung zu verwandeln, wobei man die Motivation des Kindes fördern sollte. So kann es, innerhalb der von der Gesellschaft vorgegebenen Grenzen, wachsen.

Die zweite der Entwicklungsphasen nach Erikson - Kind hinter Glas

Initiative vs. Schuldgefühl

Die dritte Entwicklungsphase wird im Alter von 3-6 Jahren erlebt. In diesem Alter ergreift das Kind erstmals die Initiative, versuchen, persönliche Ziele zu erreichen. Aber nicht immer ist ihm das möglich. Oft werden persönliche Wünsche nicht mit denen anderer Personen übereinstimmen. Das Kind sollte dann lernen, Ziele zu verfolgen, die auch erreichbar sind.

Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl

Im Grundschulalter befindet sich das Kind in einer ganz anderen Krise. Es muss lernen, die in der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Werkzeuge zu benutzen, während es sich mit Gleichaltrigen misst. Dabei ist es wichtig, mit ihm zusammenzuarbeiten oder zu spielen.

Die Gesellschaft bietet ermutigt uns zur Zusammenarbeit. Jeder Einzelne muss diese Aspekte verstehen, um mithalten zu können und Leistungen zu erbringen. Wenn diese Art der Adaption nicht erreicht wird, wird das Kind gegenüber anderen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickeln.

Identität vs. Identitätsdiffusion

Diese fünfte Entwicklungsphase betrifft das Jugendalter. Der Jugendliche sieht sich mit einer Reihe physischer Veränderungen konfrontiert. Diese gehen mit neuen sozialen Forderungen einher und enden in einer Verwirrung über die eigene Rolle und das Selbstkonzept.

Das Individuum muss sich also ideologisch, beruflich und persönlich engagieren, um die Entwicklung der eigenen Identität zu unterstützen. Ausgehend von Erikson entwickelte James Marcia dazu eine Theorie über die Identität von Jugendlichen.

Die fünfte der Entwicklungsphasen nach Erikson - Jugendlicher mit Mutter

Intimität vs. Isolation

Die sechste Entwicklungsphase wird im frühen Erwachsenenalter durchlaufen. Die Person muss ihre Identität festigen, um eine Verbindung zu anderen Menschen aufbauen zu können. Durch den Aufbau intimer Beziehungen wird gleichzeitig die Integration gewährt und eine Isolierung vermieden. Die Überwindung dieser Phase setzt voraus, dass man die soziale Isolation abwenden kann.

Generativität vs. Stagnation

Die siebte und vorletzte Entwicklungsphase deckt einen Großteil des Erwachsenenalters ab. Jenseits von Identität und Intimität muss sich die Person mit anderen Menschen, ihrer Arbeit und Kindern auseinandersetzen. So kann sie ein produktives Leben führen. Das Streben danach schützt den Erwachsenen vor Stagnation. Außerdem hilft es ihm dabei, seine Ziele und Absichten zu erreichen.

Integrität vs. Verzweiflung

Die letzte der Entwicklungsphasen eines Menschen betrifft das späte Erwachsenenalter. Das Individuum blickt auf sein Leben zurück und reflektiert seine Entscheidungen. Auf diese Weise wahrt es die Integrität seiner selbst und formt so ein vollständiges und bedeutungsvolles Selbstbild. Auf der anderen Seite kann eine negative Sicht auf das eigene Leben zu Verzweiflung führen.