Die Spieltheorie: Was ist das?

Die Spieltheorie ist in akademischen Kreisen gut bekannt, aber nicht in der breiten Öffentlichkeit. Du findest hier eine kurze Einführung.
Die Spieltheorie: Was ist das?

Letzte Aktualisierung: 03. Mai 2022

Die Spieltheorie ist vielleicht eine der wichtigsten Theorien der letzten Jahrzehnte. Sie hat unzählige Auswirkungen auf Disziplinen wie Psychologie, Politik, Biologie, Technik, Wirtschaft, Soziologie und ganz besonders auf die Mathematik. Heute analysieren wir ihre wichtigsten Postulate und warum sie so beliebt ist.

Die Grundlagen der Spieltheorie

Die Spieltheorie ist eine mathematische Methode, die sich auf die rationale Entscheidungsfindung in Konfliktsituationen konzentriert. Der Erfolg hängt nicht nur von den Handlungen der Einzelperson, sondern auch von den Aktionen anderer ab.

Diese Theorie ist schon älter, doch John Neumann erzielte 1928 mit dem Beweis des Min-Max-Theorems einen Meilenstein, der als Ausgangsbasis für die moderne Spieltheorie gilt. 1944 veröffentlichte er zusammen mit Oskar Morgenstern das Buch “Game Theory and Economic Behaviour“.

Das Interesse an der Spieltheorie hat keineswegs nachgelassen. Insgesamt erhielten 16 Spieltheoretiker den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Der letzte war Jean Tirole (2014).

Grundsätzlich geht es darum, das rationale Verhalten in Entscheidungssituationen zu steuern, um Lösungskonzepte zu finden. Generell spielen dabei folgende Elemente eine wichtige Rolle:

  • Anzahl der Spieler/innen: Jede Person, die in einem Spiel eine Entscheidung trifft oder eine Prämie beziehungsweise Belohnung erhält, ist ein Spieler.
  • Strategien: Die Spieler haben eine begrenzte Auswahl an Strategien, Zügen und Wahlmöglichkeiten. Manchmal ist die Zahl für alle Spieler gleich, manchmal nicht.
  • Perfekte Information: Ein Spiel besitzt perfekte Information, wenn die Spieler das vorherige Spielgeschehen kennen und über die bereits getroffenen Entscheidungen der Mitspieler oder über Zufallsentscheidungen Bescheid wissen.
  • Konstante Summe: Dieses Konzept bezieht sich auf die Summe der Auszahlungen oder Belohnungen, wenn diese mit der Anzahl der Strategien übereinstimmen.
  • Zufallsbewegungen (von Natur aus): Jedes Spiel und damit jeder Spieler ist von Natur aus zufälligen Bewegungen, Aktionen oder Strategien ausgesetzt.

Wie Experten anmerken, wird die Spieltheorie oft im Zusammenhang mit Nullsummenspielen mit zwei Spielern zitiert. Wie wir gleich sehen werden, gibt es jedoch viele Ausprägungen dieser Theorie. Wir gehen nachfolgend nicht näher auf Komplexitäten ein, die nur Mathematik- und Wirtschaftswissenschaftler verstehen.

Spielarten in der Spieltheorie

Wie zu erwarten, sind nicht alle Spiele gleich. Tatsächlich gibt es zahlreiche Arten von Spielen, die in dieser Theorie einen Platz haben. Im Folgenden beschreiben wir einige der am meisten untersuchten.

Kooperatives/nicht-kooperatives Spiel

Manchmal können Spieler verbindliche Verpflichtungen oder Allianzen mit anderen Spielern eingehen, manchmal nicht. Ersteres wird als kooperatives Spiel und letzteres als nicht-kooperatives Spiel bezeichnet. Es gibt eine umfangreiche Literatur zur Theorie kooperativer und nicht-kooperativer Spiele.

Symmetrisches/asymmetrisches Spiel

Ein Spiel wird symmetrisch genannt, wenn der Nutzen einer Strategie nicht vom Spieler selbst, sondern von anderen möglichen Strategien abhängt. Das Gefangenendilemma und die Hirschjagd werden als Beispiele angeführt. Wenn das Gegenteil der Fall ist, handelt es sich um ein asymmetrisches Spiel.

Nullsummen-/Nicht-Nullsummenspiel

Das Konzept der Nullsummen- oder Konstantsummenspiele bezieht sich auf die Entscheidungen von Spielern, die die verfügbaren Ressourcen nicht erhöhen oder verringern können. Poker und Schach sind die besten Beispiele. Das Gefangenendilemma ist ein Nicht-Nullsummenspiel, weil das obige Kriterium nicht erfüllt ist.

Gleichzeitiges/sequentielles Spiel

Im ersten Fall handelt es sich um Situationen, in denen die Spieler gleichzeitig ziehen oder in jedem Fall nichts von den vorherigen Aktionen ihrer Gegner wissen. Im zweiten Fall verfügen die Spieler über Teilwissen bezüglich der Handlungen anderer.

Dies sind einige Beispiele für die Arten von Spielen, die von der Spieltheorie untersucht werden. Oft werden bekannte Spiele wie Stein, Papier, Schere verwendet, um sie zu veranschaulichen.

Einfluss der Spieltheorie

Der Einfluss der Spieltheorie ist viel größer, als wir uns vorstellen. Sie kommt unter anderem bei drahtlosen Netzwerken, bei menschlichen Operationen, im Ingenieurwesen, bei der Analyse von Verkehrsmitteln und sogar beim Management von Naturkatastrophen zum Einsatz. Den stärksten Einfluss auf die Psychologie hat die Verhaltensspieltheorie.

Sie hat ihren Ursprung im Ellsberg-Paradoxon und im Allais-Paradoxon. Die am häufigsten verwendeten Spiele in dieser Theorie sind der keynesianische Schönheitswettbewerb, das Diktatorspiel und das Gabentauschspiel.

Die Spieltheorie ist bei Weitem nicht vollständig, denn Jahr für Jahr werden neue Kommentare, Erweiterungen, Kritiken und Hilfsmittel veröffentlicht. Es ist vielleicht die Theorie mit dem größten Einfluss in jüngster Zeit, die in akademischen Kreisen offen diskutiert wird. Sie ist viel komplexer, als wir sie beschrieben haben, dieser Artikel ist nur eine kurze Einführung in die wichtigsten Ideen.

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