Die Selbstpflege ist ein Zeichen der Freiheit, sagt Michel Foucault

· 23. Dezember 2017

Michel Foucault war einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sein umfangreiches Vermächtnis umfasst kritische Studien über Medizin, Psychiatrie, soziale Einrichtungen, Humanwissenschaften und Abhandlungen über Sexualität. In diesem Artikel versuchen wir, die grundlegenden Konzepte zu erfassen, die dieser Autor über die sogenannte Selbstpflege als Zeichen der Freiheit entwickelte.

Einige von Foucaults Schriftstücken zeichnen sich durch tiefgreifende Analysen über Machtbeziehungen und Wissen aus, das zu umfangreichen und hitzigen Debatten geführt hat. Seine kritische und authentische Haltung gegenüber der Moderne macht ihn zu einem der meist gelesenen Autoren sowie zu einer wichtigen Referenz in Bezug auf geisteswissenschaftliche Themen.

„Der Mensch verbringt die erste Hälfte seines Lebens damit, seine Gesundheit zu ruinieren und die zweite mit dem Versuch, sie wiederherzustellen.“

Joseph Leonard

Im Allgemeinen bezieht sich Foucault auf die Selbstpflege als Zeichen der Freiheit. Er betont, wie wichtig das Körpers-Geist-Gefüge als eine transzendente und singuläre Einheit sei. Wir würden existieren, um ein Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl für unser eigenes Leben zu entwickeln. Dazu sei es notwendig, einen Lernprozess zu erfahren und eine Reihe von Situationen zu erleben, in denen das Gelernte in die Praxis umgesetzt werde.

Wie wir uns auf die Selbstpflege vorbereiten

Für Foucault ist die Seele mit dem Individuum vergleichbar. Und als Individuum kann sie die Herausforderungen, die die Existenz des Menschen mit sich bringt, nicht ignorieren oder versuchen, sie zu ignorieren. Aus diesem Grund schreibt er der Tatsache, sich auf das Erwachsenenleben vorzubereiten, eine besondere Bedeutung zu. Das beinhaltet unter anderem eine Unterscheidungsfähigkeit zu haben, die schädliche Fehler und Gewohnheiten zu identifizieren weiß, die uns auf unserem Weg durch die Welt begleiten.

Michel Foucault

Michel Foucault

Die Selbstpflege kann sich nur das jeweilige Individuum selbst zukommen lassen. Es ist eine Art und Weise, zu sich selbst zu gehören, „Ich“ zu sein. Für Foucault ist das nur abhängig von der Beziehung, die wir zu der Wahrheit und dem Wissen herstellen, möglich. Wenn diese Beziehung angemessen ist, werden wir die Fähigkeit, zwischen dem zu entscheiden, was wir ablehnen und was wir akzeptieren, was wir aufrechterhalten und was wir an uns ändern, entwickeln.

Darüber hinaus hebt er die Bedeutung hervor, eine Beziehung, in der wir mit anderen und dem, was uns umgibt, wachsen, aufrecht zu erhalten. Eine solche Rückkopplung beinhaltet den Lernprozess als soziales Wesen. Es lädt es uns dazu ein, zuzuhören und die Erfahrung anderer als eine Wissensquelle zu schätzen, die unser Sein bereichert. Der Erfahrungsschatz unserer Mitmenschen ist eine Referenz oder indirekte Erfahrungen, die gleichermaßen wertvoll sind.

Sich selbst zu pflegen, bedeutet nicht, egozentrisch zu sein, sondern genau das Gegenteil davon. Es bedeutet, sich voll und ganz über all unsere Möglichkeiten und Grenzen bewusst zu sein. Ergänzend dazu müssen wir ein Interesse für andere haben. Das ist nur möglich, wenn man sich für uns interessiert. Es geht bei diesem Denkmuster darum, zu lernen, sich um sich selbst zu kümmern und die Kontrolle über unsere Realität zu übernehmen.

Das Wissen und das Handeln gehen Hand in Hand

Hier ein Beispiel: Ein Doktor verinnerlicht den theoretischen und praktischen Lernprozess, um sein Handwerk auszuüben und um anderen Gutes zu tun und ihnen zu helfen. Er durchläuft verschiedene Bewusstseinsebenen und versteht letztendlich, dass das Individuum aus einer Einheit aus Körper und Geist besteht. Das heißt, wenn eine Person das Wissen über die Selbstpflege verinnerlicht, kann sie aus Körper und Geist eins machen.

Tanzende Frau

In den Augen von Foucault gibt es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen Wissen und Handeln. Durch die Erfahrung der Selbstpflege wird die Selbstreflexion verbessert. Dies wiederum führt zum Bewusstwerden der eigenen Gefühle und zur Angleichung der Erfahrungen, die das Wissen beinhalten. Auf der anderen Seite aktiviert diese Wahrnehmung von uns selbst als Individuum unsere Sensibilität. Diese Wahrnehmung ermöglicht es uns auch, sie in unser Handeln zu integrieren.

Jede Philosophie über die Selbstpflege erfordert, sich um sich selbst und andere zu kümmern. Dies  bedeutet, das höchste Maß an Weisheit zu erlangen. Diese Weisheit hat eine besondere Bedeutung bei der Wahl der Werte, die zu besseren Lebensweisen führen. All das ist das Ergebnis dessen, was wir sein wollen und was wir gelernt haben.

Ein Grundpfeiler der sozialen Beziehungen

Das Konzept der Selbstpflege ist ein Zeichen der Freiheit, da sie ein Teil des Bewusstseins und einer Reihe von Entscheidungen ist, die wir während unseres Lebens getroffen haben. Darüber hinaus stellt sie ein Pfeiler für soziale und individuelle Beziehungen und in der Praxis für ein erworbenes Wissens dar. Dieser Prozess findet im Bereich der individuellen und gemeinsamen Kommunikation statt.

Lesende Frau

Die Selbstpflege umfasst viele Bereiche, die im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden, wie z.B. den Bedürfnissen, Gefühlen, der Gesundheit, Verhaltensweisen, Werten, etc., stehen. Die Rede ist von allem, was uns ermöglicht, unsere Lebensqualität zu verbessern und anderen nicht schadet. Deshalb ist es wichtig, dass Körper und Geist eine Einheit bilden.

Sich um sich selbst zu kümmern sollte ein natürliches und essentielles Verhalten eines jeden Menschen sein, da es entscheidend für unser Leben in der Gesellschaft ist. Die Selbstpflege ist eine Einstellung, mit der wir auf all unsere Bedürfnisse reagieren, seien sie intellektueller, körperlicher, spiritueller oder emotionaler Natur. Wir sollten nicht vergessen, dass es unerlässlich ist zu lernen, uns um uns selbst zu kümmern, was die Grundlage ist, um uns um andere zu kümmern.