Die psychologischen Vorteile von Animes

Normalerweise gehen wir zur reinen Unterhaltung ins Kino. Aber hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie wir davon mental profitieren können? Animes können in dieser Hinsicht so viel leisten, dass sogar ein therapeutisches Subgenre entwickelt wurde.
Die psychologischen Vorteile von Animes
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 15. September 2022

Animes zählen zu den erfolgreichsten Filmgenres. Wie auch andere Genres und Medien beeinflussen diese japanischen Zeichentrickfilme die Wahrnehmung und Gedanken vieler Menschen. Deshalb interessieren sich auch Experten dafür und untersuchen unter anderem, ob diese Genres psychologische Vor- oder Nachteile haben. Erfahre heute mehr darüber!

Animes und Mangas werden häufig verwechselt. Es handelt sich aber um zwei verschiedene Genres, auch wenn es Ähnlichkeiten gibt. Die Ästhetik, die Zeichnungen und die Charakterisierung der Figuren sind vergleichbar. Allerdings werden Mangas im Comicformat und Animes im audiovisuellen Format präsentiert.

Wir sprechen über einen traditionellen japanischen Animationsstil, mit dem Filme und Serien produziert werden. Anders als im Westen, wo sich Zeichentrickserien vorwiegend an Kinder richten, sind Animes für alle da.

Daher haben sie unterschiedliche Namen, um jeden Typ nach Altersgruppe und Geschlecht zu differenzieren. Beispiele für Kodomo, also Kinderanimes, sind “Heidi” oder “Doraemon”. “Naruto”, “Dragon Ball”, “Sailor Moon” oder “Candy Candy” gehören zu den Jugendserien, die shōnen (für Jungen) und shōjo (für Mädchen) genannt werden. Und es gibt auch Kategorien, die sich an ein älteres Publikum richten: Seine für Männer und Josei für Frauen. Diese wiederum können nach der sexuellen Orientierung ihrer Protagonisten und danach, wie explizit sie sind, klassifiziert werden.

Natürlich kann man Animes auch in Subgenres einteilen. Das heißt: Abenteuer, Komödie, Romantik, Horror usw. Es gibt sogar ein Subgenre, das sich der Heilung seiner Zuschauer widmet: Iyashikei.

Iyashikei oder Heilungsanime

Dieses zunehmend erfolgreiche Subgenre konzentriert sich auf einfache Aspekte des Alltags. Wie der Name schon sagt (“iyashi” bedeutet “beruhigend, tröstend oder therapeutisch” und “kei” bedeutet “Stil”), beabsichtigt diese Subkategorie, eine entspannende, eskapistische Wirkung zu erzielen. Sie erschafft eine Welt, in der die Zuschauerinnen und Zuschauer Zuflucht finden.

Dieser Stil entstand als Reaktion auf das sogenannte verlorene Jahrzehnt in Japan, als die psychische Gesundheit eines Großteils der Bevölkerung litt. Um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, wurde diese bis ins kleinste Detail konzipiert, wobei die Musik, die Farben und vor allem die Geschichten sorgfältig gewählt wurden.

In den Drehbüchern dieser Filme oder Serien geht es um ganz normale Menschen, die mit ganz normalen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. “Poco’s Udon World” zum Beispiel erzählt die Geschichte eines jungen Berufstätigen in seinen 30ern, der nach dem Tod seines Vaters in sein Dorf zurückkehrt. Eine Reihe von Ereignissen weckt seine väterlichen Instinkte und er beginnt, viele der Handlungen und Reaktionen seiner Eltern zu verstehen.

Wie du dir vorstellen kannst, liegt der Vorteil dieses Stils darin, dass dieser nicht nur auf einfühlsame Weise präsentiert wird, sondern die Zuschauer sich auch leicht in seinen Geschichten wiederfinden. Sie fühlen sich begleitet sowie verstanden und finden eine Quelle des Nachdenkens und der Selbstbeobachtung.

Aber ist diese Art von Animes gut für die psychische Gesundheit?

Allgemeiner psychologischer Nutzen

In der Psychologie gibt es einige Hinweise darauf, dass das Ansehen von Zeichentrickserien oder -filmen gesundheitsfördernd ist, insbesondere bei Depressionen. Den Autoren zufolge gibt es für diese positive Wirkung mehrere Gründe. Einerseits verbessern Unterhaltung und Ablenkung die Stimmung. Andererseits können die grafischen sowie erzählerischen Reize neue oder wiederhergestellte affektive und kognitive Assoziationen fördern.

Eine Sache, die Animes zweifellos charakterisiert, sind die Eigenschaften ihrer Zeichnungen. Großäugige, ausdrucksstarke Figuren, die ihre emotionalen Zustände mit geschickten Symbolen zeigen: ein Tropfen auf der Stirn, der Mund in Form einer liegenden Drei oder eine Art Kreuz auf dem Kopf, um Scham, Zärtlichkeit oder Wut darzustellen. Auch wenn sie wie einfache Details erscheinen, erleichtern diese Darstellungen das Erkennen der Emotionen und damit deren Verarbeitung.

Ein weiterer wirklich vorteilhafter Aspekt des japanischen Zeichentrickfilms ist, dass viele Figuren an psychischen Störungen oder psychologischen Problemen leiden. Wie bereits erwähnt, können sich die Zuschauerinnen und Zuschauer damit identifizieren und fühlen sich nicht allein. Aber diese Tatsache trägt auch auf indirekte Weise dazu bei, dass Menschen ohne psychische Beschwerden diese Störungen besser kennen. Und so werden Stereotypen durchbrochen und Stigmata der psychischen Gesundheit beseitigt.

Finde die richtigen Animes

Wenn du glaubst, dass dir japanische Zeichentrickfilme helfen können, ein Problem zu überwinden, oder wenn du es einfach einmal ausprobieren möchtest, solltest du die richtige Wahl treffen. Wie bereits erwähnt, gibt es eine Vielzahl von Genres und Subgenres. Die Möglichkeiten sind vielfältig und du musst nur das finden, was am besten zu deinen Bedürfnissen passt.

Zur Auswahl stehen online endlose Listen. Oder du kannst die Archive von Vereinen wie Anime for Humanity durchsuchen, die therapeutische Animes anbieten. Wer weiß, vielleicht findest du in der Animation einen Weg, einen inneren Knoten zu lösen, oder einfach ein neues Hobby.

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