Die Psychologie des Geruchs: Drei Düfte, die Einstellungen verändern

04 Dezember, 2020
Der Geruchssinn ist etwas sehr Interessantes. Zweifelsohne kann er Freude und Aufregung erzeugen. Allerdings kann er auch deine Einstellung verändern. Aber wie ist das möglich?

Nach Aussagen von Sozialpsychologen haben einige physische Empfindungen merkwürdige Auswirkungen auf die mentale Erfahrung. Die Psychologie des Geruchs hat den Einfluss untersucht, den ein bestimmter Geruch auf das Verhalten eines Menschen hat.

Die Psychologie des Geruchs besagt, dass ein Geruch eine physische Empfindung ist, die die Reaktion eines Individuums auf Reize beeinflussen kann. Darüber hinaus wird bestimmt, ob der Betroffene den Geruch mag oder nicht. Shakespeare schrieb “Eine Rose würde mit einem anderen Namen genauso süß duften“. Aber wenn niemand die Rose riechen kann, würde sie dann ihren süßen Duft verlieren?

Vielleicht. Das könnte auch mit der Person passieren, der du eben in der U-Bahn begegnet bist und die deinen Tag erhellt hat. Das liegt daran, dass dieses süße, berauschende und frische Merkmal mit ihr verbunden ist. Die Psychologie des Geruchs sagt auch, dass der Geruchssinn ein Sinn ist, der mit Erinnerungen, Emotionen und Nostalgie zusammenhängt.

Die Psychologie des Geruchs: Düfte, die eine Reaktion hervorrufen

Das Buch Weil ich dich riechen kann: Der fünfte Sinn und sein Geheimnis von Rachel Herz ist ziemlich interessant. Vielleicht handelt es sich sogar um das wichtigste und relevanteste Buch, das in der vergangenen Zeit über die Psychologie des Geruchs veröffentlicht wurde. Dieses Buch spricht über die Bedeutung, die Gerüche und Düfte in unserem täglichen Leben haben. Darüber hinaus analysiert es, wie Gerüche so wichtige Bereiche wie Ernährung und Fortpflanzung beeinflussen.

Gerüche sind physische Empfindungen, die mentale Erfahrungen vermitteln. Selbst wenn du einen Geruch in deiner Umgebung nicht bewusst wahrnimmst, kann er deine Gedanken und Urteile auf erstaunliche Weise und sehr subtil beeinflussen. In unserem heutigen Artikel geben wir dir drei interessante Beispiele dafür. Lasse dich überraschen!

Die Psychologie des Geruchs - Kind riecht an einer Rose

Fischig riechen ist gleichbedeutend mit Zwielichtigkeit

Ein Artikel von Spike Lee und Norbert Schwarz stellt sieben Studien vor, die den Zusammenhang aufzeigten, der zwischen einem “fischigen” Geruch und sozialem Misstrauen besteht. Vermutlich hast du schon einmal jemanden etwas in der Art von “Es riecht nach faulem Fisch” sagen gehört, wobei sich diese Aussage auf ein Phänomen oder eine Entität bezog, die verdächtig, zwielichtig oder unzuverlässig schien.

Die Forscher gelangten zu dieser Schlussfolgerung, nachdem sie einige sehr interessante Studien durchgeführt hatten, in denen sie kritische Aussagen von Menschen bewerteten. Lee und Schwarz argumentieren, dass die Existenz dieser Metapher etwas sehr Wichtiges widerspiegelt: Die mentale Verbindung zwischen der tatsächlichen physischen Empfindung und dem Gefühl, das etwas vor sich geht.

Spielen mit einem Fischgeruch im Hintergrund

In einer dieser Studien spielten Menschen in einem Raum ein Spiel, wobei der Verlauf des Spiels davon abhing, ob sie ihrem Partner vertrauten oder nicht. Während die Probanden spielten, erzeugten die Forscher manchmal einen leicht fischigen Geruch in dem Raum. Dabei achteten sie darauf, diese Art des Geruchs beizubehalten. Aber dennoch war dieser Fischgeruch nicht während der gesamten Versuchsdauer präsent.

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sehr die Spieler ihren Teamkollegen vertrauten. Wenn die Spieler in einem Raum spielten, der einen leicht fischigen Geruch hatte, spielten sie in einer Weise, die vermuten ließ, dass sie ihrem Gegenüber nicht vertrauen würden. Allerdings schienen sie nicht so misstrauisch zu sein, wenn in dem Raum ein anderer unangenehmer Geruch vorhanden war.

Roger Dooley machte in seinem Neuromarketing-Blog einen interessanten Vorschlag, der auf dieser Forschung basierte. Ihm zufolge ist es falsch, Geschäftstreffen in Fischrestaurants abzuhalten. Ob du es glaubst oder nicht, die Leute, mit denen du es zu tun hast, könnten den Geruch von Garnelen mit einer versteckten Agenda in Verbindung bringen.

Die Psychologie des Geruchs: Sauber riechen macht alles besser

Wir beziehen uns nun auf einen Artikel, der in der Fachzeitschrift American Psychologist unter dem Titel “Smells Like Clean Spirit. Nonconscious Effects of Scent on Cognition and Behavior” (auf Deutsch: Es riecht nach einem sauberen Geist. Unbewusste Auswirkungen des Geruchs auf Kognition und Verhalten) veröffentlicht wurde. Er bezieht sich auf Studien, in denen Forscher die Auswirkungen untersuchten, die Aromen auf kognitive Prozesse und Verhaltensweisen haben.

Zwei Studien untersuchten und bestätigten auch, dass sich die Zugänglichkeit zu dem Konzept der Sauberkeit verbesserte, wenn Teilnehmer einem Reinigungsprodukt mit Zitrusgeruch ausgesetzt wurden.

Die Forscher kamen zu dieser Schlussfolgerung, indem sie eine lexikalische Entscheidungsaufgabe durchführten. Dabei beobachteten sie, wie schnell die Teilnehmer Wörter identifizieren konnten, die einen Bezug zu Reinigung hatten. Bei einer weiteren Aufgabe sollten die Probanden das während des Tages erwartete Verhalten beschreiben. Auch hier nannten diese Teilnehmer häufiger Aktivitäten, die einen Bezug zum Putzen hatten.

Ein sauberer Geruch und verbesserte Reinlichkeit

Schließlich ergab eine dritte Studie, dass nur alleine der Geruch eines Allzweckreinigers die Teilnehmer dazu veranlasste, ihre direkte Umgebung während einer Essensaufgabe sauberer zu halten.

Im Rahmen dieser Studie wurden die Probanden in einen Raum gebeten, in dem sie einen Keks essen sollten. Allerdings erfolgte dies unmittelbar, nachdem sie sich in einem anderen Raum aufgehalten hatten, in dem es nach Zitronenreiniger roch.

Es passierte etwas sehr Interessantes. Denn die Probanden, die sich zuvor in dem sauber riechenden Raum aufgehalten hatten, reinigten den Tisch, an dem sie im zweiten Raum ihren Keks essen sollten, fortwährend von den entstandenen Krümeln. Aber die Teilnehmer, die nicht in jenem duftenden Raum gewesen waren, taten dies nicht. In gewisser Weise waren sie dem “sauberen” Geruch auf “unterschwellige” Weise ausgesetzt.

Die Psychologie des Geruchs - Kekse

Die Psychologie des Geruchs: Pups, Ekel und moralisches Urteil

Worüber wir jetzt sprechen werden, mag sich zunächst wie ein Witz anhören. Aber tatsächlich handelt es sich um reine Wissenschaft. Einige Forscher haben nach Pups riechende Sprays auf subtile Weise dafür verwendet, um ein Ekelgefühl in Menschen zu erzeugen.

Dabei haben sie festgestellt, dass Ekel eine Emotion ist, die das moralische Urteil beeinflussen kann. Wenn ein Mensch aufgrund einer körperlichen Empfindung Ekel verspürt, ist es möglich, dass er dies mit dem Gefühl verwechselt, von dem Verhalten einer Person angewidert zu sein.

Wie Geruch das moralische Urteil beeinflusst

In einer Reihe von Studien nutzten Forscher ein Spray mit Pups-Geruch, um einen leichten, unbewussten Ekel hervorzurufen. Infolgedessen fällten die Probanden strengere moralische Urteile.

Das Vorgehen war einfach. Bevor die Probanden den Raum betraten, besprühten die Forscher einen der Gegenstände in einem Abfalleimer mit dem Spray. Allerdings erfolgte dies nicht bei allen Versuchsanordnungen.

Als sich die Teilnehmer dann in dem Raum einfanden, um die Studie durchzuführen, mussten sie Fragen darüber beantworten, wie extrem ihr moralisches Urteil über bestimmte Handlungen war, die als unmoralisch betrachtet werden könnten. Beispielsweise wurden sie gefragt: “Wie moralisch oder unmoralisch findest du einvernehmlichen Sex zwischen Cousin und Cousine?”

Die Probanden, die sich in dem Raum befanden, in dem der Abfalleimer zuvor mit dem Pups-Spray eingesprüht wurde (ein Duft, den sie aber nicht bewusst wahrnehmen konnten), empfanden die Handlungen unmoralischer als diejenigen Teilnehmer, die in einem Raum befragt wurden, in dem dieses Spray nicht verwendet wurde.