Die Auswirkungen von Misstrauen aus neurowissenschaftlicher Sicht

11 November, 2020
Nach Aussagen von Experten spürt unsere Kultur häufig die Auswirkungen von Misstrauen. Menschen vertrauen weder den Institutionen noch den Informationen, die sie erhalten, insbesondere wenn es um bestimmte Personen geht. All das manifestiert sich in einer ganz bestimmten Art von Stress im Gehirn.

Die Neurowissenschaft des Misstrauens besagt, dass das Gehirn dem Menschen von Geburt an ermöglicht, Gefahren und bedrohliche Reize zu erkennen. Tatsächlich hat sich dieser Mechanismus aber in den vergangenen Jahren ein wenig weiter entwickelt. Bestimmte Phänomene wie beispielsweise “Fake News” führen dazu, dass sich die Auswirkungen von Misstrauen weiter intensivieren.

Aber stimmt es wirklich, dass Menschen zunehmend misstrauisch werden? Obwohl dies keine Vorteile bringt, ist das absolut möglich. Es stimmt, dass Menschen lernen müssen, mit beiden Füßen auf dem Boden der Realität zu bleiben und ihre Filter anzuwenden, um Wahrheiten von Lügen unterscheiden zu können.

Dennoch gibt es nichts Traurigeres in der Welt als den Mangel an Zuversicht und Vertrauen. Denn dies führt nur dazu, dass Menschen sich voneinander distanzieren. Die Auswirkungen von Misstrauen zeigen sich beispielsweise darin, dass du nicht mehr an die Institutionen glaubst. Sie könnten auch dazu führen, dass sich bestimmte “Verschwörungstheorien” weiter entwickeln und verbreiten.

Darüber hinaus wirkt sich Misstrauen auch negativ auf deine psychische Gesundheit aus. Allerdings ist dies ein Thema, über das nur wenig gesprochen wird. Obwohl es im Gehirn einen Mechanismus gibt, mit dem es Gefahren und Risiken erkennen kann, liegt seine eigentliche Priorität in sozialen Interaktionen. Menschen sind gesellige Lebewesen, die zum Überleben, Interagieren, Lachen, Weinen, Teilen, Erschaffen usw. eine Gruppe benötigen.

Die Auswirkungen von Misstrauen sind, dass es sehr viel Stress verursacht und Mauern errichtet, die diese Verbindungen beeinträchtigen. Wenn wir Menschen zusammenarbeiten, sind wir dazu in der Lage, die besten Leistungen zu erbringen. Aber dies ist nur dann möglich, wenn wir Synergien und gegenseitiges Vertrauen als Mechanismen für unseren Fortschritt kombinieren können.

“Vertraue niemals dem Rat eines Menschen, der in Schwierigkeiten ist.”

-Aesop-

Auswirkungen von Misstrauen - Person vor riesigem Gehirn

Auswirkungen von Misstrauen und die Neurowissenschaft

Wir wollen dir einige Beispiele geben, anhand derer du besser verstehen wirst, worum es bei der Neurowissenschaft des Misstrauens geht. Wer ist nicht schon wenigstens einmal auf gefälschte Nachrichten und Informationen hereingefallen? Jemand sendet dir eine Nachricht und du liest sie. Weil du sie für interessant hältst, leitest du sie an andere weiter. Dann findest du nur wenig später heraus, dass alles gar nicht stimmt und du fühlst dich irgendwie naiv und leichtgläubig. Und das nervt dich dann.

Aber wenn dir das mehr als einmal passiert, verändert sich etwas. Auf einmal wirst du skeptisch und weniger empfänglich. Das liegt daran, dass du dich tief im Inneren verändert hast.

Etwas Ähnliches passiert in deinen Beziehungen. Wenn jemand, der dir viel bedeutet, dein Vertrauen missbraucht, fühlst du einen schmerzenden Stachel, der tiefer geht als reine Wut oder Verärgerung. Denn das, was du wirklich empfindest, ist emotionales Leiden.

Diese beiden Situationen zeigen auf, dass Emotionen auf zerebraler Ebene variieren. Daher beeinflussen negative und unangenehme Gefühle nicht nur deine Stimmung.

Denn sie können sogar dazu führen, dass du dein Verhalten veränderst. Das liegt daran, dass du in der Beurteilung von Nachrichten kritischer wirst und du Menschen nicht mehr vertraust. Hauptsächlich, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden. Das hört sich soweit alles gut an, aber was sagt nun die Neurowissenschaft über die Auswirkungen von Misstrauen?

Vertrauen und Misstrauen beeinflussen unterschiedliche Bereiche im menschlichen Gehirn

Man könnte sagen, dass es ein vertrauendes und ein misstrauisches Gehirn gibt. Das erste befindet sich im Bereich des präfrontalen Kortex, dem Bereich, in dem Prozesse wie das höhere Denken und exekutive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Reflexion, logische Schlussfolgerungen, Unterscheidungsfähigkeit und Empathie stattfinden.

  • Vertrauen setzt im menschlichen Gehirn starke Neurochemikalien wie Oxytocin frei. Du würdest dich nicht irren, wenn du behaupten würdest, dass diese Dimension eine der transzendentalsten für uns Menschen ist. Das liegt daran, dass es beruhigend ist, anderen Menschen zu vertrauen.
  • In ähnlicher Weise zeigt die Neurowissenschaft des Misstrauens, dass dieser Zustand aus einem primitiveren Mechanismus entsteht. Wenn Menschen dieses Gefühl erleben, werden die Amygdala und andere Bereiche des limbischen Systems aktiviert.
  • Wenn du Misstrauen verspürst, reagiert dein Gehirn genauso wie es auf Stress reagiert. In diesem Zustand wird Cortisol ausgeschüttet, welches deine kritischen und reflektierenden Sinne und deine Empathie reduziert.

Daher führt Misstrauen dazu, dass du noch vorsichtiger wirst. Darüber hinaus kann es in einigen Fällen auch dazu führen, dass du nicht mehr dazu in der Lage bist, Dinge aus einer breiteren Perspektive zu reflektieren, zu argumentieren und zu betrachten. Dies wiederum führt dazu, dass du unflexibel bist und dich möglicherweise sogar aggressiv verhältst, um dich vom “Objekt deines Misstrauens” abzugrenzen.

Auswirkungen von Misstrauen - Mann mit rauchendem Kopf

Dimensionen, auf die du in einer “Kultur des Misstrauens” achten solltest

Möglicherweise lebst du bereits inmitten einer Kultur des Misstrauens und es fällt dir schwer, irgendetwas zu glauben, das du hörst oder liest. Wie wir bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt haben, ist diese Wahrnehmung und Haltung nicht nur sehr traurig, sondern wirkt sich auch sehr negativ auf dich und die Gesellschaft als Ganzes aus.

Aus diesem Grund rät die Neurowissenschaft des Misstrauens dazu, dass du versuchen solltest, diesen Prozess wieder umzukehren. Denn der Preis, den du für diese Empfindung bezahlen musst, ist sehr hoch, weil dein Gehirn sie als Stress wahrnimmt. Wenn du nicht dazu in der Lage bist, deinen Mitmenschen, den Nachrichten, deinen Führungskräften und öffentlichen Institutionen zu vertrauen, gerätst du in einen Zustand permanenter Unsicherheit und Unbehaglichkeit. Du befindest dich immer in der Defensive.

Weitere Überlegungen zu den Auswirkungen von Misstrauen

  • Du solltest dein Misstrauen auf eine bestimmte Situation oder Person begrenzen. Hauptsächlich den Menschen gegenüber, die dich bereits enttäuscht oder getäuscht haben. Du solltest das nicht verallgemeinern.
  • Außerdem kannst du auch nicht mit einer Alles-oder-Nichts-Haltung durchs Leben gehen. Weder Menschen noch die Gesellschaft sind perfekt, jeder macht Fehler. Wenn ein Mensch einmal einen Fehler begangen oder dich enttäuscht hat, bedeutet das noch lange nicht, dass dies sein grundsätzliches Verhalten ist.
  • Wenn du nicht vertraust, werden andere Menschen dir auch nicht vertrauen. Daher sollte deine grundsätzliche und aufrechte Haltung anderen gegenüber auf Vertrauen basieren.
  • Lasse dich nicht vom Gruppenzwang beeinflussen. Häufig fordern dich Menschen in deinem Umfeld vielleicht dazu auf, deine Augen und Ohren zu verschließen und vielen Menschen und Dingen um dich herum zu misstrauen. Stattdessen solltest du dir aber besser deine eigene Meinung bilden!

Abschließend lässt sich feststellen, dass es in schwierigen Zeiten nichts Wichtigeres gibt als gegenseitiges Vertrauen. Denn es ist für die Menschen so lebenswichtig wie der Sauerstoff zum Atmen. Nur du selber kannst vertrauen. Fasse dir ein Herz und gib dem Vertrauen noch einmal eine Chance!