Die Metapher von den Wellen an der Küste

5. Mai 2019

Die Metapher von den Wellen an der Küste ist ein Mittel, das Therapeuten in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie einsetzen, die wiederum zur Gruppe der „dritten Welle der Verhaltenstherapien“ gehört. In einem klinischen Kontext ist dieses Instrument hilfreich, um negativen Emotionen und Gedanken die Kraft zu nehmen.

In diesem Artikel wollen wir die Metapher von den Wellen an der Küste erläutern und erklären, wie du sie im Alltag anwenden kannst. Dazu musst du jedoch zunächst verstehen, worum es bei der Akzeptanz- und Commitmenttherapie geht.

Was ist Akzeptanz- und Commitmenttherapie?

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie ist eine relativ neue therapeutische Strategie. Sie entstammt jenem Zweig der Psychologie, in dem die kognitive Verhaltenstherapie verortet ist. Als solche basiert diese Therapie auf der Idee, dass unsere Gedanken eine enorme Macht darüber haben, wie wir uns letztendlich fühlen.

Im Gegensatz zur kognitiven Verhaltenstherapie versucht die Akzeptanz- und Commitmenttherapie jedoch nicht, das zu ändern, was dem Patienten durch den Kopf geht. Vielmehr geht es um die Macht seiner Gedanken: Die Basis dieser Strategie ist die Hypothese, dass unsere Gedanken nur so viel Kraft haben, wie wir ihnen geben.

Frau, die eine Wolke hält

Einer der Grundsätze der Akzeptanz- und Commitmenttherapie ist, dass negative Emotionen uns nicht verletzen können. Die Begründer der Akzeptanz- und Commitmenttherapie glauben, dass sie einfach da seien. Wenn wir also lernen, sie zu akzeptieren, leiden wir weniger. Um Patienten genau dabei zu helfen, verwenden Therapeuten Techniken, die eine große Portion Vorstellungskraft erfordern. Und eine dieser Techniken ist die Metapher von den Wellen an der Küste.

Die Metapher von den Wellen an der Küste

Die Verwendung dieser Metapher in der Therapie soll dem Patienten helfen, zu verstehen, dass seine Gedanken und Gefühle ihn nicht verletzen können. Folglich ist dieser Ansatz sehr gut geeignet für Menschen, die an Angst leiden.

So funktioniert es: Stelle dir einen langen, weißen Sandstrand vor. Ständig brechen Wellen am Ufer. Einige sind klein. Andere jedoch sind groß und wirken bedrohlich. Was auch immer ihre Größe ist, sie verschwinden, als hätten sie niemals existiert, sobald sie den Strand erreichen.

Stelle dir nun vor, wie jemand versucht, gegen die Wellen zu kämpfen. Das macht keinen Sinn, richtig? Am Ende des Tages schadet das Wasser dem Strand nicht. Der Kämpfer wird am Ende lediglich frustriert und müde sein.

Wellen an der Küste

Wie du wahrscheinlich schon vermutest, bist du der Strand. Genau wie dieser kannst du fast allem widerstehen, was dir in den Weg kommt. Die Wellen repräsentieren die Gedanken und Emotionen, die dir nichts anhaben können.

Ja, manche Wellen sind mächtiger als andere. Du fühlst dich vielleicht für einen Moment bedroht, ängstlich. Es könnte sogar so aussehen, als würden sie niemals brechen. Aber am Ende lösen sich alle Wellen im Sand auf, egal wie eindrucksvoll sie einst waren.

Das Ziel der Metapher ist es, dir zu helfen, Akzeptanz als eine Alternative zur Kontrolle zu verstehen.

Wie diese Metapher verwendet wird

Entsprechend der Akzeptanz- und Commitmenttherapie besteht unser Geist aus zwei Teilen. Einer von ihnen ist für das Denken und Fühlen verantwortlich. Der andere Teil deines Geistes ist der „Beobachter“; er wird niemals verletzt.

Dein beobachtender Teil des Geistes ist wie die Küste in der Metapher. Gedanken und Emotionen kommen und gehen, aber die Küste bleibt. Also, was ist der Grund für jene Sorge und Ängste, die du ihretwegen verspürst? Warum willst du gegen diese unkontrollierbaren Gedanken und Gefühle kämpfen? Die Metapher der Wellen an der Küste kann dir helfen, dich von gewissen geistigen „Erzeugnissen“ zu distanzieren.

Häufig kommt unser Leiden nämlich nicht von dem, was tatsächlich passiert. Stattdessen kommt davon, was wir uns einreden. Wenn wir den bedrohlichen Geschichten und Sorgen in unserem Kopf zu viel Bedeutung beimessen, steuern wir direkt ins Unglück.

Du hast die Möglichkeit, dir selbst mitzuteilen, was passiert. Tritt als Beobachter auf, nicht als Dolmetscher. Deine Gedanken und Gefühle haben nur so viel Macht über dich, wie du ihnen gibst. Am Ende verschwinden die Wellen und das Meer beruhigt sich wieder.

Powers, M. B., Zum Vörde Sive Vörding, M. B., & Emmelkamp, P. M. G. (2009). Acceptance and commitment therapy: A meta-analytic review. Psychotherapy and Psychosomatics. https://doi.org/10.1159/000190790

Hayes, S. C., Luoma, J. B., Bond, F. W., Masuda, A., & Lillis, J. (2006). Acceptance and Commitment Therapy: Model, processes and outcomes. Behaviour Research and Therapy. https://doi.org/10.1016/j.brat.2005.06.006