Die Illusion der Kontrolle in der Therapie: Ein schlechter Grund, sie zu beenden

26. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Illusion der Kontrolle - Traurige Frau schaut aus dem Fenster.

Es gibt Momente in unserem Leben, in denen wir uns fragen, ob es eine gute Idee wäre, zu einem Psychologen zu gehen. Wir haben Zweifel und Ängste und wollen deswegen einen Psychologen um Rat bitten. Manchmal kann unser emotionales Wohlbefinden so tief fallen, dass wir meinen, jegliches Licht und jede Hoffnung verloren zu haben. Auf der Suche nach einem Ausweg aus unserer momentanen Situation ziehen wir es in Betracht, zu einem Spezialisten zu gehen. Vielleicht suchen wir sogar nach alternativen Heilmethoden oder pseudowissenschaftlichen Therapien.

„Ich weiß, dass ich nicht immer richtig gehandelt habe. Ich versuche nur, darüber nachzudenken, wie ich mich selbst besser machen kann, wie ich ein besserer Mensch, ein besserer Vater, ein besserer Künstler werden kann.“

Nayvadius Cash

Nachdem wir mit einem Therapeuten über unsere Ziele gesprochen haben, beginnen energiegeladen und mit besten Absichten die Therapie. Der Berg, der zu hoch schien, um ihn jemals zu erklimmen, erscheint uns nun etwas kleiner. Wir fühlen uns besser und sehen sogar, dass wir Fortschritte machen, dass wir in der Therapie die Kontrolle über unser Leben zurückerlangt haben.

Doch wann ist es Zeit, eine Therapie zu beenden?

Die Illusion der Kontrolle

Die Illusion der Kontrolle ist unter Psychologen bekannt, und auch ihre Patienten sind sich dieses Scheins bewusst, auch wenn sie ihn vielleicht nicht in Worten ausdrücken. Wir entwickeln Wege, uns selbst zu täuschen, unter anderem durch irrige Argumentation und Denkweisen.

Kontrolle ist das Gefühl, die Situation zu beherrschen und die Macht über Umstände zu haben, die nicht wirklich von uns abhängen. Ein klares Beispiel dafür ist der Spieler: Er glaubt, dass er sich mit Strategien in unkontrollierbaren Spielen wie Roulette Erfolge sichern kann.

„Die Realität ist nur eine Illusion, wenn auch eine sehr hartnäckige.“

Albert Einstein

Besorgte FrauWährend der Therapie, insbesondere wenn sie zur Behandlung bestimmter Störungen erfolgt, ist der Gedanke der Kontrolle riskant. In Therapiesitzungen ist diese Illusion eines der häufigsten Probleme, die auftreten können. Es ist logisch, dass wir, wenn wir von unseren Fesseln und Ketten negativer Gedanken befreit fühlen, anfangen zu zweifeln, ob wir noch Hilfe brauchen.

Es ist grundsätzlich etwas Positives, wenn wir uns besser fühlen, aber wir müssen unsere Gefühlswelt mit der Realität vergleichen und dürfen nie die Perspektive verlieren. Es ist eines der Ziele, an denen Therapeuten während der Therapie mit uns arbeiten. Und von allen möglichen Gründen, warum eine Person eine Therapie abbrechen kann, ist die Illusion der Kontrolle einer der ungünstigsten, wegen der Folgen, die unvorbereitete Rückfälle haben können.

Die Bedeutung der Nachsorge in der Therapie

Wenn wir beginnen, Ergebnisse in der Therapie zu erzielen, folgen wir den nächsten Schritten, nehmen uns sogar eigene Ziele vor und treffen Entscheidungen darüber, wie wir fortfahren wollen. Das ist etwas sehr Gutes.

Schädliche Gedanken und schlechte Gewohnheiten abzulegen, bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass wir sie „kontrollieren“. Da müssen wir während der Therapie und auch danach aufpassen. Wir dürfen nicht wieder auf das verzichten, was uns stärker gemacht hat. Wenn wir das anfängliche Problem gelöst haben, ist es ratsam, einen Präventionsplan zu entwerfen, der es uns erlaubt, die Ergebnisse der Therapie aufrechtzuerhalten und auch in erlernte Techniken auch in Zukunft anzuwenden.

„Lüge dich nicht selbst an. Der Mensch, der sich selbst belügt und auf seine eigene Lüge hört, kommt an einen Punkt, an dem er die Wahrheit in sich und um ihn herum nicht mehr erkennen kann und so jeglichen Respekt vor sich selbst und vor anderen verliert. Und ohne Respekt hört er auf, zu lieben.“

Fjodor Dostojewskij

Gespräch mit einem Psychologen

Der Therapeut wird deshalb zweiwöchentliche, monatliche, vierteljährliche und halbjährliche Sitzungen einplanen, bevor wir wieder ganz allein auf unseren Füßen stehen müssen. Dieser Prozess des Monitoring ist notwendig, denn es könnte sein, dass wir anfangen, zu zweifeln, ob es uns noch gut geht, ob wir nicht wieder vom Weg abgekommen sind. Es ist riskant, einfach zu sagen „Mir geht’s gut“,  weil wir dann dieser Illusion der Kontrolle erliegen und uns den eingeschlagenen Weg und das vorausliegende Ziel nicht genauer ansehen. Denke daran, dass das Ziel in einer Folge kleiner Schritte erreicht wird.

„Erfolg wird nicht nur mit besonderen Qualitäten erzielt. Er ist vor allem ein Werk der Beständigkeit, der Methode und der Organisation.“

J.P. Sergent

Auch interessant