Die fünf Phasen der Schizophrenie

Lerne die Phasen der Schizophrenie kennen und erfahre, was in jeder Phase passiert. Welche Symptome treten auf, wie unterscheiden sie sich voneinander und folgen sie einer bestimmten Reihenfolge?
Die fünf Phasen der Schizophrenie
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 07. September 2022

Der Verlauf der Schizophrenie wird in Phasen eingeteilt, die ein besseres Gesamtbild über die Krankheit ermöglichen. Wir analysieren heute die fünf verschiedenen Phasen der Episoden, welche jedoch bei jedem Patienten unterschiedlich verlaufen.

Nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist Schizophrenie eine schwere psychische Störung, von der weltweit mehr als 21 Millionen Menschen betroffen sind. Sie tritt bei Männern (12 Millionen) häufiger und früher auf als bei Frauen (9 Millionen).

Die fünf Phasen der Schizophrenie

Die American Psychiatric Association (APA, 1999) unterscheidet vier Phasen der Schizophrenie: die Prodromalphase, die akute Phase, die Stabilisierungsphase und die stabile oder residuale Phase. Wir sprechen von fünf Phasen, da wir die stabile Phase von der Restphase unterscheiden. Die meisten Personen, die an Schizophrenie erkranken, durchlaufen alle fünf Phasen.

Mann kennt die fünf Phasen der Schizophrenie

Die Prodromalphase

In der Vorphase oder Prodromalphase entstehen die ersten Symptome der Krankheit. In dieser Phase ist es wichtig, das Risiko eines psychotischen Ausbruchs zu verringern oder Rückfälle zu verhindern. Mit anderen Worten: Die richtigen Maßnahmen können der nächsten Phase vorbeugen, was jedoch nicht einfach ist. Besonders wichtig ist die Beobachtung der charakteristischen Symptome der Prodromalphase:

  • Konzentrationsschwierigkeiten,
  • Nervosität oder Unruhe,
  • veränderter Tagesablauf oder gestörte Routinen (Schlaf- und Aufstehzeiten usw.),
  • Symptome von Traurigkeit und Depression,
  • Essstörungen (oft Appetitlosigkeit),
  • Schlafstörungen (z. B. Schlaflosigkeit),
  • sozialer Rückzug (kein Interesse an Freunden),
  • Anfänge von Anhedonie (keine Freude oder Lust),
  • Gefühle der Wertlosigkeit,
  • Grübelei,
  • Fehleinschätzung der Realität.

Es müssen nicht alle Symptome auftreten, doch je mehr davon vorhanden sind, desto wahrscheinlicher kommt es zu einem psychotischen Ausbruch, einer Erkrankung oder einem Rückfall. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass sich der Zustand der Patienten bei jedem weiteren Rückfall verschlechtert. Es ist also grundlegend, die Prodromalphase zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Die aktive/akute Phase

In dieser Phase erleiden Schizophrenie-Patienten einen akuten Schub mit intensiven Symptomen: Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Stimmenhören, desorganisiertes Denken und Sprache usw. Das Verhalten der Person verändert sich stark: Es ist desorganisiert, auffällig und zum Teil bizarr. Viele erleben übertriebenes Misstrauen gegenüber anderen bis hin zur Paranoia.

Die Dauer dieser Phase ist bei jeder Person sehr unterschiedlich. Sie ist jedoch bei derselben Person in der Regel konstant. In den meisten Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt nötig. 

Experten bezeichnen die Symptome, die in der akuten Phase auftreten, als positive Schizophreniesymptome.

Die Stabilisierungsphase

Die Stabilisierungsphase wird auch als Erholungsphase bezeichnet. In dieser Phase nehmen die psychotischen Symptome an Intensität ab. Dies ist in der Regel der Fall, wenn der Patient zufriedenstellend auf die Behandlung anspricht. In dieser Phase geht es darum, die noch vorhandenen Symptome zu lindern und gleichzeitig einen Rückfall zu vermeiden.

Martín & Navarro erklären in ihrem Artikel Schizophrenie, dass die durchschnittliche Dauer dieser Phase 6 Monate beträgt. Die Clinical Practice Guideline on Schizophrenia and Incipient Psychotic Disorder hält fest, dass diese Phase zwischen 6 und 12 Monaten dauert.

“Es gibt keine Stabilität ohne Solidarität und keine Solidarität ohne Stabilität.”

José Manuel Barroso

Die Restphase

In dieser Phase stellen sich die negativen Symptome der Schizophrenie in unterschiedlichem Ausmaß ein. Eine der möglichen Komplikationen in dieser Phase ist das Auftreten von Depressionen. In dieser Phase ist die Suizidprävention von entscheidender Bedeutung.

Welche Negativsymptome der Schizophrenie treten in dieser Phase auf?

  • Alogie: Verarmung des Denkens und der Sprache;
  • Apathie: mangelndes Interesse und fehlende Motivation;
  • Anhedonie: keine Freude an Dingen, die früher Spaß machten;
  • Abulie: krankhafte Willenslosigkeit.

Eine in der Zeitschrift Psychological Medicine veröffentlichte Metaanalyse von Savill et al. (2014) legt nahe, dass die Negativsymptome der Schizophrenie im Laufe der Zeit deutlich zurückgehen. Dies ist unabhängig von der Art der Intervention. In der Metaanalyse wurde insbesondere festgestellt, dass sich die Symptome Alogie, Abulie, Apathie, affektive Abstumpfung und sozialer Rückzug zurückbilden.

Frau denkt über die Phasen der Schizophrenie nach

Die stabile (asymptomatische) Phase

Die letzte Phase der Schizophrenie ist die stabile oder asymptomatische Phase. Es handelt sich um das Ziel eines jeden Patienten. Wenn Symptome auftreten, betrifft dies in der Regel Angstzustände, Depressionen, Verspannungen und/oder Schlaflosigkeit. Eine Psychotherapie kann in diesem Zustand dabei helfen, den Patienten Strategien zu erklären, um Rückfälle zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Ist keine Stabilisierung möglich, kommt es erneut zur akuten Phase. Deshalb ist es von größter Bedeutung, entsprechende Maßnahmen zu treffen und mit den Patienten zu arbeiten. Diese erhalten normalerweise eine pharmakologische Behandlung. Zusätzlich ist die psychologische Betreuung ausschlaggebend.

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  • de la Guía, G. D. T. (2009). Guía de práctica clínica sobre la esquizofrenia y el trastorno psicótico incipiente. Agència d’Avaluació de Tecnologia i Recerca Mèdiques.
  • Savill, C. Banks, H. Khanom and S. Priebe (2014). Do negative symptoms of schizophrenia change over time? A meta-analysis of longitudinal data. Psychological Medicine, 1-15.
  • Yung, A.R y McGorry, P.D. (1996). The prodromal phase of firstepisode psychosis: past and current conceptualizations.
    Schizophr Bull, 22(2): 353-70.