Die Entwicklung der Sinnesorgane eines Babys im Mutterleib

Die Entwicklung der Sinne beginnt bereits im Mutterbauch. Erfahre heute mehr darüber!
Die Entwicklung der Sinnesorgane eines Babys im Mutterleib
Cristina Roda Rivera

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Cristina Roda Rivera.

Letzte Aktualisierung: 27. September 2022

Während der Schwangerschaft entwickeln sich die Sinnesorgane des Babys in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge. Dies ermöglicht es dem heranwachsenden Baby, im Mutterbauch verschiedene Umweltreize aufzunehmen und eine frühe Bindung zur Mutter aufzubauen. Erfahre heute mehr über dieses spannende Thema.

Die Entwicklung der Sinnesorgane

Der Tastsinn

Der Tastsinn entwickelt sich bereits ab der sechsten bis achten Schwangerschaftswoche und ermöglicht dem Baby die ersten Berührungserfahrungen. Die Sinnesrezeptoren entwickeln sich zunächst im Gesicht, insbesondere in der Mundpartie und auf der Zunge. Dies ist kein Zufall, denn das Kind steckt bereits im Mutterbauch seine Finger in den Mund und sammelt so positive Erfahrungen. Es bereitet sich damit auf die Stillzeit nach der Geburt vor.

Nach 11 Wochen sind bereits im gesamten Gesicht, auf den Handflächen und auf den Fußsohlen Tastrezeptoren vorhanden. Ab der 12. Woche bildet sich der Tastsinn am ganzen Körper aus, der Fötus spielt nicht nur mit seinem Daumen, sondern auch mit der Nabelschnur und seinen Füßen. Er empfindet unter anderem Wärme, Kälte oder Druck. Bei der Geburt ist der Tastsinn der am weitesten entwickelte Sinn. Gehirnscans deuten allerdings darauf hin, dass sich die Schmerzempfindung erst zwischen der 23. und 30. Schwangerschaftswoche bildet.

Der Geruchs- und Geschmackssinn

Diese beiden Sinne sind eng miteinander verbunden, denn etwa 90 % des Geschmackssinns ist durch die Geruchswahrnehmung möglich.

Die Geschmacksknospen entwickeln sich bereits ab der vierten Woche. Die Struktur des Riechkolbens ist ab der achten Schwangerschaftswoche mit der Erwachsener vergleichbar. Das Baby kann verschiedene Geschmäcker des Fruchtwassers wahrnehmen, die sich je nach Ernährung der Mutter verändern. Der Ernährungsplan der Mutter hat deshalb große Auswirkungen auf die späteren Vorlieben des Kindes.

Auch die Geruchsrezeptoren werden durch die verschiedenen Aromen im Fruchtwasser stimuliert. Das Kind fühlt sich dadurch geborgen und erinnert sich auch nach der Geburt an diese Aromen. Gegen Ende der Schwangerschaft kann das Baby praktisch alle Gerüche, welche die Mutter riecht, wahrnehmen, da die Plazenta zunehmend durchlässiger wird. Nach der Geburt erkennt der Säugling den Geruch der Muttermilch und ist auch neugierig auf neue Gerüche.

Der Hörsinn

Ab der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche ist das Ohr ausgebildet und ab der 28. Woche können die kleinen Bauchbewohner die Stimmen ihrer Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie nehmen die mütterliche Stimme von außen und von innen wahr und sind deshalb auch nach der Geburt in der Lage, diese zu erkennen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass das Abspielen einer Aufnahme der Mutterstimme ausreicht, um die Saugfähigkeit zu verbessern und einen Krankenhausaufenthalt zu verkürzen.

Die Stimme der Mutter beruhigt ein Baby unter Stress, indem sie den Cortisolspiegel (Stresshormon) senkt und die Oxytocinwerte (Bindungshormon) erhöht.

Der Sehsinn

Obwohl im Mutterleib Dunkelheit herrscht, lässt die menschliche Haut etwas Licht durch. Ab dem achten Schwangerschaftsmonat nehmen Babys hell und dunkel wahr. Forscher haben herausgefunden, dass Föten die Bewegung von Punktmustern, die einem menschlichen Gesicht ähneln, etwa doppelt so häufig verfolgen als andere. Dasselbe Muster und dieselbe Vorliebe wurde bei Babys nach der Geburt nachgewiesen.

Das deutet darauf hin, dass die Vorliebe für menschliche Gesichter angeboren sein könnte und nicht einfach das Ergebnis von Erfahrungen ist, die nach der Geburt gemacht werden. Es macht auch deutlich, dass der Fötus aktiv auf die Außenwelt reagiert, lange bevor er diese betritt. Allerdings ist der Sehsinn bei der Geburt der am wenigsten entwickelte Sinn.

Neugeborene sind kurzsichtig: Sie sehen nur etwa bis zu einer Distanz von acht bis zwölf Zentimetern. Außerdem können sie keine Farben und Formen unterscheiden. Diese Fähigkeiten entwickeln sie erst in den darauffolgenden Monaten. Sie reagieren empfindlich auf helles Licht und schließen schnell die Augen.

Die Entwicklung der Sinnesorgane eines Babys im Mutterleib

Die Stimulation der Sinnesorgane

Die frühe sensorische Entwicklung im Mutterleib bereitet das Ungeborene auf die Außenwelt vor. Die Sinnesorgane können bereits im Mutterleib stimuliert werden, unter anderem durch die Ernährung der Mutter oder durch Musik, die das Baby im Mutterbauch hört. Nach der Geburt verfeinert das Kind seine Sinne, die grundlegend für die kognitive Entwicklung sind.

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