Die Distanz verhindert, dass ich dich küssen kann, aber nicht, dass ich aus ganzer Kraft liebe

16. September 2016 en Emotionen 64 Geteilt

Ich möchte niemals die Momente vergessen, in denen wir versucht haben, zu berechnen, wie weit die Distanz zum Horizont ist. Und auch nicht die Male, als ich schon alles aufgegeben habe und du doch noch verhindert hast, dass ich alles verliere, was ich besaß. Wärst da nicht du gewesen, der ständig die Erdanziehungskraft herausgefordert und mit dem Wind gespielt hat…

Ich will auch nicht vergessen, wie wir immer wieder zusammen gespielt haben, obwohl wir uns bereits als Erwachsene kennengelernt hatten und mit ausreichend Manien, um uns jeden Tag wieder neu und für immer zu erobern. Mir bleibt im Gedächtnis, wie gern ich dich die wenigen Male aufgezogen habe, in denen ich mal gewinnen konnte, und wie ich dir immer den Mund zugehalten habe, damit du nicht das Gleiche und noch mehr mit mir machen konntest. Auch bleibt mir der Gedanke, wie ich dich mit meinen Küssen verschlungen habe, damit du keine Luft einatmen und alles vergessen konntest.

Ich gestehe, dass es Momente gibt, in denen ich die Distanz nicht ertrage. Aber es sind Momente, die ich niemals missen würde, weil ich verstehe, dass in diesem süßen Ärger, dich nicht ändern zu können, auch die Tatsache liegt, zu einem sehr großen Teil sogar, dass ich in dich verliebt bin.

Schmetterlingsmann

Die Schmetterlinge, die zu einem Kitzeln werden

Die Poeten sprechen von Schmetterlingen – wie wenig wissen sie nur über uns. Ich glaube, es ist eher ein Kitzeln, so wie ich dich kitzle, wenn ich keine andere Art finde, dich ruhig zu stellen. Und unter anderem auch, wenn ich Lust darauf habe, dich zu berühren. Und du lässt alles mit dir machen, und ich lächele, denn in diesen Momenten fühle ich mich wie die Herrin der Zeit: Deiner Zeit, denn du bleibst ruhig, außer deine Lippen, die sich für ein Lächeln über dein Gesicht ziehen.

Schau nur, welche Schwierigkeiten wir überwunden haben, und es gab auch Momente, in denen wir wie Diebe glaubten, die ganze Welt würde uns gehören. Und das geht immer noch so. Ich sage „immer noch“,  weil es am besten ist, wenn etwas nicht schon vorbei ist und auch nicht erst in der Zukunft auf uns wartet. Ich verrate dir ein Geheimnis: Die Distanz bis zum Horizont ist unendlich weit.

Deshalb mag ich Mathematiker, weil sie Dinge erfinden und daran glauben, so wie wir, die wir Dinge erfunden und an uns geglaubt haben. Na gut, du magst mir vielleicht sagen, dass wir nicht so elegant sind, aber du würdest mir auch zustimmen, dass wir dafür kühner sind, denn wir sind nicht wie zwei Funktionen, die keinen Schnittpunkt haben.

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Ich will keine Sekunde unserer Geschichte vergessen

Ich will keine einzige Sekunde unserer Geschichte vergessen, denn dank meiner Erinnerung trage ich dich bei mir, jetzt, wo uns die Distanz trennt. Es stimmt, dass mir Lieder, Bilder und verlorene Sätze helfen, die im sanften Licht einer Bar am frühen Morgen geschrieben wurden. Aber ohne die Erinnerung wäre ich nicht in der Lage, alles zusammenzufügen und einen eigenen Eintrag im Wörterbuch unter dem Stichwort Magie zu schreiben.

Ich wäre auch nicht fähig, vielen Dingen einen eigenen Sinn zu verleihen, die du mit Geduld erobert hast. Wenn der Poet Becquer als romantisch gilt, weil er nicht weiß, was er nur für einen Kuss geben würde, dann weiß ich wirklich nicht, was ich für die Erinnerungen geben würde, die auf unseren Schultern liegen, und für die, die uns bleiben, bis wir alt werden.

In irgendeinem Moment wirst du durch die Tür gehen, die gleiche, durch die du jeden Tag gegangen bist, mit einem Maß an Energie, das jeden Physiker außer Fassung bringen würde und ich werde dich in den Kofferraum meiner Erinnerung lassen, um neue Erinnerungen zu schaffen. Stets mit der Idee „falls wir das irgendwann einmal vergessen“,  lebe ich jeden Moment mit dir, und sei es, indem ich dich vermisse.

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Ich werde anfangen, dich nach dem Preis für diesen Kuss zu fragen, nach dem der romantische Poet so verrückt war. Danach werde ich dir die Augen schließen und auf deinen Körper, Buchstabe für Buchstabe, das schreiben, wovon ich will, dass du es nicht vergisst.

Es wir ein Moment kommen, in dem du spüren wirst, dass ich das sehr langsam mache, aber erinnere dich daran, wie man im Mittelalter geschrieben hat. Mit diesen Federn, die vom Papier in die Tintenfässer wanderten und so die Fähigkeiten desjenigen auf die Probe stellten, der sie führte. Warte, lass mich für eine Sekunde bei diesem Bild bleiben, denn es ist sehr komisch für mich, dass sie in Filmen nur selten zeigen, wie das Pergament mit Tinte vollgekleckst wurde.

Ich werde weitermachen, aber nicht so wie diese Regisseure, ich werde ins Drehbuch das Gute und das Schlechte schreiben, das Fromme und das Gottlose, die Freude und die Trauer, denn uns bleibt noch bis zum Horizont. Warum? Weil der Weg sehr weit ist und ich ihn mit dir gehen will…

Liebe dich selbst und lasse dich lieben
Es ist wichtig Dinge zu tun, die uns gefallen, Möglichkeiten zu nutzen, die sich präsentieren, ohne großartig darüber nachzudenken, ohne Erwartungen,…>>>Mehr
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