Die Bedeutung der Katharsis in der Psychologie

21. Januar 2019

„Katharsis“ bezieht sich in der Psychologie auf den Prozess, durch den wir negative Emotionen „reinigen“. Es ist so, als würden wir ein Fenster öffnen, um Luft in die Räume zu lassen, in denen eine lange Zeit Konflikte herrschten. Das erlaubt uns die Überwindung von Ärger und das Ablegen der Last der Traurigkeit, um uns selbst von innen zu befreien und gesündere, leichtere und entspanntere Zustände zu erreichen.

Dieser Begriff hat seine Wurzeln im psychoanalytischen Ansatz von Sigmund Freud. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass der Begriff selbst bereits von Aristoteles genutzt wurde. Dieser griechische Philosoph verwendete dieses Wort, um den Zweck der Tragödie in den darstellenden Künsten zu definieren: als Mechanismus, durch den wir uns emotional, mental und spirituell selbst reinigen können. Die Zuschauer können ihre eigenen Probleme lösen, indem sie sich in die Handlung solcher Theaterstücke hineinversetzen. Dazu ist es erforderlich, sich mit den Hauptfiguren der Geschichte zu identifizieren, sich in diese hineinzufühlen, ihre Probleme zu reflektieren und sie schlussendlich zu lösen.

Jahrhunderte später retteten Sigmund Freud und Joseph Breuer diese Idee, um etwas zu definieren, was sie als die „kathartische Methode“ bezeichnet haben. Hierbei handelt es sich um jene therapeutische Strategie, durch welche unterdrückte Emotionen durch Verfahren wie Hypnose sichtbar gemacht werden. Dabei ist es notwendig, Erinnerungen „freizuschalten“, um die psychologischen Falltüren zu öffnen, unter denen wir oft viele unserer Probleme verbergen.

Nun, bis zur heutigen Zeit, und wenn wir die Psychoanalyse kurz beiseite lassen, können wir sagen, dass dieser Begriff in vielen psychologischen Kontexten weiterhin regelmäßig Anwendung findet.Lasst uns im Folgenden mehr dazu erfahren.

„Man kann keinen Knoten lösen, ohne zu wissen, wie genau dieser geknüpft wurde.“

Aristoteles

Haus in einer Flasche, die nur teilweise über die Wasseroberfläche ragt

Die Katharsis in der Psychologie: Der Schlüssel des therapeutischen Prozesses

Wir alle sind täglich bemüht, stark und unverwundbar zu erscheinen. Der Druck der Gesellschaft treibt uns dazu. Außerdem haben wir oft kaum genügend Zeit, um bestimmte Erfahrungen angemessen zu verarbeiten, Erlebtes zu verstehen, Schäden zu bewerten, Widersprüche aufzulösen und Frustration und Enttäuschungen zu überwinden.

Tag für Tag verschlingen wir Eindrücke, ohne auch nur über den möglichen Schaden nachzudenken. Wir tun dies nicht nur deshalb, weil wir im Privaten nicht genügend Zeit haben, um bestimmte Effekte zu reflektieren. In Wahrheit wissen wir einfach nicht, was wir mit dem anfangen sollen, das uns passiert. Niemand hat uns beigebracht, wie wir mit intensiven Erlebnissen umgehen sollen, und so charakterisieren wir unsere eigene Inkompetenz in Bezug auf unsere Emotionen.

Die Katharsis in der Psychologie ist der Schlüssel zum therapeutischen Prozess. Irgendwann müssen wir an einen Punkt gelangen, an dem sich dieser Haufen an Konflikten auflösen kann. Unsere Emotionen jedoch tauchen auf dem Weg dorthin auf chaotische Art und Weise auf, vielleicht in Form von Tränen der Wut oder Traurigkeit, aber sie lassen uns nach und nach die richtigen Worte finden, um das Erlebte zu verarbeiten.

Dadurch, dass die zuvor genannte Falltür geöffnet wird, kann ein innerer Konflikt entstehen, welcher uns näher zur Analyse bringt. Dies ist jener Teil des Prozesses, in dem sich die emotionale Reinigung von der Suche nach einer Erklärung und Klärung des Problems transformieren muss. Auf Basis eines authentischen Verständnisses dessen, was mit uns geschieht, werden dann die Mechanismen der Veränderung in Gang gesetzt.

Die Emotionen zu bereinigen ist eine Kunst für sich

In einer Studie, die von den Ärzten Brad Bushman, Roy Baumeister und Angela Stack durchgeführt und im Journal of Personality and Social Psychology  veröffentlicht wurde, wird deutlich, dass es sehr wichtig ist, Erlebtes zu reflektieren. Die Katharsis in der Psychologie ist eine Kunst, die weiß, wie eine Regulierung von Emotionen erfolgen kann.

In dieser Arbeit wurde Folgendes demonstriert: Wenn wir es ermöglichen, dass aufgestaute Wut unkontrolliert freigesetzt wird, erreichen wir keine Erleichterung und oder Reinigung. Wir laufen Gefahr, diesen Zustand der Frustration und des Zornes sogar noch zu verstärken. All dies lädt uns dazu ein, einen sehr wichtigen Aspekt zu verstehen: Unsere Konflikte ins Äußere zu verlagern, führt nicht zur Lösung.

Im entsprechenden Teil des therapeutischen Prozesses haben die betreuenden Experten eine immense, transzendente Verantwortung. Sie müssen über dieses persönliche Handwerk verfügen, mit dem sie diese gesamte emotionale Energie bewältigen können. Sie müssen dazu in der Lage sein, diese willkommen zu heißen, umzuwandeln und dann weiterzuleiten. Denn zu reinigen ist mehr, als den Schmutz unter den Teppich zu kehren; es ist auch das Wissen, wie es verwandelt werden kann, um Heilung zu ermöglichen.

Die Katharsis in der Psychologie war für Freud ein bestimmendes Instrument. Später gab es auch noch andere Referenten wie Jacob Levy Moreno mit seinem Psychodrama. Hierbei erfolgt die Befreiung von Emotionen einzeln oder in Gruppen unter Einsatz von theatralischen Übungen.

Hände, in denen ein Schmetterling sitzt

Bis heute wird sehr oft gesagt, dass auch Fernseh- und Filmproduktionen als karthartische Kanäle fungieren mögen, durch die ein Teil unserer konflikthaften Emotionen beseitigt werden könne. Nach dieser modernen Theorie der Katharsis bildeten also Fernsehen und Kino jenen Rahmen, in dem wir auf unsere Ängste oder aggressiven Impulse reagieren könnten. Diese Hypothese liegt der von Aristoteles recht nahe.

Nun, unabhängig davon, ob wir es wollen oder nicht, ist es immer ratsam, diese inneren Falltüren zu öffnen, in denen sich jene benachteiligenden und einschränkenden Emotionen angesammelt haben. Schließlich braucht das Leben Schwung und das richtige Gewicht, um seinen Platz auf dem Höhepunkt des Wohlbefindens zu finden. Die Karthasis in der Psychologie kann uns dabei von großer Hilfe sein.

  • Freixas, G. y Miró. M. T. (1993): Aproximaciones a la psicoterapia. Barcelona: Paidós.
  • Freud, Sigmund (2011) Introducción al psicoanálisis. Alianza Editorial