Die Angst, alleine zu sein

22 Juli, 2020
Die Angst, alleine zu sein, ist normal, doch sie kann zum Problem werden, wenn sie dein Leben bestimmt. Erfahre, was du in diesem Fall tun kannst.

Die Angst, alleine zu sein, ist dem Menschen inhärent. Als soziale Wesen brauchen wir andere Menschen um uns herum, um uns erfüllt zu fühlen. Tatsächlich sind wir auch in vielen Fällen von unseren Mitmenschen abhängig. Die Bindungen, die wir zu anderen aufbauen, nähren uns, bereichern unser Leben und sind für unser Wohlbefinden unabdinglich.

Dies kann jedoch zu einem Problem werden, wenn wir kein ‘normales’ Leben führen können, ohne Menschen in unserer Nähe zu haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob unsere Angst auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass unser Partner uns verlassen hat oder sie entsteht, da wir in ein anderes Land ziehen mussten. Dieses Gefühl kann uns lähmen.

Was bedeutet es, Angst zu haben, alleine zu sein?

Die Angst, allein zu sein, beruht auf der Überzeugung, dass wir nichts alleine tun können und immer jemanden um uns herum brauchen. Dieses Gefühl kann so intensiv sein, dass wir den Punkt erreichen, an dem wir nicht einmal mehr auf uns selbst aufpassen können. Oftmals suchen wir in solchen Fällen verzweifelt die Gesellschaft anderer. Einige Experten sprechen in diesem Fall von einer Autophobie oder der „Angst vor sich selbst“.

Frau schaut in den Spiegel.

Die Angst, allein zu sein, hängt normalerweise mit externen Faktoren zusammen. Einige Experten bringen dies mit Trennungsangst, die sich schon im Kindesalter zeigen kann, in Verbindung. Diese Angst kann sich manifestieren, wenn ein Kind nicht verstehen kann, dass sein Betreuer es für einen kurzen Zeitraum verlässt.

Bei Erwachsenen geht die Angst vor dem Alleinsein mit dem Verlust eines geliebten Menschen einher. Sie zeigt sich auch in Fällen sentimentaler Trennung. Ein tiefes Gefühl der Verlassenheit und ein geringes Selbstwertgefühl führen zu dieser Angst.

Wie wir die Angst vor dem Alleinsein überwinden können

1. Die Angst, alleine zu sein, verstehen

Der erste Schritt zur Überwindung der Angst ist die Selbstbeobachtung. Es ist wichtig, dass wir verstehen, was wir gerade durchmachen, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dies ist oft der schwierigste und wichtigste Schritt, da wir über eine Vielzahl von Abwehrmechanismen verfügen, wie zum Beispiel der Verweigerung.

Wir können auf den Verweigerungsmechanismus zurückgreifen, um Ängste oder Stress zu ignorieren. Auf lange Sicht können wir diesen Teil von uns, der Angst hat, nicht unterdrücken. Wenn wir verstehen, was mit uns geschieht, kann der Heilungsprozess beginnen.

2. Akzeptieren wir unsere Angst

Wir müssen nicht nur unsere Angst erkennen, wenn wir diese in den Griff bekommen wollen. Wir müssen auch akzeptieren, dass sie einen Teil von uns ausmacht. Dieser Prozess ist nicht so einfach auszuführen, wie er sich anhört und geht Hand in Hand mit Vergebung.

Wir können nicht zulassen, dass Schuldgefühle unseren Geist beherrschen, weil Angst uns unter anderem wachsen lässt. Wenn wir in der Angst einen Wert finden, entwickeln wir uns auch weiter. Denken wir daran, dass der Schweizer Psychiater Carl Jung einmal gesagt hat: „Wir können nichts ändern, bis wir es akzeptieren. Verurteilung befreit nicht, sie unterdrückt.“

3. Die Gründe für die Angst, alleine zu sein, analysieren

Alle Ängste haben einen Ursprung. Es ist wichtig, dass wir herausfinden, woher unsere Angst stammt. Auf diese Weise können wir unsere Optionen in Bezug auf mögliche Lösungen abwägen. Außerdem hilft es uns, herauszufinden, was diese Angst uns zu vermitteln versucht.

Die Angst, alleine zu sein, wird, wie bereits gesagt, durch Trennung, Distanz und Verlust verursacht. Doch sie hängt oft auch mit anderen Emotionen zusammen, wie zum Beispiel:

  • Angst vor dem Verlassen werden.
  • Die Angst vor dem Scheitern oder einem Übermaß an Perfektionismus und Verantwortung.
  • Angst davor, was Leute über uns sagen oder denken.
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Das Erkennen der Ursache für unsere Angst vor dem Alleinsein scheint ein einfacher Vorgang zu sein. Der Schmerz, den wir verspüren, verzerrt jedoch häufig unsere Realität und erschwert den Prozess der Problemlösung. Aus diesem Grund ist es wichtig, unsere Gefühle nicht zu ignorieren, sondern daran zu arbeiten.

4. Über die positiven Aspekte des Alleinseins nachdenken

Wenn wir unsere Angst vor dem Alleinsein überwinden wollen, müssen wir diese Situation als einen notwendigen und positiven Teil unseres Lebens betrachten. Sie kann zu einer Zuflucht werden, in der wir uns besser auf uns selber konzentrieren können.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir versuchen, das Alleinsein mit positiven Dingen zu verknüpfen. Wenn wir dies tun, verliert unsere Angst an Intensität. Darüber hinaus kann das Alleinsein zu einer Phase der Verjüngung in unserem Leben führen. Vielleicht werden wir feststellen, dass wir Prioritäten setzen müssen, um auf uns selbst zu achten.

Alleine zu sein hilft uns, uns selbst zu verstehen. Es bringt uns Momente des Friedens, die wir nur selbst genießen können.

5. Alleinsein ist ein menschliches Bedürfnis

Wie wir bereits erwähnt haben, ist es gut für unsere emotionale Gesundheit, alleine zu sein. Dies bedeutet, dass es wichtig ist, Zeit alleine zu verbringen, vielleicht sogar täglich, um die Energien wiederzugewinnen, die wir im Laufe des Tages verlieren.

Ein Spaziergang alleine, ein Film schauen, den wir mögen, essen gehen… Nutzen wir diese Momente, um die Einsamkeit zu genießen, die wir brauchen.

6. Professionelle Hilfe

Manchmal kann die Angst, alleine zu sein, zu einem ernsthaften Problem werden. Sie kann sogar zu Depressionen, Angstzuständen und emotionaler Abhängigkeit führen. Deshalb ist es wichtig, einen Fachmann zu konsultieren, wenn die Angst uns überwältigt.

Denke daran: Du bist dein bester Freund und Begleiter. Es mag naheliegen, doch viele vergessen, dass sie selbst die einzige wirklich unentbehrliche Person in ihrem Leben sind.