Die Andropause: die männliche Menopause – Mythos oder Realität?

· 13. Januar 2019

Gibt es eine männliche Menopause? Es sind nicht wenige Männer mittleren Alters, die an Symptomen wie dem Verlust der Libido, Schlafstörungen, Müdigkeit und schlechter Laune leiden. Einige Autoren bezeichnen diese als hormonelle und psychologische Symptome des Testosteron-Mangel-Syndroms (TMS). Andere Fachleute verweisen unter Verwendung des Begriffs der Andropause auf den fehlenden Konsens hinsichtlich des Namens und der Merkmale dieser Phase im Leben des Mannes.

Wenn wir die Beschwerden von Männern und Frauen mittleren Alters analysieren, kann es sein, dass uns auffällt, dass sie möglicherweise gar nicht so unterschiedlich sind. Bis vor einigen Jahren wurden die Symptome der bekannten Menopause nur bei den Frauen festgestellt; dies hat sich jedoch inzwischen geändert und man definierte auch einen Begriff für die männliche Menopause: sie nennt sich Andropause.

Natürlich unterscheiden sich die hormonellen Parameter und die körperlichen Merkmale sehr zwischen den beiden Geschlechtern, doch können diese bei beiden zu ähnlichen Beschwerden führen. In diesem Sinne entwickelt sich die Wissenschaft jeden Tag weiter und wirft mehr und mehr Licht auf dieses Thema.

„Das TMS betrifft bis zu 7 % der Männer unter 60 Jahren, doch diese Zahl steigt auf 20 % an, wenn die Männer die sechste Lebensdekade abschließen.“

Jorge Aranda Lozany und Rocío Sierra Labarta

Das Testosteron als Protagonist der Andropause

Nach dem 40. Lebensjahr beginnt der Testosteronspiegel, zu sinken, jährlich um bis zu 2 %. Wie in einem Artikel im European Journal of Pain  erwähnt wurde, wird Testosteron von beiden Geschlechtern produziert, jedoch ist seine Konzentration bei Männern höher und für hormonelle Veränderungen, das Wachstum von Muskeln, Knochen und Sexualorganen verantwortlich.

Daherist es nicht überraschend, dass die Verringerung des Hormonspiegels mit Symptomen einhergeht, die mit sexuellen Funktionen, wie dem sexuellen Verlangen, der Erektionsfähigkeit oder der Spermienproduktion, in Zusammenhang stehen. Neben dem sexuellen Bereich können jedoch noch andere Funktionen, wie zum Beispiel der Schlaf, betroffen sein; dies ist es, was wir als Andropause bezeichnen.

„Im Gegensatz zum plötzlichen Abfall der Hormone in den weiblichen Wechseljahren findet die Reduktion des Testosteronspiegels langsam statt und geht mit weniger starken Symptomen einher.“

Janosch Deeg

Mann, der im Bett liegt und sich Sorgen macht

Im Falle eines Defizits an Testosteron, welches auch im Rahmen eines Hypogonadismus auftreten kann und dessen Diagnose von medizinischer Seite bestätigt werden sollte, kann dies durch eine hormonelle Behandlung in den Griff bekommen werden. Das Problem heutzutage ist jedoch, dass viele Männer diese hormonelle Behandlung ohne jegliche Kontrolle oder ohne, dass eine Notwendigkeit bestünde, missbrauchen. Testosteronpflaster, – pillen oder -spritzen sollten nicht ohne die Kontrolle eines Arztes angewendet werden: Diese Art der Behandlung kann erhebliche Folgen für die Gesundheit mit sich bringen.

Das Testosteron-Mangel-Syndrom

Erst kürzlich veröffentlichte Untersuchungen bestätigen die Existenz dieses klinischen Bildes. Frank Sommer, Urologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Deutschland), kritisiert zwar den mangelnden Konsens auf Expertenebene, um die betreffenden Symptome bei Männern zu benennen, weist aber darauf hin, dassganz unabhängig von der Namensgebung die Symptome der Patienten die Definition einer eigenen Entität erfordern.

Diesem Urologen zufolge zeigen jene Männer, die zu ihm kommen, nicht das typische Bild der weiblichen Wechseljahre. Doch sie beschreiben ihm sehr ähnliche Symptome, die sich in der Regel aufgrund der hormonellen Veränderungen im Alter bemerkbar machen.

Sommer schlägt vor, die Symptome des TMS in drei Kategorien einzuteilen: in psychische, physische und sexuelle Faktoren. Wenn bei einem Patienten Symptome in jedem dieser drei Bereiche auftreten und der Testosteronspiegel tatsächlich zu niedrig ist, wird ein TMS diagnostiziert.

Mit diesem Kriterium wird erreicht, dass die Diagnose nicht ausschließlich auf den hormonellen Parametern beruht und den übrigen Begleitsymptomen, wie zum Beispiel psychischen Symptomen, ebenso große Bedeutung beigemessen wird. Diese Kategorisierung kann auch dazu verhelfen, dass Fehldiagnosen und der Missbrauch hormoneller Behandlungen bei Patienten vermieden werden, die möglicherweise viel mehr von anderen Therapieansätzen profitieren würden.

Trauriger Mann

Hormonelle Behandlung oder Psychotherapie?

Die hormonellen Behandlungen, die zur Therapie des TMS angewendet werden, lösen mitunter erhebliche Kontroversen aus. Die Kritik, die zuweilen von Ärzten geäußert wird, bezieht sich auf den Mangel an langjährigem Wissen über mögliche Nebenwirkungen, wie beispielsweise Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Auf der anderen Seite liefern die Ergebnisse von Studien zu diesem Thema positive Ergebnisse im Hinblick auf die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Viele Männer, die am TMS leiden, werden mit hormonellen Therapien behandelt und ihre Symptome lassen nach.

Hormonelle Behandlungen während der Andropause sollten nicht die Norm sein, fordern Spezialisten. Die Symptome, die bei manchen Männern auftreten, zeigen sich nicht notwendigerweise aufgrund eines zu niedrigen Testosteronspiegels, sondern beruhen oft auf psychischen Krisen, die aus den lebenswichtigen Veränderungen resultieren, die in dieser neuen Lebensphase häufig auftreten. In diesen Fällen empfiehlt sich eine psychotherapeutische Behandlung und keine hormonelle.

Ein stressiger Lebensstil, Probleme in der Beziehung, körperliche Veränderungen oder Lebenskrisen können ebenso zu physischen und psychischen Beschwerden führen. Fachleute sind sich einig, dass viele der Symptome, die betroffene Männer zeigen, durch psychologische Therapie behoben werden können. In einer solchen Therapie können die Patienten lernen, mit den emotionalen Veränderungen umzugehen, die sich im Laufe der Jahre einstellen. So können durch die Anpassung des täglichen Lebens, wie zum Beispiel der Ernährung oder des Trainings, schon viele der Symptome gelindert werden.

Die Veränderungen, die in dieser Lebensphase auftreten, können manchmal schwer zu akzeptieren sein. Bestimmte persönliche sowie Beziehungskonflikte machen es oft schwierig, mit der gewohnten Vitalität fortzufahren. Auch die körperlichen Veränderungen und gesundheitliche Probleme im Allgemeinen können die Stimmung von Männern in der Andropause stark beeinflussen. In diesem Sinne mag der psychologische Ansatz der Kompass sein, der ihnen den Weg aufzeigt, um die Gegenwart und die Zukunft besser genießen zu können; ebenso kann er uns auch dabei helfen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Eine psychologische Beratung kann in jedem Fall sehr nützlich sein, um eine neue Lebensphase gut zu meistern.

  • Janosch, D. (2018). ¿Existe la andropausia? Mente y Cerebro. Nº 91, 58-63.