Die 7 Gesetze der Gefühle nach Nico Frijda

· 16. Juli 2018

Immer wieder fragen sich Forscher: Wie funktionieren Gefühle? Der Psychologe Nico Frijda war ein angesehener Autor und Professor an der Universität von Amsterdam (Niederlande). 2006 veröffentlichte er einen Artikel, in dem er sein Konzept der Gesetze der Gefühle vorstellte und erläuterte. Er beabsichtigte damit, feste Muster für Emotionen zu etablieren.

Gefühle sind tagtägliche Gegebenheiten, die jedoch nur sehr schwer einzuordnen sind. Noch komplizierter wird es, wenn man sich auf die Suche nach emotionalen Mustern macht, die mehrere Individuen teilen. Frijda schlussfolgerte aus seinen umfangreichen Untersuchungen, dass es allgemeine Regeln geben müsse, welche auch universell angewendet werden können. Der Forscher selbst wies darauf hin, dass es wie bei allen Regeln auch Ausnahmen gebe. Seiner Meinung nach seien die gefundenen festen Muster jedoch weit mehr als bloße Zufälle.

Obwohl Frijda zwölf Gesetze der Gefühle aufgestellt hat, können wir sie zu sieben zusammenfassen. Wir schauen sie uns im Folgenden einmal näher an.

„Vergessen wir nicht, dass kleine Emotionen die großen Kapitäne unseres Lebens sind, und dass wir gehorchen, ohne es zu wissen.“

Vincent van Gogh

Nico Fridja1. Situative Bedeutung und Interesse

Laut Frijda seien Emotionen das Ergebnis spezifischer Situationen. Sie entstehen nicht spontan, ohne Startpunkte, sondern würden aus spezifischen Szenarien abgeleitet. Auch wenn solche Szenarien nur in unserer Vorstellung existieren, seien sie doch immer mit realen Situationen verbunden.

Daher erzeugen zwei ähnliche Situationen die gleiche Art von emotionaler Reaktion. Ein Verlust führt also zu Traurigkeit und ein Gewinn zu Freude. Es spielt dabei keine Rolle, um welche Art von Verlust oder Gewinn es sich handelt. Die emotionale Reaktion ist dieselbe.

Das gilt allerdings nur, wenn sich unser Interesse an Menschen, Objekten und Umständen, die diese Situationen involvieren, nicht verändert hat. Denn nach dem Gesetz des Interesses fühlen wir umso intensiver, je mehr wir uns um das sorgen, je mehr uns betrifft, was die Situation ausmacht.

2. Scheinbare Realität

Dies ist eines der interessantesten Gesetze der Gefühle. Es beschreibt, dass Menschen emotional auf das reagieren, was sie für real halten. Nicht unbedingt auf das, was real ist. Für sie kommt es einzig und allein darauf an, dass die Situation von ihnen als real erlebt wird.

Die Entstehung von Emotionen begründet sich daher in der Art und Weise, wie die Wirklichkeit interpretiert wird. Das ist der Grund, warum wir beispielsweise weinen, während wir einen Film sehen; oder Angst bekommen, wenn wir uns eine Gefahr vorstellen, die gar nicht besteht.

3. Veränderung, Gewöhnung und vergleichendes Gefühl

Das Dritte der Gesetze der Gefühle umfasst drei Unterpunkte: das Gesetz der Veränderung, das Gesetz der Gewöhnung und das Gesetz des Vergleichs. Das Gesetz der Gewöhnung besagt, dass wir uns immer wieder an unsere Umstände gewöhnen und sie schließlich als „normal“ betrachten, auch wenn sie es nicht sind. Unsere emotionale Reaktion auf das Gewöhnliche ist nicht sonderlich intensiv. Das erklärt, warum wir abstumpfen, wenn wir bestimmte Situationen immer wieder erleben, und unsere emotionale Reaktion von Mal zu Mal schwächer ausfällt.

Ein Karussel symbolisiert das Auf und Ab der Gefühle

4. Hedonistische Asymmetrie

Das vierte Gesetz beschreibt eine zunächst unverständliche, fast schon unfaire Gegebenheit bei Gefühlen. Wenn du einmal an deine eigenen Erfahrungen denkst, erinnerst du dich wahrscheinlich, dass es sehr viel schwieriger ist, sich an negative Situationen zu gewöhnen. Unsere emotionale Reaktion auf belastende Ereignisse ist eine Art innerer Widerstand, das Gesetz der Gewohnheit aus Punkt 3 kommt hier nur begrenzt zum Einsatz.

Im Angesicht angenehmer Situationen läuft es genau umgekehrt. Wir gewöhnen uns viel leichter an sie. Daher neigen positive Gefühle dazu, an Intensität zu verlieren, bis sie irgendwann völlig verschwinden.

5. Erhaltung der emotionalen Dynamik

Negative Erfahrungen neigen dazu, ihre emotionale Kraft für eine lange Zeit zu behalten. Ihre Wirkung kann mehrere Jahre währen. Unsere Emotionen bezüglich solcher Situationen sind nach wie vor vorhanden, obwohl sie bereits lange zurückliegen.

Eine Frau btrachtet eine mit Wasser gefüllte Glühbirne.

Sie bleiben häufig so lange unverändert, bis eine ähnliche Situation auftritt und du sie neu – diese Mal positiv – bewerten kannst. Bestimmte Situationen verlieren erst dann ihre negative Konnotation, wenn du sie erneut durchlebst und mit positiven Emotionen verknüpfen kannst. Das bedeutet, dass wir in der Zeit zurückgehen müssen, um derartige Probleme im Ansatz lösen zu können.

6. Abgrenzung und Sorge um Konsequenzen

Das Gesetz der Abgrenzung besagt, dass Emotionen dazu neigen, eine absolutistische Vorstellung der Realität zu schaffen. Wenn die Intensität einer Emotion sehr groß ist, sehen wir alles in Weiß oder Schwarz. Wir begreifen nur eine Seite des Problems und versperren uns gegenüber der anderen.

Ein anderes Gesetz der Gefühle ist die Sorge um Konsequenzen. Dieses weist darauf hin, dass es Menschen zuweilen gelingt, ihre Gefühle zu beherrschen, und zwar abhängig von den möglichen Konsequenzen ihrer ausgelebten Emotionen. Zum Beispiel kannst du richtig wütend sein, was du aber nicht nach außen zeigst, geschweige denn, dass du jemanden attackierst. Warum? Weil du weißt, dass dein Gegenüber stärker ist als du. Wenn dem nicht so wäre, würdest du deinen Gefühlen wahrscheinlich eher freien Lauf lassen.

7. Die Gesetz des geringeren Übels und des größten Gewinns

Das Gesetz des geringeren Übels besagt, dass Menschen ihre Gefühle auch ändern können, wenn sie Situationen neu interpretieren. Der Mensch neigt stets dazu, nach Interpretationen zu suchen, die ihm helfen, sich von negativen Emotionen zu lösen. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Wenn ich diese schwierige Erfahrung machen musste, dann nur, weil dadurch etwas Gutes ermöglicht wird.

Eine schwebene Frau symbolisiert die Gesetze der Gefühle

Das Gesetz des größten Gewinns beschreibt, dass wir versuchen, Situationen neu zu interpretieren, um aus dieser neuen Sichtweise einen emotionalen Nutzen zu erzielen. Schauen wir auch hierzu ein Beispiel an: Wir haben Höhenangst und reden uns ein, dass andere Leute ohne Höhenangst – die vielleicht auch noch auf einem Drahtseil balancieren – in hohem Maße unverantwortlich und lebensmüde sei. Da uns unsere Höhenangst jedoch vor derlei Stürzen schützt, fühlen wir uns trotz der Angst besser.

Die Gesetze der Gefühle von Nico Frijda sind ein Beitrag auf dem langen Weg, menschliche Emotionen zu verstehen.