Die 6 Arten der Nicht-Monogamie

· 30. April 2019

Wer hat gesagt, dass eine Beziehung stets nur zwei Personen betreffen müsse? Tatsächlich haben viele Menschen entdeckt, dass Monogamie nicht die einzige Option ist, eine Beziehung zu führen. So sind alternative Beziehungsformen entstanden. Das bedeutet, dass Menschen, so wie sie ein bestimmtes Geschlecht (oder Geschlechter) präferieren, auch eine bestimmte Art der Beziehung bevorzugen – die eben nicht dem traditionellen Modell entsprechen muss. In letzter Zeit praktizieren immer mehr Menschen verschiedene Formen der Nicht-Monogamie.

Wer noch unsicher ist, was seine Beziehungspräferenz betrifft, dem kann dieser Artikel vielleicht helfen. Wir schauen uns sechs Arten der Nicht-Monogamie, also alternative Beziehungsmodelle, näher an. Indem wir mehr über die unterschiedlichen Beziehungsformen lernen, können wir herausfinden, ob eine von ihnen die richtige für uns ist, und zudem an Verständnis und Toleranz für jene arbeiten, die sie praktizieren.

Die sechs Arten der Nicht-Monogamie

Wahrscheinlich hatten wir alle schon einmal eine monogame Beziehung. Denken wir einen Moment darüber nach … rufen wir uns in Erinnerung, wie wir uns in dieser Beziehung gefühlt haben. Vielleicht hatten wir das Gefühl, dass diese Beziehungsform nicht zu uns gepasst habe, wir uns nicht mit ihr haben identifizieren können. Dann ist es an der Zeit, die Art und Weise zu überdenken, wie wir Liebe erleben.

Befreundete Paare auf der Couch

Natürlich gibt es viele, viele Möglichkeiten, eine Beziehung zu pflegen. Die meisten Menschen, die Nicht-Monogamie praktizieren, tun dies jedoch auf eine dieser hier vorgestellten Arten.

Swinging

Von Swinging wird gesprochen, wenn ein monogames Paar sexuelle Aktivitäten auch mit anderen Partnern hat. Der Hauptunterschied zu den weiteren Arten der Nicht-Monogamie besteht darin, dass die Beziehungspartner nur dann mit jemandem Sex haben können, wenn ihr eigentlicher Partner auch anwesend ist.

Liberales Paar

Manche Menschen haben ein starkes sexuelles Verlangen und spezifische Fantasien. Im Allgemeinen stellen Personen, die sich als liberal definieren, keine Regeln dafür auf, wie und wann sie Sex mit anderen haben können. Menschen, die liberale Beziehungen pflegen, können Gruppensex haben oder einen Partnertausch arrangieren. Andere wiederum sind nur für zufällige Begegnungen offen, für Sex, der sich spontan ergibt.

Exklusivität – nur nicht beim Sex

Einige Leute möchten Sex mit verschiedenen Partnern haben. Anstatt jedoch ihren Partner zu täuschen, wollen sie dies einvernehmlich tun und kommunizieren deshalb ihre Absichten und Handlungen. Auf nicht-sexueller Ebene führen die Partner also durchaus eine exklusive Beziehung.

Polyamorie

Polyamorie unterscheidet sich von den oben genannten Beziehungsformen, da Menschen, die sich als polyamor bezeichnen, versuchen, mehrere Partnerschaften zu pflegen. Diejenigen, die sich für Polyamorie entscheiden, sind in mehrere Personen zur gleichen Zeit verliebt. In polyamoren Beziehungen ist es sehr wichtig, eine gute Kommunikation aufrechtzuerhalten und Emotionen auszudrücken, wenn sie entstehen.

Polyamorie

Hierarchische Polyamorie

Hierarchische Polyamorie ist eine Art der nicht-monogamen Beziehung, in der es mehrere stabile Beziehungen zwischen den Partnern gibt. Aber einige von diesen Beziehungen sind wichtiger als die anderen. Es gibt also primäre Paare, sekundäre Paare und sogar tertiäre Paare.

Für einige Menschen ist aber allein schon die Rede von einer Hierarchie in einer Beziehung etwas, dass gegen die Grundsätze der Polyamorie verstößt. Sie sind überzeugt, dass sie alle ihre Partner gleichermaßen lieben können.

Also auch polyamore Paare gestalten ihre Beziehungen unterschiedlich!

Anarchische Beziehung

Schließlich bevorzugen manche Menschen Beziehungen, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Menschen, die sich in einer anarchischen Beziehung befinden, glauben, dass Regeln innerhalb einer Beziehung nur die affektive Bindung trüben.

Wann ist eine Beziehungsform die richtige für uns?

Als Menschen haben wir die Fähigkeit, zu denken, zu hinterfragen, zu diskutieren und zu vergleichen. Daher ist es wichtig, für uns zu entscheiden, wie wir unsere Beziehungen leben möchten. Wenn wir der Meinung sind, dass Nicht-Monogamie für uns eine Alternative darstellt, sollten wir uns die folgenden Fragen stellen:

  • Wie denken wir über die monogamen Beziehungen, die wir hatten?
  • Widerspricht es unserer Natur, ausschließlich einen einzigen Partner zu lieben und mit ihm in einer Beziehung zu leben?
  • Fühlen wir uns überwältigt, wenn wir uns vorstellen, dass wir eine sexuelle Beziehung mit nur einer Person haben können?
  • Haben wir unseren monogamen Partner schon einmal um eine Auszeit gebeten, weil wir uns überfordert fühlten?
  • Glauben wir, uns fehle etwas in einer monogamen Beziehung?
  • Fühlen wir uns in einer Beziehung sexuell und emotional zu anderen Menschen hingezogen?
  • Waren wir schon einmal untreu? Welches Gefühl hat das in uns ausgelöst?
  • Haben wir monogame Beziehungen abgebrochen und sind kurze Zeit später andere eingegangen?
  • Wie würden wir uns fühlen, wenn wir unterschiedliche Beziehungen pflegen und Erfahrungen und Wissen mit mehreren Partnern teilen könnten?
  • Identifizieren wir uns mit Menschen, die in einer dieser sechs Beziehungsformen leben?
  • Erleichtert es uns, dass wir gleichzeitig mit mehreren Partnern zusammen sein können?

Wenn wir die meisten dieser Fragen positiv beantwortet haben, ist es wahrscheinlich, dass monogame Beziehungen unseren Bedürfnissen nicht entsprechen. Die gute Nachricht ist, dass wir in einer Zeit leben, in der wir wählen können. Es geht nicht darum, zu entscheiden, welche Art von Beziehung am besten ist, sondern welche am besten zu uns passt. 

Befreundete Paare auf einer Feier

Einige notwendige Erläuterungen zur Nicht-Monogamie

Wie es in vielen Bereichen des Lebens geschieht, hat die Gesellschaft, in der wir leben, unterschiedliche Ideen davon, was eine ideale Beziehung ist. Da die westliche Kultur auf Monogamie aufgebaut ist, hegen viele unserer Mitmenschen immer noch falsche Vorstellungen von nicht-monogamen Beziehungen.

  • Laut vielen Studien ist der Mensch von Natur aus nicht monogam.
  • Menschen, die sich nicht für Monogamie entscheiden, sind nicht unzufriedener als monogame Menschen. Sie sind nicht per se promiskuitiv, neurotisch oder dysfunktional.
  • Offene Beziehungen bedeuten nicht, dass wir verwirrt oder unentschlossen wären.
  • Junge oder unerfahrene Menschen sind nicht die einzigen, die offene Beziehungen haben.
  • Aber auch: Nicht-Monogamie ist keine Möglichkeit, Kompromisse zu vermeiden.

Wenn wir unser Bewusstsein für die Existenz diese sechs Arten der Nicht-Monogamie schärfen, können wir das für uns am besten geeignete Beziehungsmodell finden.