Die 4 Arten des intuitiven Denkens

2. September 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Silhouette eines Kopfes, in der ein Mensch an einer Wolke hängt

Intuitives Denken ist nach wie vor ein Rätsel für die Wissenschaft. Trotzdem ist es uns gelungen, voranzukommen und diese Ausdrucksform des Gehirns, die gleichzeitig faszinierend und unberechenbar ist, besser zu verstehen. Man könnte sagen, die Intuition befinde sich auf halbem Weg zwischen Emotion und Vernunft. Genau deshalb ist sie auch so mysteriös.

Intuitives Denken ist es, was es uns ermöglicht, die Realität unmittelbar zu interpretieren, ohne die nötige Vermittlung von Logik oder Analyse. Es verwendet auch keine verbale Sprache, sondern basiert ausschließlich auf Zeichen und Empfindungen. Häufig widerspricht es sogar dem, was wir „vernünftig“ nennen würden.

Der Wissenschaft zufolge sitze das intuitive Denken in einem Bereich des Gehirns in der Nähe der Zirbeldrüse. Intuition kann nicht kontrolliert werden, sondern erscheint als eine Art „Inspiration“. In der Praxis funktioniert sie – das haben wir alle schon erfahren. Sie ist, was Ärzte auch das „klinische Auge“ nennen, und was in anderen Bereichen als Eigenschaft von Visionären beschrieben wird.

„Die Intuition ist keine Meinung, sie ist die Sache selbst.“

Arthur Schopenhauer

Das Gehirn eines Mannes

Intuitives Denken und die Wissenschaft

Weil es nur schwer nachzuvollziehen ist, hat das intuitive Denken seit jeher zu zahlreichen Spekulationen geführt. Da es sehr eng mit den Emotionen verbunden ist, kann man es nicht so einfach überprüfen und verifizieren. Manchmal schlägt sich ein Mensch einfach selbst etwas vor und so geschieht ihm genau das, was er „intuitiv“ entschieden hat.

Die Wissenschaft hat sich der Frage dennoch angenommen und auch schon einige Fortschritte erzielt. Im Rahmen des Programmes Brain Evolution und Behavior  (zu Deutsch: Evolution und Verhalten des Gehirns)  des Nationalen Institutes für mentale Gesundheit der Vereinigten Staaten, das von Paul MacLean geleitet wurde, wurde dieses Thema untersucht.

Laut seiner Forschungen hat das intuitive Denken seine Ursprünge im Neocortex. Dieser Abschnitt des Gehirns ist dafür zuständig, Informationen aus beiden Hemisphären zu integrieren. Obwohl die Mechanismen, die das ermöglichen, noch nicht genau bekannt sind, schätzt man, dass es sich um eine sofortige Verarbeitung von Wissen, Erfahrungen und Sinnesreizen handelt, die zu einer korrekten Antwort auf die Realität führen.

Die vier Arten des intuitiven Denkens

Man hat von der Intuition schon immer als eine Art „Funke“ gesprochen, der auftaucht und alles erleuchtet. Albert Einstein behauptete, dass seine Studien eine hohe Komponente der Intuition beinhalteten. Dennoch sind es meist Künstler, die diese so interessante Funktion am intensivsten nutzen.

Frau zwischen aufgewirbeltem Herbstlaub

Man fand heraus, dass es vier verschiedene Arten des intuitiven Denkens gibt. Diese sind:

  • Das emotionale intuitive Denken. Dies entspricht der Fähigkeit, die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale anderer oder den emotionalen Zustand, in dem sie sich befinden, unverzüglich zu erkennen. Man kann sozusagen ohne gesprochene Worte wahrnehmen, wer der andere ist oder wie es ihm geht.
  • Das mentale intuitive Denken. Dies hat damit zu tun, sofort die Antwort auf ein Problem zu finden, ohne es vorher analysieren zu müssen. Es tritt sehr häufig bei Menschen auf, die Jobs haben, die sehr schnelle Entscheidungen erfordern, wie zum Beispiel bei Feuerwehrmännern oder Sprengstoffexperten.
  • Das psychische intuitive Denken. Dieses bezieht sich auf die Fähigkeit, den besten Weg zu wählen, um eine Schwierigkeit zu überwinden oder ihr auszuweichen, ohne weitere Daten zu benötigen. Auch geht es darum, soziale oder arbeitsbezogene Atmosphären zu interpretieren.
  • Das spirituelle intuitive Denken. Es entspricht diesen Zuständen der „Erleuchtung“ oder der „Offenbarungen“. Diese sind wohl mehr eine Erfahrung als eine Tatsache. Die Buddhisten sind diejenigen, die sich am meisten auf diese Form der Intuition beziehen, auf diejenige, die einen fast schon mystischen Charakter hat.

Eine Hand, die nach Schlüsseln greift

Können wir Intuition entwickeln?

In unserer westlichen Kultur ist es sehr schwierig, diese innere Stimme der Intuition zu vernehmen. Wir sind vom Rationalismus durchdrungen, was es uns erheblich erschwert, etwas zu würdigen, was nicht durch unsere Logik erklärbar ist oder irgendeine Art von empirischer Unterstützung erfährt. Wir verteidigen uns gegenüber allem, was nicht eindeutig als vernünftig zu verstehen ist. Deshalb ist es manchmal so schwer, auf unsere Intuition zu hören.

Auf die gleiche Art und Weise führt das mangelnde Vertrauen in uns selbst dazu, dass wir das intuitive Denken blockieren. Wenn wir viele unserer subjektiven Erfahrungen bezweifeln, wird jede Intuition sofort von diesem Zweifel kontaminiert. Anstatt uns zu einer Gewissheit oder Intuition zu führen, erzeugt dies nur Verwirrung und Besorgnis.

Der beste Weg, unsere Intuition zu entwickeln, ist daher, uns fließen zu lassen. Eine gute Strategie ist, das Erste, das uns in den Sinn kommt, vor einer bestimmten Realität zu betrachten, bevor wir diesen Gedanken mit unserer Vernunft verarbeiten. Alles so aufzunehmen, wie wir es wahrnehmen, wie bei einer Schreibübung.

Danach können wir unsere Eindrücke überprüfen und bewerten, ob unsere ursprüngliche Interpretation derselben Gültigkeit hat. Wenn darin vernünftige Elemente enthalten waren, die auf effektive Art und Weise darauf abzielen, eine Situation richtig zu verstehen oder ein Problem zu lösen, dann kann man von Intuition sprechen. Diese einfache Übung bringt mitunter überraschende Erkenntnisse.

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