Deviktimisierung zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen

30 Dezember, 2020
Deviktimisierung ist ein sehr wirkungsvolles Instrument während des Rekonstruktionsprozesses nach einer traumatischen Erfahrung. Lies einfach weiter und erfahre mehr über dieses interessante Thema!

Die Opfer traumatischer Erlebnisse durchleben sehr viel Leid und Schmerzen. Das Schlimmste dabei ist es, dass die Haltung vieler Menschen ihnen gegenüber noch zusätzlich zu ihrer Reviktimisierung beiträgt. Infolgedessen erleiden die Betroffenen noch weitere Verletzungen. Daher ist es auch so wichtig, sich dessen bewusst zu sein und ihnen stattdessen zu helfen, ihre eigene Kraft wiederzuerlangen, damit sie sich von diesen Erlebnissen erholen können. Deviktimisierung hilft den Betroffenen wirklich.

Dabei geht es darum, sich auf einen Weg der Transformation zu begeben, bei dem die traumatische Erfahrung nicht das ist, was das Opfer definiert. Obwohl dies keine einfache Aufgabe darstellt, ist eine Deviktimisierung dennoch möglich. In unserem heutigen Artikel erfährst du, was du tun kannst und wie du dabei vorgehen solltest. Darüber hinaus werden wir auch über Resilienz sprechen, denn auch sie ist ein sehr wirkungsvolles Instrument, das den Betroffenen helfen kann. Wir laden dich dazu ein, uns auf dieser Reise zu begleiten.

“Alles, was menschlich ist, ist erwähnenswert, und alles, was erwähnenswert ist, kann leichter bewältigt werden. Wenn wir über unsere Gefühle sprechen können, werden sie dadurch weniger überwältigend, weniger beunruhigend und weniger beängstigend.”

-Mr. Rogers-

Deviktimisierung nach einer traumatischen Erfahrung

Ein Opfer ist eine Person, die infolge eines Verbrechens, eines Unfalls oder einer anderen Handlung geschädigt, verletzt oder getötet wurde. Der Schaden kann physischer, psychischer, sozialer und materieller Natur sein. Tatsache ist, dass ein oder mehrere Bereiche der Gesundheit eines Menschen danach betroffen sind. Darüber hinaus können Menschen Opfer unterschiedlichster Ereignisse werden. Beispielsweise einer Naturkatastrophe, einer Vergewaltigung, eines psychischen Angriffs aufgrund eines bewaffneten Konfliktes und vieler weiterer Geschehnisse.

All diese Prozesse erschaffen Opfer; Menschen, die infolge eines traumatischen Erlebnisses mit irgendeiner Art von Schaden oder Schmerzen leben müssen. Darüber hinaus gehen diese Erfahrungen in der Regel mit Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen einher, die sich als sehr schädlich erweisen, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.

Die Bedeutung der Deviktimisierung besteht darin, den Betroffenen dabei zu helfen, sich nicht länger als Opfer zu fühlen, damit sie dadurch wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückerlangen können. Dabei wird das Opfer mit Elementen ausgestattet, die ihm helfen, aus seiner Gemütsverfassung herauszukommen. Mit anderen Worten, damit der Betroffene nicht in seiner Opferrolle verharrt oder seine Situation ausnutzt oder übertreibt. Das liegt daran, dass Opfer manchmal ihre Geschichte aus ihrem Zustand als solchem konstruieren. Allerdings sollten sie unbedingt damit aufhören und lernen, sich nicht mehr nur als Opfer zu sehen.

Die Opferrolle ist keine bewusste Entscheidung

All das bedeutet aber nicht, dass sich ein Opfer bewusst dazu entscheidet, weiterhin in der Opferrolle zu verharren. Häufig behalten die Betroffenen ihren Zustand aufgrund der Angst bei, die mit dem verbunden ist, was ihnen widerfahren ist. Viele sind regelrecht “verliebt” in diesen Schmerz und wollen ihn schützen.

Deviktimisierung ist ein Prozess, der ein angemessenes Interventionsmodell voraussetzt, damit das Opfer seinen Zustand überwinden kann. Damit dies geschehen kann, muss ein ihm nahestehender Mensch das Wie und Warum des Vorgehens aufzeigen. Darüber hinaus kann das Opfer auch an sich selbst arbeiten, mit oder ohne weitere Unterstützung. Insbesondere dann, wenn sich der Betroffene auf seine Verantwortung konzentriert, für sich selber zu sorgen.

Deviktimisierung - weinende Frau

Wie erfolgt die Deviktimisierung eines Opfers?

Zunächst einmal muss das Opfer sich dazu entscheiden, den Weg der Deviktimisierung gehen zu wollen. Daher besteht einer der ersten Schritte in diesem Prozess darin, die Selbstviktimisierung zu erkennen. Auf diese Weise kannst du alles aus einer anderen Perspektive betrachten und Maßnahmen ergreifen. Wir wollen uns nun einige Möglichkeiten ansehen:

  • Erkenne deine Emotionen, um zu verstehen, wie sie sich manifestieren, und übernehme nach und nach die Kontrolle über sie. Dazu ist es ebenfalls erforderlich, dass du einen Prozess der Selbsterkenntnis durchläufst, damit du weißt, wohin du gehst und wer du bist.
  • Lege deine Masken ab. Denn es ist erforderlich, dass du dein wahres Selbst findest, um eine Haltung einnehmen zu können, die dich über die Situation hinausführt, die dich zu einem Opfer gemacht hat.
  • Identifiziere selbstzerstörerische Gedanken, um sie zu stoppen. Auf diese Weise kannst du dich aus deiner kognitiven Stagnation befreien.
  • Außerdem solltest du deine passive Haltung ablegen, denn dies wird dir helfen, wieder handeln zu können. Die Idee ist, dass du wieder die Kontrolle über dein Leben übernimmst.

Darüber hinaus kannst du damit beginnen, alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Aus einer freundlicheren, in der du dich selber rettest und in der du dich zeigst, wie du wirklich bist. Nutze alles, was du dir selber und anderen geben kannst. Es geht darum, dich selber wieder aufzubauen.

All dies ist keine einfache Aufgabe, aber du kannst Stück für Stück daran arbeiten. Zu diesem Zweck musst du dich um deine affektive, soziale, physische und spirituelle Welt kümmern. Erinnere dich daran, dass die Gesundheit etwas Ganzheitliches ist und dass Kontrolle über das eigene Leben übernehmen bedeutet, dass du die Verantwortung für dich selbst übernimmst.

Deviktimisierung - Hände deuten auf eine Frau

Die Kraft der Resilienz nach einer traumatischen Erfahrung

Der Mensch kann Resilienz kultivieren und dadurch das Beste aus sich herausholen. Resilienz ist die Fähigkeit, Probleme zu überwinden. Mit anderen Worten, sich ihnen zu stellen. Dies hat mit allen Bereichen deiner Entwicklung zu tun. Daher wird sie sowohl von deiner Biologie als auch von deinem Umfeld beeinflusst.

Du kannst verschiedene Strategien anwenden, um deine Resilienz zu stärken. Beispielsweise kannst du durch Geschichten und Kunst Kommunikationsbrücken erschaffen, die es dir ermöglichen, zu zeigen und zu verstehen, was dir widerfährt. Außerdem kannst du eine Gruppen- oder eine Einzelpsychotherapie machen. Darüber hinaus kannst du es sogar durch die Linse der erweiterten Realität betrachten, wie wie Ibeth Johana Acosta, eine Spezialistin für juristische und forensische Psychologie, vorschlägt.

Wenn du auf deine Fähigkeit zur Resilienz setzt, wirst du in der Lage sein, Hindernisse in Lernerfahrungen zu verwandeln. Dadurch löst du dich aus der Opferrolle und beginnst damit, ein neues Narrativ zu konstruieren, das deiner Erfahrung eine freundlichere Bedeutung verleiht.

Cyrulnik und seine Kollegen sprechen in ihrem Buch Resilience: How to Gain Strength from Childhood Adversity (auf Deutsch: Resilienz: Wie man aus Widrigkeiten in der Kindheit Kraft schöpfen kann) sehr eingehend über dieses Thema. Sie betonen unter anderem, dass es in Viktimisierungsprozessen eine psychologische Option für das Leben gibt. Sie laden den Leser dazu ein, die psychopathologische Sichtweise des Themas zu überschreiten – sowohl aus professioneller als auch aus persönlicher Sichtweise.

Abschließende Gedanken

Kurz gesagt, Resilienz hilft einem Opfer, sich zu erholen, und ermöglicht ihm eine authentischere Begegnung mit anderen und mit sich selbst.

Darüber hinaus kann sie zur Konstruktion neuer Narrative beitragen, die eine sinnerfüllte Welt voller Leben und neuer Szenarien fördern. All dies verleiht dem Leben einen neuen Sinn, der über die traumatische Erfahrung hinausgeht. Klingt das nicht nach einem wunderbaren Weg der Transzendenz?

Acosta Rubiano, I.J. (2018). La resiliencia, una mirada hacia las víctimas del conflicto armado colombiano.

Cyrulnik, B., Manaciaux, M., Sánchez, E., Colmenares, M.E., Balegno, L., Olaya,, M.M., Cano, F. (2006). Centro Internacional de investigación Clínico-Psicológica (CEIC).

Fernández, A.A. (2017). Víctima y desvictimización. Tesis Doctoral, Universidad Católica San Antonio de Murcia.