Dermatillomanie: Symptome, Ursachen und Behandlung

· 9. Mai 2018

Der Zusammenhang zwischen Hauterkrankungen und unserem emotionalen Zustand ist oft mehr als offensichtlich. Ein Beispiel dafür ist die Hauterkrankung Skin Picking Disorder, auch Dermatillomanie genannt, bei der das unkontrollierbare Bedürfnis besteht, sich zu kratzen, die Haut zu quetschen oder den durch Akne entstandenen Schorf zu entfernen bis tiefe Hautläsionen entstanden sind.

Es kann gut sein, dass wir noch nie etwas von Dermatillomanie gehört haben. Vielleicht ist es aber auch so, dass diese Krankheit gerade bei uns diagnostiziert worden ist oder wir dem Teil der Bevölkerung angehören, der sich der Tatsache noch nicht vollkommen bewusst ist, dass er an genau diesem Problem leidet. So seltsam diese Krankheit auch anmuten mag, ist sie dennoch weitverbreitet und ist ein häufiger Nebeneffekt von Depression, Angst- oder Zwangsstörung.

Es besteht die Notwendigkeit, dass Dermatologen die Fähigkeit entwickeln, bei Patienten, die unter Dermatillomanie leiden, mehr als nur die Haut zu sehen.

Darüber hinaus ist es interessant, dass diese Art der psychischen Erkrankung vor mehr als einem Jahrhundert erstbeschrieben wurde. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 1875, damals noch unter dem Namen „neurotische Exkoriation“. Später dann beschrieb der französische Dermatologe Brocq den Extremfall eines jugendlichen Patienten, der sich fast ununterbrochen die Hautareale aufkratzte, die von Akne betroffen waren, bis er sein Gesicht entstellt hatte.

Es gibt Extremfälle und es gibt Patienten mit einer weniger schwerwiegenden Symptomatik, was wieder einmal beweist, dass ein Großteil der Hautprobleme psychischer Natur sind und deren Ursache ausfindig gemacht und behandelt werden muss. Dabei gibt es Patienten, die unzählige kostspielige Behandlungen dieser Hautkrankheit über sich ergehen lassen, ohne dass zuvor der wirkliche Auslöser des Problems identifiziert wurde: vielleicht übermäßiger Stress, eventuell eine Angststörung oder eine versteckte Depression. Und diesen Auslöser gilt es, ebenfalls zu behandeln.

Schauen wir uns nachfolgend die Dermatillomanie etwas genauer an.

Zerkratzter Kopf

Dermatillomanie: Was verbirgt sich dahinter und wen betrifft es?

Die Dermatillomanie zählt nach ICD Klassifikation (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) zu den „Abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet“. Was heißt das? Das bedeutet, dass der Betroffene das ständige Bedürfnis verspürt, sich zu kratzen, sich zu kneifen, zu beißen oder Hautläsionen zuzufügen, ohne das besagte Verhalten kontrollieren zu können. Er macht es immer wieder und ganz automatisch.

Es gibt Experten, die die Dermatillomanie, das unkontrollierbare Bedürfnis, jene Hautbereiche aufzukratzen, wo ein Defekt vermutet wird, als eine Art Sucht ansehen. Tatsache ist, dass wir es hierbei mit einer psychischen Erkrankung, einem Verhalten zu tun haben, bei dem der Patient nicht versteht, dass er sich Schaden und Wunden zugefügt, die Infektionen zur Folge haben können und sein Erscheinungsbild nach und nach verunstalten.

Meist wird die Dermatillomanie im Alter zwischen 30 und 45 Jahren diagnostiziert. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Aber warum entwickeln sie dieses abnorme Verhalten?

Auch heute sind die Auslöser der Dermatillomanie noch nicht vollständig bekannt. Eine der Hypothesen besagt, dass das Kratzen der Haut ein Gefühl von Ruhe vermittle oder dazu diene, Stress, Angstzustände, belastende Gedanken und Frust zu kanalisieren. Dabei wird dieses Verhalten automatisch ausgeführt, sodass es sogar während des Lesens, Lernens, Fernsehschauens, etc. gezeigt wird. Ebenso ist es üblich, dass die Dermatillomanie von anderen psychischen Erkrankungen begleitet wird:

  • Generalisierte Angststörung
  • Depression
  • Essstörung
  • Kindheitstraumata im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch

Andererseits muss berücksichtigt werden, dass in vielen Fällen wohl eine genetische Komponente eine Rolle spielt. Das wurde auch für ähnliche Leiden, z. B. für die Trichotillomanie, belegt.

Mann kneift seine Haut

Behandlung der Dermatillomanie

Es soll aber noch einmal betont werden, dass es sich hier um eine psychische Störung handelt, bei der das Verhalten des Patienten zu schweren Verletzungen, lebensgefährlichen Infektionen und natürlich auch sozialer Isolation führen kann. Manche Patienten nutzen ihre Nägel oder Zähne, andere nehmen sogar Pinzetten und Nadeln. Und ihr Ziel, ihr Bedürfnis, ist immer das Gleiche: die Entfernung von Haut.

Zur Therapie der Dermatillomanie wird ein multidisziplinärer Ansatz verfolgt:

  • Einerseits wird eine dermatologische Behandlung durchgeführt, um die Hautverletzungen zu heilen.
  • Ebenso, und sobald eine adäquate Diagnose gestellt wurde, werden sowohl pharmakologische als auch nicht-pharmakologische Therapien beim Patienten angewendet, um den psycho-emotionalen Aspekt zu behandeln. So wurde die Wirksamkeit von Antidepressiva, Neuroleptika und Anxiolytika belegt. Was die Psychotherapie betrifft, wird die kognitive Verhaltenstherapie besonders häufig eingesetzt.

Der genaue Behandlungsplan hängt jedoch zweifellos von den persönlichen Eigenschaften jedes einzelnen Patienten ab.

Spezieller roter Handschuh für Betroffene

Seit einigen Jahren werden auch spezielle Handschuhe für diejenigen verkauft, die an Dermatillomanie leiden. Dank diesem Alltagshelfer kann Angst beispielsweise kanalisiert werden, indem Betroffene die in die Wolle eingestrickten Perlen reiben.

Die Dermatillomanie ist nur ein Beispiel dafür, wie eine abnorme psychologische Realität zu enormen Schwierigkeiten im Alltag führen kann. Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung, welche nun immer besser verstanden werden und für die es mittlerweile sehr effektive Behandlungen und Therapien gibt.