Der Tag danach: Wie sich ein Kater auf das Gehirn auswirkt

Alkohol entfaltet seine Wirkung auch noch am nächsten Tag. Erfahre heute, warum ein Kater deine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Der Tag danach: Wie sich ein Kater auf das Gehirn auswirkt
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2022

Alkohol trinken und Autofahren ist bekanntlich keine gute Kombination. Aber was ist, wenn du am Tag nach dem Alkoholkonsum noch einen Kater hast und fährst? Forschungsergebnissen zufolge (Gunn, et al., 2018) sind die kognitiven Beeinträchtigungen auch am Tag danach weiterhin vorhanden, selbst wenn kein Alkohol mehr im Blut nachzuweisen ist.

Diese in der Zeitschrift Addiction veröffentlichte Studie ergab, dass die kognitiven Fähigkeiten nach einer alkoholreichen Nacht auch am nächsten Tag noch beeinträchtigt sind. Unter anderem leiden Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Koordination und Fahrverhalten unter einem Kater, die geistige Leistungsfähigkeit ist also reduziert.

Der Tag danach: Wie sich ein Kater auf das Gehirn auswirkt

Der Tag danach: Wie sich ein Kater auf das Gehirn auswirkt

Gunn, et al. (2018) fanden in einer systematischen Überprüfung mehrerer Studien zu diesem Thema heraus, dass ein Kater die psychomotorische Geschwindigkeit, das Kurz- und Langzeitgedächtnis und die anhaltende Aufmerksamkeit beeinflusst. Diese Beeinträchtigung äußert sich in einer schlechteren Konzentration und Fokussierung, einem fehleranfälligeren Gedächtnis und einer verkürzten Reaktionszeit.

Dr. Sally Adams, eine der Forscherinnen der Studie, erklärt: “Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Kater schwerwiegende Folgen für die Ausführung alltäglicher Aktivitäten wie Autofahren und berufliche Fähigkeiten wie Konzentration und Gedächtnis haben kann.”

In einer anderen Studie, die im zentralen Unterhaltungsbezirk von Brisbane durchgeführt wurde, wurden mehrere Personen am Ende der Nacht einem Atemtest unterzogen und befragt. Am nächsten Tag füllten die Befragten eine Online-Umfrage und einen kognitiven Test aus. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Gehirnleistung der Teilnehmenden bei verschiedenen Aufgaben messen. Jene Personen, die mehr Alkohol getrunken hatten, fühlten sich am nächsten Tag schlechter und zeigten auch eine schlechtere kognitive Leistung als nüchterne Menschen.

Die Studie konnte einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Intensität des körperlichen Unwohlseins und einer schlechteren Bewertung der Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen feststellen. “Diese Ergebnisse bestätigen, dass sich ein Kater negativ auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt und dass ein schlechteres Arbeitsgedächtnis und eine schlechtere exekutive Leistung mit dem Schweregrad des Katers korrelieren”, so die Forscher der Studie.

Die Ergebnisse einer anderen Studie stützen die früheren Erkenntnisse, dass ein Kater Unwohlsein hervorruft, das sich negativ auf die kognitiven Fähigkeiten, einschließlich der exekutiven Funktionen, auswirkt und eine negativere Stimmung auslöst.

Wie ein Kater das Gehirn verändert

1. Entzündung im Gehirn

Der Alkoholkonsum kann Mikrogliazellen übermäßig aktivieren und pro-inflammatorische Zytokine (Auslöser für weitere Entzündungen) freisetzen. Diese Kette von Reaktionen kann die Entzündung im Gehirn insgesamt verstärken.

2. Höherer Dopaminspiegel

Die Übelkeit, die der Kater auslöst, könnte eng mit der Freisetzung und Konzentration von Dopamin in den intersynaptischen Räumen zusammenhängen. Dopamin ist zwar ein Schlüsselfaktor für die Lustreaktion des Gehirns, kann aber auch ein Auslöser für Erbrechen sein.

3. Neurochemisches Ungleichgewicht

Eine andere Theorie über die Auswirkungen eines Katers geht davon aus, dass Alkohol das chemische Gleichgewicht des Gehirns gefährdet. Ein erhöhter Blutalkoholspiegel könnte das Nervensystem unter Druck setzen, sodass das Gehirn gezwungen wäre, sich übermäßig anzustrengen, um effizient auf die Anforderungen der Umwelt reagieren zu können.

Dieser zusätzliche Energieaufwand würde schließlich das chemische Ungleichgewicht im Gehirn, das durch die Anstrengung entsteht, verlängern. Wenn wir uns das Gehirn als einen weiteren Muskel vorstellen, könnten wir von geistiger Steifheit sprechen.

Welche Folgen hat ein Kater für das Gehirn?

4. Störung der biologischen Uhr

Ein Kater beeinflusst außerdem den Schlaf: Alkohol kann nämlich den zirkadianen Rhythmus und die Funktion des suprachiasmatischen Kerns, der den Schlaf-Wach-Zyklus reguliert, beeinträchtigen.

Schließlich ist der Kater die häufigste negative Folge des Alkoholkonsums. Den Betroffenen fällt es schwerer, ihre Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, auf bestimmte Erinnerungen zuzugreifen oder bestimmte Vorgänge auszuführen, die eng mit dem sogenannten Arbeitsgedächtnis verbunden sind.

Untersuchungen von Gunn et al. (2018) warnen uns davor, dass es zwar klare Richtlinien für den Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz gibt, aber nur wenige in diesem Rahmen die Auswirkungen eines Katers berücksichtigen. Die Forscherinnen und Forscher argumentieren, dass sich Arbeitskräfte bei bestimmten Tätigkeiten der tatsächlichen Auswirkungen bewusst sein sollten, die ein Kater auf ihre Leistung haben kann, und dass Arbeitgeber in diesem Zusammenhang aus Sicherheitsgründen eine Überprüfung der firmeninternen Regeln in Betracht ziehen sollten.

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