Der Samurai und der Fischer: Eine wundervolle Geschichte

· 5. Februar 2019

Der Samurai und der Fischer  ist eine wundervolle Geschichte, die eine überraschende Lektion beinhaltet. Sie spielt im alten Japan. Dort lebte ein Samurai, der besonders bei armen Menschen für seine Großzügigkeit bekannt war.

Eines Tages erhielt dieser Samurai die Mission, in einem nahe gelegenen Dorf zu arbeiten. Als er seine Arbeit getan hatte und gerade wieder nach Hause gehen wollte, sah der Samurai einen Fischer, der sehr traurig dreinblickte. Es schien sogar, dass der Fischer weinte. Daraufhin beschloss der Samurai, zum Fischer zu gehen und ihn zu fragen, was vorgefallen war.

„Wut ist ein Wind, der die Lampe des Geistes ausbläst.“

Robert G. Ingersoll

Der Fischer erzählte dem Samurai, dass er sein Boot verlieren würde, weil er einem örtlichen Ladenbesitzer Geld schuldete. Da er keine Mittel hatte, um den Ladenbesitzer auszuzahlen, hatte der Geldverleiher beschlossen, das kleine Boot des Fischers als Garantie zu behalten. Wenn der Fischer aber sein Boot verlieren würde, könnte er seinem Beruf nicht mehr nachgehen und seine Familie müsste hungern.

Der Samurai hörte aufmerksam zu. Sein edles Herz war von der Geschichte gerührt. Deswegen nahm er Geld aus seiner Tasche und gab es dem Fischer. Der Samurai sagte: „Dies ist kein Geschenk.“  Der Samurai hielt nichts davon, Dinge wegzugeben, da das seiner Meinung nach die Faulheit förderte. „Das ist ein Darlehen. In einem Jahr werde ich wiederkommen und du wirst mir das Geld zurückgeben. Ich werde dir keine Zinsen berechnen.“

Der Fischer konnte es nicht glauben. Er versprach dem Samurai, dass er alles dafür tun würde, um ihm das Geld zurückzuzahlen, und er dankte ihm vom ganzen Herzen für diese Geste. Die Geschichte jedoch hatte gerade erst begonnen.

Die Rückkehr des Samurai

Nach einem Jahr kehrte der Samurai in das Dorf zurück. Er glaubte fest daran, dass der Fischer ihm das geliehene Geld zurückzahlen würde. Außerdem freute sich der Samurai, den Fischer wiederzusehen. Er hoffte, dass der Fischer seine Lebensbedingungen verbessert hatte. Aber an diesem Punkt nimmt die Geschichte des Samurai und des Fischers eine unerwartete Wendung.

Der Umriss eines Samurai vor einem Berg

Als der Samurai zu der Stelle kam, an der er den Fischer vor einem Jahr getroffen hatte, fand er ihn nicht. Er fragte die anderen Dorfbewohner, ob sie den Fischer gesehen hätten, aber sie konnten dem Samurai nicht weiterhelfen. Endlich fand der Samurai einen Dorfbewohner, der ihm sagen konnte, wo der Fischer lebte. Der Samurai machte sich sofort auf den Weg.

Bei seiner Ankunft konnte der Samurai nur die Frau und die Kinder des Fischers finden. Sie schworen ihm, dass sie keine Ahnung hatten, wo der Schuldner sei. Der Samurai erkannte jedoch, dass sie logen. Der Fischer versteckte sich wohl, um seine Schulden nicht zurückzuzahlen. Doch auch hier endet die Geschichte des Samurai und des Fischers noch nicht.

Das Unerwartete passiert

Der Samurai wurde sehr wütend. Er dachte, dass seine Großzügigkeit ausgenutzt worden sei. Ihn so zu hintergehen war inakzeptabel. Also suchte er überall nach dem Fischer, an allen möglichen Orten, die er sich vorstellen konnte. Schließlich fand der Samurai den Mann neben einer Klippe, wo er sich versteckte.

Als der Fischer den Samurai sah, bekam er Angst. Der Schuldner brachte nur mit Mühe heraus, dass die Angelsaison schlecht gewesen sei und er kein Geld habe, um den Samurai auszuzahlen. „Undankbar“,  schrie der Samurai. „Ich habe dir geholfen, als du es am dringendsten brauchtest! Und so entschließt du dich, es mir zu vergelten?“  Der Fischer war sprachlos. Der Samurai wurde so wütend, dass er nach seinem Säbel griff, um den Fischer zu bestrafen.

„Es tut mir leid“,  rief der Fischer. „Wenn deine Hand sich hebt, übe dich in Beherrschung; wenn deine Beherrschung schwindet, kontrolliere deine Hand.“  Der Samurai hielt in seiner Bewegung inne. Dieser bescheidene Mann hatte recht. Seine Wut begann, sich zu verflüchtigen. Der Fischer und der Samurai konnten sich stattdessen darauf einigen, dass der Fischer die Schulden in einem weiteren Jahr zurückzahlen würde.

Die Moral der Geschichte Der Samurai und der Fischer

Als der Samurai nach Hause kam, war er immer noch in Gedanken versunken und seine Gedanken kreisten um den Fischersmann. Dann sah er, dass aus seinem Schlafzimmer noch Licht zu kommen schien. Das war seltsam. Es war schon sehr spät. Langsam und vorsichtig ging er zum Bett, in dem seine Frau lag. Er erkannte, dass sie nicht allein war. Vorsichtig kam er näher und sah, dass neben seiner Frau ein anderer Samurai zu liegen schien.

Er nahm sofort seinen Säbel zur Hand. Heimlich schlich er zum Bett, um sich zu rächen, als er sich plötzlich an die Worte des Fischers erinnerte: Wenn deine Hand sich hebt, übe dich in Beherrschung; wenn deine Beherrschung schwindet, kontrolliere deine Hand.“  Statt mit dem Säbel zuzuschlagen, holte der Samurai tief Luft und verließ den Raum. Er rief von draußen nur: „Ich bin zurück!“

Bild eines kämpfenden Samurai

Schnell kam seine Frau aus dem Zimmer, um ihn überschwänglich zu begrüßen. Hinter ihr erschien auch die Mutter des Samurai. „Schau mal, wer hier ist!“,  sagte die Frau des Samurai. Die Ehefrau hatte Angst gehabt, allein zu Hause zu bleiben, und deshalb hatte sie ihre Schwiegermutter gebeten, ihr Gesellschaft zu leisten. Die Mutter des Samurai hatte die Kleidung ihres Sohnes angezogen, um Eindruck zu wecken, falls jemand einbrechen sollte. Wenn ein Dieb sie sehen würde, sollte dieser sich denken, die Mutter wäre ein Samurai und es wäre besser, unverrichteter Dinge zu gehen.

Die Geschichte des Samurai und des Fischers endete ein Jahr später. Der Samurai besuchte erneut das Fischerdorf. Der Fischer wartete auf ihn. Er konnte dem Samurai das Geld plus Zinsen zurückgeben, da es ein gutes Jahr für ihn gewesen war. Der Samurai umarmte ihn. „Behalte das Geld“,  sagte er. „Du schuldest mir nichts. Ich bin derjenige, der in deiner Schuld steht.“