Der Name der Rose

· 30. November 2017

Die Kulisse von Der Name der Rose  ist einzigartig. Dieses Buch, welches 1980 veröffentlicht wurde, wurde auch verfilmt, und wir können uns das Szenarium entweder vorstellen oder es auf der Leinwand betrachten. Die Handlung ist in einem Benediktinerkloster in den Apenninen angesiedelt, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

In dieses Kloster gehen der Franziskanermönch William von Baskerville und sein treuer Begleiter Adson von Melk, ohne das beunruhigende Geheimnis, welches dort auf sie wartet, auch nur zu erahnen. William, der eine dunkle Vergangenheit als Inquisitor hat, ist auf einer Mission, ein Treffen zu organisieren, in dem über die vermeintliche Ketzerei einer Franziskanerschule diskutiert wird.

An diesem geschickt gewählten Schauplatz kreiert Umberto Eco eine fesselnde Detektivgeschichte, die dem Leser die Bräuche und Traditionen des dunklen Zeitalters, des grausamen Mittelalters vermittelt. In dieser historischen Kulisse verlieh Religion Macht, konnte sie einem aber auch in einem Wimpernschlag nehmen. Die Religion gewährte Launen oder runinierte im Namen Gottes das Leben anderer. Und Gott wurde, neben seiner omnipotenten Existenz, als Folterer verstanden, der sich gegen ungezwungene Unterhaltungen und ihrem natürlichsten Ausdruck aussprach: gegen das Lachen.

Das Geheimnis der Rose

Der Name des Protagonisten William von Baskerville kommt nicht von ungefähr. Umberto Eco benannte seinen Protagonisten zu Ehren des bekannten Philosophen William von Ockham, welcher für das nach ihm benannte Prinzip „Ockhams Rasiermesser“ bekannt ist. Nach diesem Prinzip wäre bei Existenz von zwei Hypothesen, die ein Ereignis gleich gut erklären, jeweils die einfachste maßgebend. Die moderne Wissenschaft folgt diesem Prinzip bis heute, jedoch ist es heute eher als „Prinzip der Parsimonie“ oder als „Sparsamkeitsprinzip“ bekannt.

Dieses Prinzip folgt auch einer der berühmtesten Detektive aller Zeiten: Sherlock Holmes. Williams Nachname Baskerville bezieht sich auf Der Hund von Baskerville,  einem der Romane, die Sir Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes Ruhm und Ehre verschafft haben.

Die Erklärung des Namens des Mönchs bliebe eine einfache Anekdote, wenn wir es dabei belassen würden. Doch er symbolisiert auch Williams Absichten. William von Baskerville wird die meiste Zeit der Geschichte im Kloster verbringen, während er die Verbrechen aufklärt, die dort stattfinden. Die Kette der Verbrechen erinnert uns übrigens an einen anderen berühmten Kriminalroman: Und dann gabs keines mehr  von Agatha Christie.

Eine andere Kuriosität aus Der Name der Rose  ist der Wärter der umfangreichen Bibliothek des Klosters. Sein Name ist Jorge von Burgos, wobei ein Bezug zum Autor Jorge Luis Borges hergestellt werden soll. Umberto Eco sagte dazu: „… eine Bibliothek plus Blinder müssen zwangsläufig Borges ergeben, auch weil Schulden bezahlt werden müssen“.

Die Dornen der Rose

Burgos steckt hinter den Morden, die einer nach dem anderen im Kloster stattfinden. Er tötet, um zu verhindern, dass Aristoteles zweites Buch der Poesie ans Licht kommt. Diese Buch war humorvoll, und der Mönch hatte vor Humor und Lachen Angst. Er glaubte, dass das Lachen nichts als ein teuflischer Wind sei, der das Gesicht deformierte und Männer wie Affen aussehen ließ. 

Jorge glaubte wie viele Männer zu dieser Zeit, dass das Lachen eine Eigenschaft ungebildeter und wilder Menschen sei. Sie glaubten, dass es weit weg von der Kirche bleiben sollte, damit die Intellektuellen nicht versuchten, es sich als ein Instrument der Wahrheit anzueignen. Die Kirche hatte Angst davor, dass die Komödie den Männern die Gottesfurcht nehmen könnte und sie aufhören würden, ihren Regeln zu folgen.

Klosterbruder Jorge dachte, dass das Lachen das Gegenmittel zur Angst sei. Er glaubte, dass Männer ohne Angst Gott auslachen würden, so wie sie über alles andere lachten.

Nichtsdestotrotz war Jorges Überzeugung sein eigenes Verderben. Als Buchliebhaber befürwortete er die Beaufsichtigung des Wissens, nicht dessen Zerstörung. Er konnte aber nur einen Weg wählen, als er erkannte, dass er in der Falle saß. William hatte ihn entdeckt und ließ ihm keine andere Wahl.

Wir sollten über den mittelalterlichen Zusammenstoß von Vernunft und Glauben nachdenken. Es ist genau dieser Konflikt, den wir in der Geschichte zwischen dem Inquisitor Bernardo Gui und William sehen. Er sollte die Kirche erschüttern, zu ihrer Spaltung und schließlich zur Aufklärung führen. Anderenorts ist dieser Zusammenstoß auch heute, sechs Jahrhunderte später, noch nicht ausgestanden.

Ob als Buch oder Film, ‚Der Name der Rose‘ ist ein Vergnügen für diejenigen, die gute Literatur und ein Geheimnis, das sich aus dem ureigenen Charakter des Menschen ergibt, wertschätzen.