Der Konsum von Cannabis: Mythen und Wahrheiten

· 26. August 2018

Der Konsum von Cannabis, auch Marihuana genannt, ist im letzten Jahrzehnt weiter gestiegen. Trotz der Tatsache, dass Cannabis eine der am häufigsten konsumierten Drogen ist, haben viele Menschen immer noch falsche Vorstellungen darüber, welche Vorteile und welcher mögliche Schaden aus dieser Gewohnheit resultieren kann. Das bedeutet, immer mehr Menschen konsumieren Cannabis, aber es gibt immer noch dieselben Mythen über die Auswirkungen von Marihuana auf den Körper. Es ist sogar noch mehr als das: Es existieren nicht nur extrem viele, sondern auch gefährliche Mythen rund um dieses Thema.

Aus diesem Grund möchten wir in diesem Artikel mit den größten Mythen und Wahrheiten zum Thema Marihuanakonsum aufräumen. Wir werden uns ein paar der weiter verbreiteten Mythen zum Konsum von Cannabis und die möglichen therapeutischen Vorteile ansehen sowie die Frage klären, ob es sich dabei um eine Droge mit Suchtpotenzial handelt und ob sie sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität auswirkt.

Hat der Konsum von Cannabis tatsächlich einen therapeutischen Effekt?

Cannabis enthält verschiedene Cannabinoide, genau genommen mehr als 100. Während die psychoaktiven Effekte des Marihuanakonsums weitgehend auf das Cannabinoid THC zurückzuführen sind, ist das stärkste therapeutische Potenzial beim Cannabinoid CBD zu finden. Cannabis sollte für therapeutische Zwecke lieber oral als durch Rauchen konsumiert werden, da die durch das Rauchen verursachten Lungenschäden den therapeutischen Effekt mehr als aufwiegen.

Cannabispflanze

Das heißt, wenn Marihuana konsumiert wird, werden mehrere Arten von Cannabinoiden aufgenommen, wobei das bekannteste und von Marihuanakonsumenten gesuchte Cannabinoid das sog. Δ9-Tetrahydrocannabinol, eben THC, ist. Auch wenn die therapeutische Wirkung durch Cannabidiol, auch CBD genannt, erzielt wird, ist es weder notwendig noch gesund, Marihuana zu konsumieren, um in ihren Genuss zu kommen: Es gibt durchaus CBD-haltige Kapseln, Öle oder Lösungen, die denselben therapeutischen Nutzen haben.

„Drogen sind die Feinde der Zukunft und der Hoffnung; wenn wir also gegen sie ankämpfen, kämpfen wir für die Zukunft.“

Bob Riley

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass CBD therapeutische Vorteile hat. Zu diesen zählen folgende Eigenschaften: entzündungshemmend, antiemetisch, antikonvulsiv, angstlösend und tumorhemmend. Das sind die bekanntesten therapeutischen Wirkungen von CBD, aber es ist, wie gesagt, nicht notwendig, CBD durch den Konsum von Cannabis aufzunehmen, da es Präparate gibt, durch deren Einnahme die gleichen therapeutischen Effekte erzielt werden können.

Macht der Konsum von Cannabis abhängig? Hat Marihuana Suchtpotenzial?

Die Antwort auf all diese Fragen lautet deutlich: Ja. Der Konsum von Marihuana erzeugt eine Abhängigkeit, weil es eine psychoaktive Substanz ist, die die Funktion der zerebralen Verstärker (ventrales Tegmentum und Nucleus accumbens) verändert. Dass die Einstellung des Marihuanakonsums keine Entzugssymptome mit wichtigen Anzeichen und körperlichen Symptomen zur Folge hat, bedeutet nicht, dass es nicht abhängig machen würde. Cannabis ist eine Droge mit Suchtpotenzial.

Darüber hinaus wurden mittlerweile die Anzeichen und Symptome, die Merkmale für das Cannabisentzugssyndrom sind, identifiziert. Die Diagnosekriterien für dieses Entzugssyndrom gemäß dem DSM-5 sind:

A. Cannabisabstinenz nach starkem, längerfristigem Konsum (z.­ B. täglicher oder nahezu täglicher Konsum über mehrere Monate)

B. Drei oder mehr der folgenden Zeichen/Symptome innerhalb etwa einer Woche nach Kriterium A:

  • Reizbarkeit, Wut oder Aggression
  • Nervosität, Ängstlichkeit
  • Rastlosigkeit
  • gedrückte Stimmung
  • Schlafstörungen (Insomnie, Albträume)
  • Appetitminderung, Gewichtsverlust
  • Beeinträchtigung durch mindestens eines der folgenden  Symptome: Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerz, Schwitzen,  Zittrigkeit/Tremor, abdominaler Schmerz

C. Die Zeichen/Symptome aus Kriterium B verursachen klinisch bedeutsame Störungen oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereichen.

D. Die Zeichen/Symptome sind nicht auf eine andere medizinische Ursache zurückzuführen und lassen sich nicht besser durch eine andere psychische Störung erklären.

Wenn jemand nach der Einstellung des THC-Konsums solche Symptome aufweist, haben wir es mit einem Cannabisentzugssyndrom zu tun. Es ist das Ergebnis der zerebralen Veränderungen nach einem längerfristigen Konsum von Cannabis. Zusammengefasst können wir sagen, dass Marihuana eine Droge mit Suchtpotenzial ist und abhängig machen kann. Auch wenn der Konsum dieser Substanz in einigen Ländern legal ist, bedeutet das nicht, dass eine Abhängigkeit ausgeschlossen wäre.

Frau mit depressiver Stimmung sitzt zusammengekauert auf einem kleinen Stuhl

Marihuana ist eine natürliche Substanz und deswegen ist der Konsum von Cannabis nicht so schädlich für unseren Organismus. Stimmt diese Aussage?

Das ist ein weitverbreiteter Mythos, der von wissenschaftlichen Forschungen jedoch eindeutig widerlegt wird. Die stärksten negativen Folgen des Marihuanakonsums lassen sich in der kognitiven Funktion unseres Gehirns (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Überlegungen) und beim Immunsystem (Abwehrkräfte des Körpers) beobachten. Es handelt sich also um zwei schädliche Folgen: neuropsychologische Probleme und Immunschwäche.

Dadurch beeinträchtigt der Konsum von Cannabis die Gedächtnisleistung kurz- und langfristig. Es hat sich auch gezeigt, dass THC uns auf lange Sicht erhebliche Schwierigkeiten bereitet, neue Informationen aufzunehmen und uns zu konzentrieren. Und all das kann man beobachten, wenn eine Gruppe von Menschen, die regelmäßig Marihuana konsumieren, mit einer anderen Gruppe verglichen wird, die kein Marihuana zu sich nimmt. Alle haben das gleiche Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und gehören dem gleichen Kulturkreis an.

„Ich fände es besser, wenn Fans meditieren anstatt Drogen nehmen würden.“

Ringo Starr

Was das Immunsystem anbelangt, bewirkt der Konsum von Marihuana außerdem, dass dieses weniger effizient arbeitet. Technisch gesehen „deprimiert“ das THC das Immunsystem, was uns auf lange Sicht anfälliger für Krankheiten aller Art macht, einschließlich Autoimmun- und Krebserkrankungen. Wir sollten auch daran denken, dass Nervosität und Ängstlichkeit häufig auftretende negative Effekte sind. Diese beiden Faktoren schädigen ebenfalls das Immunsystem, da dieses eng mit unserem emotionalen Zustand verbunden ist.

Selbst wenn es sich um eine natürliche Substanz handelt, hat sie dennoch schädliche Auswirkungen auf den Organismus und darüber hinaus haben das brennende Cannabis und das daraus resultierende Kohlenstoffmonoxid negative Folgen für die Lunge, wenn Marihuana geraucht wird. In diesem Fall ist diese „natürliche Substanz“ keinesfalls harmlos.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und einer gesteigerten Kreativität?

Der Zusammenhang zwischen Marihuana und Kreativität ist nicht leicht zu verstehen. Einerseits stimmt es, dass die Hemmung des Frontallappens – und der darin liegenden sozialen Grenzen – uns hilft, kreativer zu sein. Andererseits gibt es jedoch viel effektivere (und weniger gefährliche) Möglichkeiten, die Kreativität zu steigern, als auf Marihuana zurückzugreifen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Bereich, in dem man arbeitet (Malerei, Fotografie, Kino, Musik etc.), sowie die Exposition gegenüber künstlerischen und neuartigen Reizen steigern die Kreativität auf beträchtliche Weise.

Mann schaut traurig aus dem Fenster

Marihuana kann uns kreativer machen, aber nur kurzfristig, nur unter der Wirkung von THC, und darüber hinaus kann es uns nicht grundlegend helfen, wenn wir wollen, dass die Kreativität Früchte trägt. Hier hilft nur eins: Ausdauer. Der Konsum von Cannabis kann die Kreativität verbessern, aber gleichzeitig kann das unsere Fähigkeit, ausdauernd zu sein, beeinträchtigen. Daher können wir unter Einfluss von Marihuana auf viele neue Ideen kommen, doch der für die Umsetzung notwendige Prozess wird durch die Droge negativ beeinflusst.

Wenn man sich dafür entscheidet, Marihuana trotz der schädlichen Auswirkungen zu konsumieren, ist es sehr wichtig, Tipps für einen verantwortungsvollen Konsum zu berücksichtigen, wie z. B. sich genaue Informationen darüber einzuholen, was geraucht wird (Art der Pflanze, die darin enthaltene Menge an THC, Pestizide, zugesetzte Toxine etc.), sich gesund zu ernähren, körperliche Bewegung und den Konsum von Cannabis vor dem Schlafengehen zu vermeiden.

Wir sollten daran denken, dass ein Psychologe, der sich auf das Fachgebiet der Süchte spezialisiert hat, uns dabei helfen kann, den Konsum auf eine verantwortungsvolle Weise zu reduzieren oder von dieser Gewohnheit gänzlich abzulassen.