Der Einsatz von Psychologie gegen den Terrorismus - der Fall Guantánamo

In jedem Krieg, sogar in der Antike, wurde Psychologie eingesetzt, um den Feind zu besiegen. Allerdings ist Guantánamo ein Rückschritt, weil die Psychologie, auch wenn die Behörden dies erlauben, der Brutalität gewichen ist.
Der Einsatz von Psychologie gegen den Terrorismus - der Fall Guantánamo

Letzte Aktualisierung: 14 März, 2021

Als der Psychologe James E. Mitchell vor einem Militärgericht über Guantánamo aussagte, waren viele Menschen vollkommen schockiert. Es gab Gespräche über den Einsatz von Psychologie gegen Terrorismus und Mitchell gab nicht nur zu, dass er sein Wissen zur Folterung von Gefangenen nutzte, sondern sagte außerdem, er würde es wieder tun.

Wenn wir in die jüngste Geschichte blicken, erinnern wir uns daran, dass das Konzept “Kampf gegen den Terrorismus” nach den Anschlägen vom 11. September in den Vereinigten Staaten sehr populär wurde und sich schnell verbreitete. Die Angriffe führten zu einer Art Kriegserklärung, insbesondere gegen irreguläre bewaffnete Gruppen im Nahen Osten.

Diese Situation führte unter anderem zur Invasion der Vereinigten Staaten in Afghanistan. Die Mitglieder dieser Gruppen wurden verhaftet und zur Guantánamo Bay Naval Base geschickt. Von den Folterungen, denen die Gefangenen unter aktiver Beteiligung von Psychologen in Guantánamo ausgesetzt waren, erfuhr die Öffentlichkeit zuerst durch Wikileaks und später durch mehrere andere Medien.

“Du kannst mich anketten, du kannst mich foltern, du kannst sogar diesen Körper zerstören, doch du wirst nie meinen Verstand einsperren.”

-Gandhi-

Guantanamo - Hand mit Marionettenschnüren

Zwei Psychologen in Guantánamo

Alles begann mit dem berüchtigten “The Manchester Manual” (auf Deutsch: Das Manchester-Handbuch). Es war ein Leitfaden für Al-Qaida-Anhänger, der viele Dinge verriet, wie zum Beispiel, wie man während eines Verhörs lügt. Die Psychologen James E. Mitchell und Bruce Jessen analysierten dieses Dokument und schickten es an die amerikanischen Behörden.

Alles deutet darauf hin, dass sie mit ihren fundierten Kenntnissen über die Verhörmethoden der Al-Quaida geworben haben. Beide arbeiteten damals als Psychologen und Ausbilder im Überlebens-, Ausweich-, Widerstands- und Fluchttraining der US-Luftwaffe, auch als SERE-Training bekannt.

Ihre Aufgabe war es, US-Soldaten darin zu trainieren, den verschiedenen Belastungen zu widerstehen, denen sie im Falle einer bewaffneten Konfrontation ausgesetzt sein könnten. Nach der Analyse des Manchester-Handbuchs kehrte sich die Arbeit dieser beiden Psychologen ins Gegenteil: Denn nun mussten sie ihr Wissen für die Vernehmung von Gefangenen einsetzen.

Der verwerfliche Einsatz von Psychologie in Guantánamo

Mitchell und Jessen scheinen die psychologischen Experten hinter der Folterung von Gefangenen in Guantánamo zu sein. Wenn man jedoch genau hinsieht, haben sie barbarische Methoden angewandt, die es schon seit Hunderten oder Tausenden von Jahren gibt; und ihre Anwendung mit psychologischen Theorien gerechtfertigt.

Laut dieser “Experten” war das, was sie anwendeten, die Theorie der erlernten Hilflosigkeit. Diese Theorie, die im Jahr 1967 vom Psychologen Martin Seligman vorgestellt wurde, bezieht sich auf die Tatsache, dass fortgesetzte Bestrafung dazu führt, dass eine Person lernt, sich angesichts eines Aggressors passiv zu verhalten, unter der anerzogenen Prämisse, dass sie nicht die Fähigkeit hat, auf diese Angriffe zu reagieren.

Mitchell und Jessen interpretierten diese Theorie auf ihre Weise und schufen damit das, was sie “fortgeschrittene Verhörtechniken” nannten. Allerdings bestanden diese in nichts anderem als systematischen körperlichen Misshandlungen in einem Rahmen von Isolation, Schlaf- und Nahrungsentzug, wobei alles darauf abzielte, den Willen der Häftlinge zu brechen. Aber das ist nun wahrlich keine Innovation, sondern purer Sadismus.

Guantanamo - Schatte einer ängstlichen Person

Die Gefahr derartiger Präzedenzfälle

Diese beiden Psychologen sprachen nicht einmal die Sprache der Gefangenen, aber sie waren persönlich in die Folterungen involviert. Sie selbst wendeten Verfahren wie Waterboarding und stundenlange Schläge auf den Kopf an. Das Erschreckendste dabei ist, dass es viele Hinweise darauf gibt, dass sie trotz allem ihr Ziel nicht erreichten. Viele Häftlinge leisteten Widerstand und gaben ihr Wissen nicht preis.

Jetzt, wo der Guantánamo-Fall gegen fünf Gefangene verhandelt wird, wurde Mitchell als Zeuge vorgeladen, aber ihm wird nichts zur Last gelegt. Er und sein Kollege Jessen verdienten 81 Millionen Dollar für ihre Arbeit. Beide haben eine Klausel in ihrem Vertrag, die sie mit fünf Millionen Dollar vor möglichen Klagen gegen sie schützt. Diese Prozesse werden jedoch nie stattfinden, weil der Fall Guantánamo völlig ungestraft bleibt.

Es ist eine gefährliche Sache, dass eine große Weltmacht derartig brutale Praktiken anregt und fördert. Darüber hinaus ist es sehr erschreckend und schlimm, dass die Psychologie dazu missbraucht wird, um solch barbarische Aktionen durchzuführen.

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  • Pérez Gónzalez, M., & Rodríguez-Villasante y Prieto, J. L. (2002). El caso de los detenidos de Guantánamo ante el derecho internacional humanitario y de los derechos humanos. Revista Española de Derecho Internacional, 11-40.