Der Aufstand der Comuneros: die Niederlage der Freiheit

9. Oktober 2019
Erfahre in unserem heutigen Artikel mehr über den Aufstand der Comuneros. Er fand im 16. Jahrhundert in Kastilien, Spanien, statt.

Jeder weiß, dass Steuern keine freiwillige Abgabe sind. Es gab eine Zeit, zu der der spanische König jedesmal die Zustimmung verschiedener Gerichte und Gremien benötigte, bevor er neue Steuern erheben konnte. Die mächtigste Gruppe waren damals die Kastilier, denn alle anderen Hauptstädte des Königreiches richteten sich nach ihrer Entscheidung. Da dieses Vorgehen für die Könige eine starke Einschränkung ihrer Entscheidungsgewalt darstellte, versuchten diese, das gesamte Königreich unter ihrer Herrschaft zu vereinen. Allerdings kämpften die Comuneros bis zum Schluss dafür, den Status quo beizubehalten.

Vielleicht war die große Macht der Cortes von Kastilien für ein Königreich nicht mehr zeitgemäß, welches sich bereits auf der anderen Seite der Welt ausdehnte. Jedenfalls kam es wie bei jedem Verlust der Freiheit: es floss viel Blut und viele Feuer brannten.

Der Auslöser für den Aufstand

Im Jahr 1517 verließ Prinz Karl, der in Flandern geboren war, in Asturien ein Schiff, um den spanischen Thron unter dem Namen Carlos I. zu besteigen. Zunächst hatte die Bevölkerung die Hoffnung, dass sich durch ihn die Situation in Kastilien verbessern würde.

Das Land war durch schlechte Ernten, soziale Spannungen, politische Instabilität, Hungersnöte und hohe Steuern sehr belastet. Allerdings traf Carlos I. schon bald Entscheidungen, die dem Volk missfielen. Er erbat zahlreiche Dienstleistungen und wollte eine außerordentliche Steuer einführen, die er dafür verwenden wollte, Kaiser zu werden. Nur wenige Adelige waren über die Anwesenheit von Ausländern am Hof erfreut.

Nachdem in La Coruña einige Cortes abgehalten wurden, wurden schließlich die geforderten Dienstleistungen und Steuern genehmigt. Allerdings haben Städte wie Toledo oder Salamanca diese Entscheidung nicht unterstützt. Allgemein herrschte die Auffassung, dass der König, der noch nicht einmal die Landessprache sprach, nicht angemessen regierte.

Daher wurde in Ávila ein Treffen aller Städte, die in den Cortes wählen durften, einberufen. Die Mitglieder nannten sich Comuneros. Die Comuneros entschieden, dass sie nicht alle der neuen Steuern zahlen würden. Außerdem forderten sie die Wiedergewährung einiger Freiheiten und Abgaben an die Kastilier.

Comuneros - Avila

Die Comuneros und ihre Waffen

Im Jahr 1920, einen Monat nach den Cortes von La Coruña, eroberten mehrere Mitglieder der Comuneros die Stadt Segovia und ermordeten den Vertreter der Cortes. Es folgten Leon, Guadalajara, Burgos und Zamora. Die einzige Möglichkeit, wie sie ihren Forderungen Nachdruck verleihen konnten, war durch Waffengewalt. Und davon machten sie stets Gebrauch. Doch auch die königlichen Truppen erzielten erste Erfolge.

Carlos I. war zu jener Zeit abwesend. Um die Comuneros aus Segovia zu bezwingen, benötigte sein Stellvertreter Adriano von Utrecht die Artillerie von Medina del Campo. Allerdings verweigerten ihm die Bewohner von Medina ihre Unterstützung für dieses Vorhaben. Daraufhin ließ er ihre Häuser abbrennen.

Das Vorgehen war so grausam, dass sich nach kurzer Zeit viele Städte dazu entschieden, Adriano zu folgen. Padilla führte Toledo, Maldonado führte Salamanca, Bravo verantwortete Segovia, Zapata war für Madrid verantwortlich und Bischof Acuña führte Zamora und viele andere Städte. Die Armee, die sie dadurch versammelten, eroberte Tordesillas, um dort Doña Juana (Johanna von Kastilien) zu treffen.

Eine Königin im Gefängnis

Johanna von Kastilien, die Mutter von Carlos I., wurde in Tordesillas inhaftiert. Obwohl sie die rechtmäßige Königin war, glaubten einige, dass sie wegen ihrer politischen Interessen verrückt geworden war. Die Comuneros trugen ihre Beschwerden vor und baten sie darum, selber den Thron zu besteigen. Obwohl die Königin Verständnis für ihre Anliegen hatte, wollte sie sich nicht einmischen. Die Comuneros hatten nach wie vor noch großen Einfluss in Tordesillas und es schien, als könnten sie den Aufstand siegreich beenden.

Comuneros - Fluss

Die finale Niederschlagung des Aufstandes

Allerdings war der Sieg weit entfernt. Schon bald entstanden durch unterschiedliche Interessen Spannungen und Streit zwischen den Comuneros. Daraufhin reagierte der König mit einer Reorganisation seiner Truppen. Er gewährte allen Städten, die ihn unterstützten, seine Leistungen und erleichterte den gegenseitigen Verrat.

Aufgrund einiger strategischer Fehler konnte der König Tordesillas zurückerobern. Allerdings waren einige Comuneros bereits nach Valladolid geflohen, um dort Schutz zu suchen. Nachdem sie nach Toro abgereist waren, hinderte ein Starkregen die Truppen von Padilla, Bravo und Maldonado daran, weiterzuziehen.

Genau dort und zu dieser Zeit wurden sie dann auch angegriffen; es brach eine große Panik aus und damit war der Aufstand beendet. Padilla blieb im Angesicht seiner Niederlage ungerührt und wurde kurz darauf mit seinen beiden Kameraden Bravo und Maldonado hingerichtet. Es wird erzählt, dass ganz Kastilien ihren Tod betrauerte, als wären sie Prinzen gewesen.

Die Niederlage der Comuneros und die Folgen

Die Niederlage der Comuneros bedeutete die Beendigung dessen, was als erste liberale Revolution in Europa oder als letzte mittelalterliche Bourgeoisie angesehen werden kann. Wie auch immer man es betrachtet, eine Folge dieser Niederlage war, dass die kastilianische Gemeinschaft dadurch an Einfluss und Macht verlor.

Da das spanische Amerika auch unter der Krone Kastiliens regiert wurde, hatte dieser Verlust der Freiheit auch nachhaltigen Einfluss auf die Städte der Neuen Welt. Es sollte mehrere Jahrhunderte dauern, bis sich das Land Spanien und auch das spanische Amerika wieder davon erholen konnten. Carlos beschloss, Kastilien mehr Einfluss in seiner Regierung zu gewähren.

Heutzutage sind Bestrebungen völlig normal, die darauf abzielen, den Einfluss der Herrschenden zu beschränken und Steuern abzulehnen.

 

  • Pérez, Joseph (2001) Los comuneros, La Esfera de los Libros.
  • Sánchez León, Pablo (1998) Absolutismo y comunidad, Siglo XXI.