Der angekettete Elefant: Eine wunderschöne Geschichte

· 3. November 2018

Die Geschichte Der angekettete Elefant  erzählt davon, dass einst ein sehr verspielter und neugieriger Junge in einem kleinen Dorf lebte. Seine Eltern besaßen einen Bauernhof und er betrachtete alle Tiere als seine Freunde. Hühner, Enten, Schweine und Kühe waren seine Spielgefährten. Er hatte allen einen Namen gegeben und mit ihnen gesprochen, als ob sie ihn verstehen könnten.

Eines Tages kam ein Zirkus in diese Stadt. Der Junge in der Geschichte Der angekettete Elefant  hatte noch nie zuvor einen Zirkus gesehen. Alle seine Schulkameraden redeten vom Zirkus. Nach dem Unterricht sahen alle dabei zu, wie das Zirkuszelt aufgebaut und alles bereit gemacht wurde, um die erste Vorstellung zu geben.

Der kleine Junge bat seine Eltern, mit ihm in den Zirkus zu gehen. Er wollte unbedingt die Jongleure, Clowns und natürlich die Dompteure sehen. Er hatte bemerkt, dass es in diesem Zirkus riesige und mysteriöse Tiere gab. Einen Tiger, einen Löwen, einen Elefanten und mehrere Zebras. Für den Jungen war es das Größte überhaupt.

„Wenn Zuneigung nur aus Gewohnheit stattfindet und es keine Absichten gibt, die Sinn machen und ihr Transzendenz verleihen, ist es Zeit, loszulassen.“

Sergio Sinay

Der angekettete Elefant

Ein Nachmittag im Zirkus

Die Eltern des Jungen stimmten zu, mit ihm den Zirkus zu besuchen. Der Kleine war total begeistert. Er konnte am Samstagabend kaum schlafen, da er wusste, dass er am nächsten Tag das rege Treiben im Zirkus sehen würde, das ihn faszinieren sollte. Bereits im Morgengrauen stand er auf. Innerhalb weniger Minuten war er startklar. Für ihn war es so, als würde der Tag in Zeitlupe ablaufen, bis der ersehnte Moment endlich gekommen war.

Elefanten bei einer Zirkusvorstellung

Seine Eltern kauften ihm Popcorn und Zuckerwatte. Er erfreute sich an seinen Süßigkeiten, aber noch mehr genoss er die Zirkusvorstellung, die ihm wie eine andere Welt vorkam. Er war begeistert von den Trapezkünstlern und natürlich von den vielen Tieren. Der Löwe war so zahm, dass er sogar das Publikum begrüßte. Die Zebras waren so beweglich, dass sie in perfekten Kreisen liefen, ohne dabei ihren Rhythmus zu verlieren. Und der Elefant war so geschickt, dass er auf zwei Beinen stand und mit Clowns scherzte.

Der Kleine war so fasziniert, dass er am Ende der Show hinter die Kulissen schauen wollte, um die Künstler und natürlich die wunderbaren Tiere zu sehen. Gesagt, getan. Er ging mit seinen Eltern durch den Zirkus hinter die Kulissen. Dort sah er die Tiere in Käfigen. Der Elefant war jedoch nicht eingesperrt. Der Junge näherte sich ihm und sah, dass eines seiner Beine mit einer riesigen Kette an einem Pfahl, der im Boden steckte, angekettet worden war. Das Tier bewegte sich nicht, sondern blieb geduldig an Ort und Stelle.

Die Wende in der Geschichte Der angekettete Elefant

Die Geschichte Der angekettete Elefant  erzählt weiter, dass der Junge nachdenklich nach Hause ging. Er mochte es nicht, die Tiere eingesperrt in Käfigen zu sehen. Was ihn jedoch am meisten getroffen hatte, war der Elefant. Er war frei, aber gleichzeitig war er angekettet. Obwohl er mit einer dicken Kette angekettet war, wurde dem Jungen klar, dass er sich losreißen konnte, wann immer er wollte. Schließlich war er ein kräftiges Tier.

Der Junge fragte seine Eltern, warum der Elefant mit Ketten gefesselt war. Sie antworteten ihm: „Damit er nicht wegläuft.“  Damit er nicht wegläuft? Er könnte jederzeit weglaufen! Eine Kette und ein kleiner Pfahl waren für ihn doch kein Hindernis! „Warum läuft er also nicht weg?“,  fragte der Junge. Seine Eltern zuckten mit den Schultern und hatten auf diese Frage keine Antwort parat.

Der Kleine war weiterhin aufgebracht und stellte am nächsten Tag seiner Biologielehrerin die gleiche Frage. Sie gab ihm eine eindeutige Antwort: „Er läuft nicht weg, weil er dressiert ist.”  Sie erklärte ihm daraufhin, was eine Dressur ist.

Welche Gründe es hat, nicht wegzulaufen

Der Junge in der Geschichte Der angekettete Elefant  dachte daraufhin, dass, egal wie groß das Tier war, es dennoch eine Zeit gegeben haben muss, in der der Elefant klein war. Damals war eines seiner Beine mit einer Kette an einen kleinen Pfahl gebunden worden. Der Junge stellte sich vor, wie sehr der kleine Elefant gekämpft haben musste, um sich von seinen Fesseln zu befreien. Leider ist es ihm nicht gelungen.

Der angekettete Elefant

Der Junge erkannte, dass der Elefant nicht bemerkt hatte, dass er erwachsen geworden und zu einem beeindruckenden Tier herangewachsen war. Nur die Erinnerung an diesen erbitterten Kampf gegen eine Kette und einen Pfahl, die nicht nachgeben wollten, war ihm in Erinnerung geblieben. Auch wenn er sich jetzt befreien konnte, versuchte er es deshalb wahrscheinlich nicht mehr. Die Erinnerung an das Unmögliche der Vergangenheit war stärker als die reale Möglichkeit der Gegenwart.

Die Geschichte Der angekettete Elefant  ähnelt der vieler Menschen, die an eine schlechte Erfahrung aus der Vergangenheit gefesselt sind. Sie versuchen etwas nie wieder, denn ihre Erinnerung an eine schlechte Vergangenheit ist stärker als die realen Chancen einer Gegenwart, in der sie alles verändern könnten.