Wenn Haustiere Menschen retten

· 25. November 2017

Es gibt Tiere, die Menschen retten. Das sind Hunde und Katzen, die wortwörtlich das Leben ihres Besitzers retten, weil sie in sein Leben treten, wenn er dieses Tier am meisten braucht, wenn er eine schwierige Zeit durchmacht. Genau in dem Moment, in dem die Nähe dieses kleinen Wesens ihm einfach nur Liebe beschert, rettet das Haustier seinen Menschen. Es ist diese Liebe, die Frauchen oder Herrchen aus der Traurigkeit holt und von Ängsten und Einsamkeit befreit.

Sozialpsychologen haben keinen Zweifel daran, dass Haustiere Naturgeschöpfe sind, die lieben können. Und das waren sie schon immer. Unsere Verbindung zu Hunden zum Beispiel reicht sogar bis in die Anfänge unserer Evolutionsgeschichte zurück, wo Gruppen früher Menschen bereits mit Hunden zusammenlebten.

„Es ist die Barmherzigkeit und der Respekt gegenüber Tieren und der Natur, was uns wirklich menschlich macht.“

Albert Schweitzer

Der bekannte Biologe und Verhaltensforscher Edward Osborne Wilson prägte den Begriff „Biophilie“. Er beschreibt eine Dimension, die wir aus einem ganz bestimmten Grund seit Beginn der Zeit für uns nutzen: Die Menschengruppen, die einen oder mehrere Hunde bei sich hatten, hatten größere Chancen zu überleben. Die vertraute Bindung, die der Mensch zu dem Hund aufbaute, hat dem Menschen dabei geholfen, die Zyklen der Natur besser zu verstehen und Ressourcen wie Wasser und Nahrungsmittel zu finden. Sie waren sich treue Begleiter bei der Jagd und Weggefährten in Momenten der Einsamkeit.

Seitdem – und obwohl wir alle wissen, dass ein Tier kein Mensch ist – ist unser Gehirn dazu in der Lage, in der gleichen Weise auf sie zu reagieren wie auf einen anderen Menschen: Wir schütten Oxytocin aus, wenn sie in unserer Nähe sind oder wir sie umarmen. Das Kuschelhormon, Mitgefühl und das Bedürfnis, uns um sie zu kümmern, werden aktiviert, sobald wir uns durch visuellen Kontakt mit ihnen verbinden.

Es ist etwas Magisches, daran gibt es keinen Zweifel. Daher können wir sicher sagen, dass, auch wenn wir diejenigen sind, die sie adoptieren, sie diejenigen sind, die uns retten.

Hunde kuscheln mit Katze

Der Hund aus Afghanistan, der seinen Menschen rettete

Wir könnten tausend Geschichten von Tieren zählen, die Menschen gerettet haben. Allerdings wollen wir uns auf eine ganz besondere Geschichte konzentrieren, in der ein Hund einen jungen Soldaten, der nach Afghanistan geschickt wurde, emotional rettete. Unser Protagonist heißt Graig Grossi, und sein erster Tag, als er in einen Hubschrauber im Stadtteil Sangin gesetzt wurde, hätte nicht komplizierter ablaufen können. Es war Nacht und nach nur ein paar Stunden hatten die Taliban bereits seinen Aufenthaltsort angegriffen und seine gesamte Einheit war schnell umzingelt.

Er dachte, dass sein Leben vorbei sei. Auf eine sehr lange Nacht folgte schließlich ein etwas entspannterer Morgen: Die gegenseitigen Angriffe waren vorbei und Graig hatte die Gelegenheit, sich umzusehen. Alles war zerstört, lag in Schutt und Asche, und inmitten dieses Chaos aus Schutt und ausgebrannten Autos lag ein etwas magerer Hund mit einem großen Kopf. Er war vollkommen erschöpft. Sein erster Instinkt war, nach ihm zu rufen, aber dann entschloss er sich doch dazu, Stillschweigen zu bewahren, da er schon Geschichten von streunenden Hunden gehört hatte, die Menschen angriffen.

Soldat mit Hund

Aber dieser Hund war anders. Als er den Soldaten sah, stand er sofort auf und näherte sich ihm, um ihm Gesellschaft zu leisten. Graig Grossi starb an diesem Tag nicht, sondern fand einen Freund, der nicht mehr von seiner Seite wich, der mit ihm bei seiner Einheit lebte und ihm Halt in Zeiten gab, in denen er sich so sehr fürchtete. Er nannte ihn Fred. Ihre Freundschaft war so innig, dass Graig und seine Genossen Fred heimlich in den Hubschraubern versteckten, als sie den Einsatzort wechselten, sodass das Team nicht getrennt werden würde.

Nach und nach wurde sich Graig Grossi der Angst davor bewusst, dass sein Hund inmitten dieses erbitterten Krieges verwundet werden könnte. So schloss er eine Vereinbarung mit Angestellten von DHL, damit sein Freund Fred heimlich in die Vereinigten Staaten reisen und bei seinen Eltern bleiben konnte. Gesagt, getan. Doch nur wenige Tage nachdem sein Freund gegangen war, wurde Graig von einer Rakete getroffen und erlitt eine Hirnverletzung.

Familie mit Hund

Solange er im Koma lag, hat dieser junge Soldat von seinem vierbeinigen Freund geträumt.Irgendwie trennte ich mich nie von ihm“,  sagte er später. Diese Liebe ging soweit, dass er, als er sich wieder erholt hatte und zurück nach Hause zu seiner Familie und zu Fred reisen konnte, dachte, dass alles, was er mit seinem Freund erlebt hatte, noch für etwas anderes gut sein müsse.

Zwei Monate lang reiste er dann quer durch die Vereinigten Staaten und erzählte seine Geschichte. Bis heute bilden diese beiden Freunde ein unzertrennliches Team, das Vorträge hält und Kurse zum Thema Überwindung und zur Verbundenheit des Menschen zu Tieren anbietet.

Therapietiere: Haustiere, die uns heilen

Heutzutage gibt es immer mehr Therapien mit Tieren, die großartige Erfolge erzielen. Service-Hunde liefern einen wirksamen Reiz für Kinder mit Autismus. Auch in Pflegeheimen schauen regelmäßig ausgebildete Hunde vorbei, die selbstlose Liebe schenken, mit den Bewohnern interagieren und auf die besonders ältere, demenzkranke Menschen gut reagieren.

Tiere zu respektieren ist unsere Pflicht; sie zu lieben ist ein Privileg.

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Haustiere in einem engeren und weniger klinischen Umfeld nicht mehr wegzudenkende, uns Zuneigung gebende Freunde sind. Laut einer 2011 durchgeführten und in der Zeitschrift Journal of Research in Personality  veröffentlichten Studie sei diese Art der Zuneigung in jeglicher Hinsicht eine der gesündesten und positivsten, die wir erfahren können, sowohl auf körperlicher und emotionaler als auch auf kognitiver Ebene.

Frau mit Katze im Bett

Ein Tier, wie eine Katze oder ein Hund, weiß ganz genau, wie es sich mit seinem Besitzer mithilfe von Blickkontakt verbinden kann. Diese magische und unerwartete Verbindung ist für jemanden, der noch nie ein Haustier hatte, etwas Erstaunliches. Sofort kommt einem der allseits bekannte Satz in den Sinn: „Es kommt mir so vor, als ob es mich wirklich verstehen würde!“

Ein Tier versteht nicht, woher deine Probleme oder der Grund für deine Enttäuschungen oder Frustrationen kommen. Es wird dir auch keine Lösung für deine Existenzzweifel liefern. Es wird nur durch deine gegenwärtigen Gefühle geleitet, durch das Hier und Jetzt, wo es sofort deine Freude oder Traurigkeit spürt. Alles andere ist ihm egal. Du solltest nur für seine Reize, Gesten, Bedürfnisse, Spiele und Schmusereien empfänglich sein.

Denn was am Ende des Tages wirklich wichtig ist, ist genau das: Dass es uns gut geht, wir Frieden finden und und gute Freunde um uns herum haben. Sowohl Freunde auf zwei Beinen als auch Freunde auf vier Pfoten.