Dein Partner setzt seine Familie immer an die erste Stelle?

Manche Menschen sind auch im Erwachsenenalter noch sehr von ihren Eltern abhängig. Die Präsenz der Familie ist wichtig, doch Grenzen sind nötig, ansonsten ist die Beziehung in Gefahr.
Dein Partner setzt seine Familie immer an die erste Stelle?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 30. Dezember 2022

Wenn dein Partner seine Familie immer an die erste Stelle setzt und alle Entscheidungen zuerst mit den Schwiegereltern besprochen werden müssen, fühlst du dich fast wie in einer Dreiecksbeziehung. Diese Situation kommt häufiger vor, als wir denken und führt in vielen Fällen zur Trennung.

Wenn du eine Beziehung führst, “heiratest” du in gewissem Sinne auch die Familie deines Partners. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie das Recht hat, sich in Entscheidungen einzumischen oder sogar zum Korrektiv aufzuspielen. Die Präsenz der Familie ist wichtig, doch Grenzen sind nötig, ansonsten ist die Beziehung in Gefahr.

Dein Partner setzt seine Familie immer an die erste Stelle?

Was tun, wenn dein Partner seine Familie immer an die erste Stelle setzt?

Während der ersten Verliebtheit siehst du viele Dinge nicht oder idealisierst deinen Partner, doch mit der Zeit öffnest du die Augen. Dir wird vielleicht allmählich bewusst, dass er nicht nur eine sehr enge Bindung zu seiner Familie hat, sondern bei Entscheidungen von ihr abhängig ist. Wenn sich die Eltern immer einmischen und dein Partner dieses Verhalten zulässt, kann die Beziehung kompliziert werden.

Folgende Tipps können dir helfen, mit dieser Situation umzugehen.

1. Durchsetzungsfähige Kommunikation: Meine Bedürfnisse, deine Prioritäten

Du solltest in dieser Situation keinesfalls einfach schweigen und geschehen lassen. Entscheide dich für eine gesunde Kommunikation und einfühlsame Durchsetzungsstärke:

  • Erkläre deinem Partner ruhig und deutlich, wie du dich fühlst. Versuche immer, konkrete Beispiele zu nennen und vermeide Anschuldigungen oder Vorwürfe. Es geht nur darum, die Realität zu beschreiben.
  • Ermutige einen empathischen Dialog, um deutlich zu machen, was du brauchst und erwartest (Ich erwarte deine Unterstützung; ich möchte, dass du bei mir bist, wenn ich dich brauche; ich möchte nicht nur ein Nebendarsteller sein…).
  • Es ist möglich, dass sich dein Partner nicht bewusst ist, dass er seine Familie immer an die erste Stelle setzt. Deshalb musst du ihn darauf hinweisen, dass dieses Verhalten der Beziehung schaden kann.

2. Dein Partner fühlt sich schuldig, weil er nicht mehr Zeit mit seiner Familie verbringt

Vielleicht wird dein Partner von Schuldgefühlen geplagt, da er nicht mehr so viel Zeit mit seiner Familie verbringt und eine sehr starke Bindung zu seinen Eltern hat. Er muss lernen, dass du jetzt Vorrang hast und dass das nicht bedeutet, dass er seine Eltern deshalb weniger liebt.

Versuche, deinen Partner zu verstehen und gib ihm Zeit, um sich an die neue Situation anzupassen und eine gesunde Beziehung zu dir aufbauen zu können. Eine Studie der Universität Cambridge sowie andere Forschungsarbeiten zeigen, dass Familie und Freunde eine gute  und wichtige emotionale und psychologische Unterstützung bieten. Diese sozialen Netzwerke sind jedoch zweitrangig, während die Paarbindung an erster Stelle steht.

3. Die Privatsphäre muss respektiert werden

Dein Partner muss verstehen, dass es Dinge gibt, die seine Familie nicht betreffen. Es handelt sich um Gespräche, Probleme oder Ereignisse, die innerhalb der Beziehung diskutiert werden und sonst niemanden etwas angehen. Die Familie muss die Privatsphäre respektieren und hat kein Recht, sich einzumischen. Du solltest nicht zulassen, dass diese Grenzen überschritten werden.

Dein Partner will dich trösten


4. Vermeide Ressentiments und setze Grenzen

Wenn dein Partner eine sehr enge Bindung zu seiner Familie hat, kann es dir passieren, dass du dir in deinem eigenen Haus fremd oder deplatziert vorkommst. Du fühlst dich wie ein Außenseiter, der kein Mitspracherecht hat, da andere für dich entscheiden. In vielen Fällen kommt es in dieser Situation zu einem Beziehungsaus.

Du solltest jedoch Groll oder Hass deinen Schwiegereltern gegenüber meiden, denn dies macht die Situation nur noch schlimmer. Versuche konstruktiv zu sein und schlage deinem Partner Grenzen und Änderungen vor: 

  • Du respektierst die Familie deines Partners (so wie er auch deine respektiert), stellst jedoch klar, dass ihr eure Entscheidungen selbst treffen müsst und du Priorität hast.
  • Ihr löst eure Probleme allein, ohne die Familie hinzuzuziehen.
  • Dein Partner bespricht Bedürfnisse, Wünsche oder Bedenken immer zuerst mit dir.

5. Dein Partner muss entscheiden, was er will

Du kannst deinem Partner Zeit geben, aber irgendwann muss er sich entscheiden und verstehen, dass Grenzen wichtig sind. Du wirst nicht glücklich sein, wenn dein Partner viel Zeit mit seinen Eltern verbringt, obwohl es dir selbst gerade nicht so gut geht und du ihn an deiner Seite brauchst.

Die Beziehung ist zum Scheitern verurteilt, wenn die Schwiegereltern ständig bestimmen, was zu tun ist. Auch du musst früher oder später eine Entscheidung treffen, wenn ihr keine Änderungen erzielt. Mangelnde Reife führt vielfach zu Schmerz und Leid.

Vergiss nicht: Durchsetzungsfähige Kommunikation, Einfühlungsvermögen und ausgewogene Grenzen sind grundlegend, damit die Beziehung funktionieren kann. Schafft ihr es nicht allein, kann eine Paartherapie sehr hilfreich sein.

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