Dein Gehirn schützt dich vor traumatischen Erinnerungen

21. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Gehirn aus Sternen geformt

Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Matheson hat einmal angedeutet, dass „mit der Geburt das Trauma des Verständnisses kommt“Meinte er damit, dass die bloße Tatsache, geboren zu sein, bereits das erste Trauma verursachte?

Auch wenn Matheson das so gemeint hätte, würde man sich sowieso nicht an die eigene Geburt erinnern. Dies ist genauso normal, wie dass man keine Erinnerungen an die ersten Lebensjahre hat. Sicherlich gibt es aber auch andere Episoden, die für einen Menschen traumatisch waren und gerade deshalb für das Gedächtnis nicht mehr zugänglich sind. Es sind diejenigen, über die wir in diesem Artikel sprechen möchten.

Traumatische Erinnerungen und Erfahrungen

Erfahrungen prägen uns Menschen. Ganz besonders diejenigen, die man in der Kindheit macht. Sind diese negativ, können die langfristigen Auswirkungen verheerend sein. Sie bleiben im Gedächtnis, vielleicht im unbewussten Teil, aber stets präsent. Sie haben somit einen starken Einfluss auf die Emotionen einer Person.

Ereignisse, die von einem emotionalen oder physischen Missbrauch geprägt waren, haben besonders schwerwiegende Folgen. In solchen Fällen neigt das Gehirn dazu, sich „schuldig zu fühlen“. Scheinbar ist es derselbe Mechanismus, der uns auch vor traumatischen Erinnerungen schützt.

„Erfahrung ist eine der Ursachen für Erfolg oder Misserfolg. Wir leiden nicht an den Auswirkungen unserer Erfahrungen, die man auch Traumata nennt, aber wir passen sie unseren Zwecken an.“

Alfred Adler

Traumatische Erinnerungen schaden dem Gehirn - Kugeln schlagen in ein Gehirn ein

Traumatische Erinnerungen blockieren

Die Psychologin Lidia García Asensi stellt eine merkwürdige Parallelität zwischen Gehirn und Computer her. Sie ist der Meinung, dass das Gehirn handele, indem es Informationen organisiere und diese in Ordnern abspeichere. Übersteige eine Erinnerung nun die Kapazität ihres Ordners, werde sie als gelebte Erfahrung abgespeichert. Dies passiere in einem anderen Netzwerk als dem, auf das üblicherweise zugegriffen werde.

Was meint die Psychologin damit? Es gibt bestimmte traumatische Erinnerungen, die das Gehirn nicht verarbeiten kann oder will. Dies hängt damit zusammen, dass sie uns sowohl auf physiologischer als auch auf emotionaler Ebene beunruhigen. Sind werden dann isoliert von den anderen Erinnerungen, um keine Gefühle erzeugen zu können, die zu intensiv und schwer zu ertragen sind.

Wie man sieht, können besonders schädliche und traumatische Erinnerungen das Gleichgewicht des Gehirns verändern. Sie entstehen, wenn ein Ereignis schwer zu verarbeiten ist und wir es nicht verstehen können. Das macht seine Akzeptanz und Verarbeitung so komplex.

Ist diese Blockierung positiv?

Betrachtet man diese Blockade des Gehirns von seiner positiven Seite, schützt sie vor Traumata und komplizierten Erfahrungen. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass dieser Mechanismus nicht über einen langen Zeitraum hinweg funktioniert. Schließlich kann man Erlebtes nicht völlig vergessen und schon gar nicht verhindern, dass es einen beeinflusst.

Es ist ebenso möglich, dass eine Erinnerung durch eine neue Situation oder Erfahrung erneut ins Gedächtnis berufen wird. Die Auslöser können ganz unterschiedlich sein. Jede Kleinigkeit, und mag sie auch noch so unbedeutend erscheinen, kann das Trauma reaktivieren und es die betroffene Person erneut spüren lassen.

Kommen traumatische Erinnerungen in einer bestimmten Situation wieder hoch, kann der Schaden enorm sein. Schließlich kam es nie zu einer Konfrontation mit dem Erlebten, das unverarbeitet im alternativen Netzwerk zwischengespeichert wurde. Betroffene Personen können sich in solchen Momenten furchtbar desorientiert fühlen.

Traumatische Erinnerungen lassen eine Frau nicht zur Ruhe kommen

Vor- und Nachteile, wenn das Gehirn vor traumatischen Erinnerungen schützt

Wie man sieht, kann dieser automatische Schutzmechanismus dem Gehirn helfen, aber es auch schädigen. Es hat seine Vor-und Nachteile, obwohl es sicherlich immer besser ist, sich einer traumatischen Erfahrung zu stellen und sie zu überwinden. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sich an das Erlebte auch erinnern kann.

„Sobald das Trauma unter Kontrolle ist, ist Angst von geringem Nutzen und nimmt ab.“

Martin Seligman

Mädchen sitzt alleine am Wasser

Auf der einen Seite befreit das Gehirn einen von dem Leid, das diese traumatische Erinnerung verursacht. Somit werden die unangenehmen Folgen im Alltag etwas gedämpft sein. Es kann jedoch Situationen geben, in denen sich eine Person unwohl fühlt, ohne zu wissen warum. Der Grund dafür kann eine Erinnerung sein, die das Gehirn versteckt hat, die aber den eigenen emotionalen Zustand immer noch beeinflusst.

Die Art von Trauma ist besonders schwierig zu entdecken. Ist sie doch sehr gut verborgen. Es ist daher wichtig, vergangene Erfahrungen zu verarbeiten, da man ansonsten Gefahr läuft, von seinen Gefühlen übermannt zu werden.

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