Dass du mich vermisst, hat aufgehört, mir etwas zu bedeuten, als ich gegangen bin

8. März 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Als ich gegangen bin - Frau mit schwarzem Raben auf der Schulter

Dass du nach mir suchst, weil du mich vermisst, hat aufgehört, mir etwas zu bedeuten, als ich gegangen bin. Bevor ich den Schritt aus dieser Tür hinaus gewagt habe, litt ich als Nebendarsteller in einer Geschichte, in der Zuneigung nicht erwidert wurde. Meine Gesellschaft wurde nicht wertgeschätzt. Wir haben ein Maskenspiel gespielt, aber es hat mir keine Freude bereitet, mir ein scheinbar glückliches Lächeln aufzusetzen, während ich innerlich die tausend Stücke meines zerbrochenen Selbst zusammensuchen musste.

Einzelne Stücke schienen zuvor Teile deiner Maske zu sein und sie sind heruntergefallen, als ich versucht habe, dir diese Maske abzusetzen. Ich dachte, unter ihr stecke vielleicht jemand, der Hilfe bräuchte. Aber ich habe mir immer wieder die Finger verbrannt, wenn ich deine Maske berührte. Und gleichzeitig hast du meine Seele mit leeren Versprechungen gefüllt, die für dich nicht einmal von Bedeutung waren. Aber mir, mir bedeuteten sie die Welt. Sie bedeuteten Hoffnung. Doch nichts davon ist mehr übrig.

Ich weiß, dass du mich jetzt vermisst. Aber als ich gegangen bin, habe ich endlich die Konsequenz daraus gezogen, dass ich immer zu viel war. Ich spielte eben nur eine Nebenrolle, war nie der Protagonist an deiner Seite. Unsere Geschichte handelte von falscher Liebe, die Freiheit vortäuschte, aber eigentlich nur Bequemlichkeit und Forderungen deinerseits tarnte. Ich ging davon aus, dass wir beide entscheiden, wohin sich diese Geschichte entwickeln sollte, aber du hast mich niemals gebraucht, um sie das nächste Kapitel zu schreiben.

Als ich gegangen bin, habe ich nicht die Absicht verfolgt, dir zu schaden. Ich habe dir Tür hinter mir geschlossen, weil ich der Wahrheit ins Gesicht gesehen und erkannt habe, dass ich nicht länger eine Nebenrolle spielen wollte. In einem Stück, dessen Handlung ich nicht einmal verstanden habe. Und weil ich weiß, dass du es dennoch weiterspielen wirst, bedeutet es mir nichts mehr, kein Teil mehr von ihm zu sein. Auch wenn du mich nun vermisst.

Falsche Hoffnungen und zerplatzte Träume

Wer eine Tür schließt, gibt damit meist auch einen Teil seiner Hoffnungen auf. Hinter der Tür verbleiben Träume, die nun unerreichbarer denn je erscheinen. Und nicht selten nehmen wir den stillen Wunsch, dass der andere doch noch seine Augen öffnen und schmerzlich vermissen würde, was ihm bisher zu viel war, mit auf den Weg in ein neues Leben. Dieser Wunsch ist eine Last, ein schwerer Stein, den wir nicht aus unserem Rucksack nehmen wollen, obwohl er doch unser Selbstwertgefühl schmälert.

Gerissenes Seil

Wir verschieben den Termin, zu dem wir uns um unser inneres Gleichgewicht kümmern wollen, auf unbestimmte Zeit in die Zukunft. Als wäre unsere Vernunft nicht genug, um zu erkennen, dass die Situation uns von innen heraus aufzehrt und dass ein Versprechen auf baldige Veränderung unsere Wunden nicht heilt. Wir haben bereits 100 % gegeben, bevor wir den Schritt aus der Tür gewagt haben, und sind doch immer noch bereit, Zinsen auf einen Kredit zu zahlen, den jemand anders bei uns genommen hat. Die Währung, in der wir zahlen, ist unsere Selbstliebe.

Wer kennt nicht dieses Gefühl des Sieges, wenn jemand zugibt, uns zu vermissen, nachdem wir uns von ihm getrennt haben? Aber wir bemerken nicht, dass dieser innere Vorbeizug, dieser scheinbare Sieg nicht mit Erkenntnis und Reue einhergeht. Und auch nicht mit einem Wunsch nach Veränderung seitens desjenigen, den wir verlassen haben. Seine Bitte darum, zurückzukehren, ohne im Gegenzug etwas anzubieten, ist nichts wert. Sie ist nur eine Einladung zu einer weiteren Runde russischen Roulettes. Der wahre Sieg wird errungen, wenn wir die Tür hinter uns schließen können und den Wunsch nach einer eventuellen Rückkehr nicht länger verspüren.

Wer eine Tür schließt, zeigt nicht Gefühlskälte, sondern Wärme gegenüber sich selbst.

Der größte Sieg ist es, zu erkennen, wann das letzte Kapitel einer gemeinsamen Geschichte geschrieben wurde. Die Welt ist voller Möglichkeiten und wir tun niemals gut daran, all unsere Energie darauf zu verwenden, eine Veränderung in einem anderen Menschen hervorzubringen.

Liebe bedeutet niemals, die Würde zu verlieren

Liebe schafft einen Ruhepol, weckt unsere Leidenschaft und inspiriert Hoffnung. Liebe ist ein Motor, der alltägliche Gesten nutzt, um Energie zu generieren, aus der wir uns ein Schutzschild gegen all die Widrigkeiten des Lebens aufbauen. Liebe ist die Matratze, auf der wir uns betten, um Intimität zu genießen und das Aroma der Haut eines anderen Menschen einzuatmen. Liebe ist, was unsere Sinne schärft und uns mit der Welt verbindet. Aber es ist nicht die Liebe, die uns andere geben, die uns Würde verleiht. 

Liebe wartet nicht auf Risse im Raum-Zeit-Gefüge, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden. Liebe wird nicht in einem aus Pflichtgefühl heraus getätigtem Anruf bestätigt. Liebe bedeutet, einen Partner zu haben, mit dem wir gewisse Wertvorstellungen teilen, der uns aber nicht daran hindert, mit freiem Geist die Welt zu erkunden. Keiner der Partner soll sich wie ein Joker fühlen, der in der nächsten Runde gegen eine beliebige andere Figur eingetauscht werden kann. Denn wenn dem so ist, dann mangelt es zumindest einem der beiden an Vertrauen und Selbstsicherheit.

„Es gibt Regeln in Bezug auf Liebe und Ehe, von denen ich weiß, dass sie allgemeingültig sind:
Wenn du deinen Gegenüber nicht respektierst, werdet ihr Probleme haben.
Wenn du nicht bereit bist, Kompromisse einzugehen, werdet ihr Probleme haben.
Wenn ihr nicht offen über das sprechen könnt, was zwischen euch passiert, werdet ihr Probleme haben.
Und wenn ihr wichtige Wertvorstellungen nicht teilt, werdet ihr Probleme haben. Es bedarf Gemeinsamkeiten, um eine Beziehung erfolgreich zu führen.“

Mitch Albom

Geruhsame und freie Liebe, in der jeder seine Unabhängigkeit bewahren kann, darf nicht mit der Ausbeutung oder emotionalen Isolation eines Partners verwechselt werden. Wenn diese auftreten, ist die Liebe nicht mehr frei. Freiheit besteht dann nur noch darin, dass einer der beiden über die Liebe des anderen verfügt und zu seinen Gunsten nutzt, wann immer er will.

Wenn du dich dazu entschließt, den Schritt durch die Tür zu wagen, sieh dich nicht um. Rufe dir immer wieder in Erinnerung, was dich an diesen Punkt gebracht hat. Vergangene Zeiten können nicht besser gewesen sein als das, was dich am Horizont erwartet, sonst stündest du nicht auf der Türschwelle. Vergiss jene unrealistischen Versöhnungen, wie sie in Seifenopern dargestellt werden, um das abertausendste Kapitel einer Geschichte zu schreiben, die man schon vor Jahren hätte abschließen sollen. Schreibe dein eigenes Buch.

Schiffe mit Flügeln als Segel

Als ich gegangen bin, wurde mir bewusst, dass ich dir schon viel zu viel Zeit gegeben hatte, um etwas zu verändern, dass du gar nicht verändern willst. Jetzt vermisst du mich, aber ich vermisse mich nicht mehr länger selbst.

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