Das Yerkes-Dodson-Gesetz: Produktivität und Aktivierung

· 18. März 2019

Das Yerkes-Dodson-Gesetz legt nahe, dass eine direkte Beziehung zwischen Produktivität und Aktivierung bestehe. Die Psychologen Robert Yerkes und John Dillingham Dodson haben dieses Phänomen 1908 näher beschrieben.

Das Yerkes-Dodson-Gesetz besagt, dass die Leistung mit physiologischer oder mentaler Erregung steige, jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn die Erregung zu hoch werde, nehme die Leistung wieder ab. Laut diesem Gesetz besteht die beste Möglichkeit, unsere Erregung und Leistung zu verbessern, darin, Aufgaben auszuführen, die es uns ermöglichen, wachsam zu bleiben.

In ihren Experimenten entdeckten Yerkes und Dodson, dass Elektroschocks Ratten dazu motivieren konnten, ein Labyrinth zu durchqueren. Wenn die Ratten jedoch übermäßig geschockt wurden, sank ihre Leistung und sie versuchten, zu fliehen. Das Experiment zeigte, dass das sogenannte Aktivierungsniveau dazu beitrug, die Aufmerksamkeit auf die anstehende Aufgabe zu lenken, jedoch nur, bis eine Schwelle überschritten wurde.

Wie das Yerkes-Dodson-Gesetz funktioniert

Ein Beispiel dafür, wie das Yerkes-Dodson-Gesetz funktioniert, ist die Angst, die wir vor einem Test erleben. Ein optimaler Belastungsgrad kann uns helfen, uns auf den Test zu konzentrieren und uns Prüfungsstoff zu merken. Zu viel Angst jedoch kann unsere Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen, was sich wiederum negativ auf unsere Erinnerungsfähigkeit auswirkt.

Ein weiteres gutes Beispiel für das Yerkes-Dodson-Gesetz ist die sportliche Leistung. Wenn ein Athlet bereit ist, an einem wichtigen Wettkampf teilzunehmen, kann das optimale Aktivierungsniveau einhergehend mit der entsprechenden Freisetzung von Adrenalin seine Leistungsfähigkeit steigern und den Erfolg ermöglichen. Wenn der Sportler jedoch zu stark gestresst ist, kann dies seine Leistung gefährden.

Eine Startlinie bei einem Laufwettbewerb: Die Läufer gehen in Position.

Es ist weiterhin bekannt, dass die Leistung abnimmt, wenn das Erregungsniveau niedrig ist. Das heißt, wenn wir eine relativ einfache Aufgabe ausführen, eigentlich aber einen viel höheren Anspruch verwalten könnten. Wenn das Aktivierungsniveau zu gering ist, mag der Mensch das Gefühl haben, dass er nicht genug Energie habe, um seine Aufgabe auszuführen. Dabei fehlt es eigentlich an Herausforderung. Allerdings kann ein zu hohes Niveau ebenso problematisch sein und zu Konzentrationsschwäche führen.

Was bestimmt also das optimale Aktivierungsniveau? Auf diese Frage gibt es nicht eine einzige Antwort; sie variiert von Aufgabe zu Aufgabe und individuell. Einfache Aufgaben wie Fotokopieren oder Hausarbeit sind weniger von einem solchen Erregungsniveau abhängig. Bei weitaus komplexeren Aufgaben spielt es aber durchaus eine Rolle.

Das Modell der umgekehrten U-Kurve

Was Yerkes und Dodson beschrieben haben, wird oft grafisch als glockenförmige Kurve dargestellt, die mit höheren Aktivierungsniveau zunächst ansteigt bzw. dann auch wieder sinkt. Dies erklärt, warum viele Menschen das Yerkes-Dodson-Gesetz als eine umgekehrte U-Kurve kennen.

Bei unterschiedlichen Aufgaben kann die Form der Kurve variieren. Für einfache und automatisierte Aufgaben verläuft die Kurve mitunter asymptotisch; die Leistung steigt mit zunehmender Erregung und erreicht schließlich ein Plateau. Mehr geht nicht. Bei komplexen, unbekannten oder schwierigen Aufgaben gibt es jedoch einen Punkt, an dem sich die Beziehung zwischen Erregung und Produktivität umkehrt, was bedeutet, dass die Leistung mit zunehmendem Aktivierungsniveau abnimmt.

Yerkes-Dodson-Gesetz: Modell der umgekehrten U-Kurve

Die linke Seite des Diagramms zeigt, was passiert, wenn eine Person unterfordert wird und keinen Grund sieht, hart an einer Aufgabe zu arbeiten. Oftmals schlägt sich dies in Unachtsamkeit und Demotivation bei der Arbeit nieder. Die Mitte der Grafik zeigt, wie eine Person bei maximaler Effizienz arbeitet, wenn sie motiviert ist, hart zu arbeiten, sich aber nicht allzu sehr unter Druck gesetzt fühlt. Die rechte Seite der Grafik zeigt, was bei Überforderung passiert und wenn der Druck zu hoch wird: Die Leistung sinkt.

Einerseits stellt der aufwärtsgerichtete Teil des umgekehrten U eine positive Korrelation zwischen Erregung und Produktivität dar. Auf der anderen Seite kann sich eine zu starke Aktivierung, also hoher Stress, nachteilig auf kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Problemlösefähigkeit auswirken.

Gemäß der umgekehrten U-Kurve ermöglicht ein moderates Aktivierungsniveau dem Einzelnen, seine maximale Leistung zu erreichen. Wenn diese Person aber zu viel oder zu wenig Druck erfährt, nimmt ihre Leistung ab.

Die vier wichtigsten Faktoren

Das Modell der umgekehrten U-Kurve ist von Fall zu Fall und von Person zu Person verschieden. Tatsächlich gibt es vier Einflussfaktoren, die sich auf diese Kurve auswirken: Kompetenzniveau, Persönlichkeit, Angst und Komplexität der Aufgabe.

  • Die Fähigkeit des Einzelnen beeinflusst die Leistung, mit der die jeweilige Aufgabe von ihm ausgeführt wird. Eine gut ausgebildete Person, die sich auf ihre Fähigkeiten verlassen kann, bewältigt eher Situationen, in denen viel Druck herrscht, da sie sich auf bereits eine Routine angeeignet hat.
  • Darüber hinaus spielt die Persönlichkeit des Einzelnen eine wichtige Rolle im Umgang mit Stress. Psychologen glauben, dass Extrovertierte besser mit ihm umgehen können als Introvertierte. Man könnte also davon ausgehen, dass Introvertierte ohne Druck bessere Leistungen erbringen können.
  • In Bezug auf Angst beeinflusst das Selbstvertrauen einer Person auch die Art und Weise, wie sie mit jeder Situation umgeht. Eine selbstbewusste Person bleibt eher ruhig unter Druck, weil sie ihre Fähigkeiten nicht so sehr anzweifeln wird wie eine unsichere Person.
  • Schließlich ist die Komplexität einer Aufgabe ein weiterer Faktor, der die Leistung beeinflusst. Das Erstellen von Kopien ist nicht so schwierig wie das Schreiben eines Aufsatzes oder eines klinischen Berichts. Die maximale Komplexität einer Aufgabe, die der Ausführende bewältigen kann, variiert jedoch von Person zu Person.
Ein Mann eilt motiviert Treppenstufen hinauf, die immer enger werden.

Abschließende Bemerkungen

Obwohl das Yerkes-Dodson-Gesetz vor über hundert Jahren entdeckt worden ist, ist es auch heute noch sehr nützlich. Tatsächlich wird es immer noch näher untersucht, vor allem im Bereich Arbeit und Sport.

Studien, die zwischen 1950 und 1980 durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen hohem Stressniveau und erhöhter Motivation und Konzentration besteht. Diese Studien konnten jedoch nicht die genaue Ursache dafür ermitteln.

Im Jahr 2007 schlugen Forscher vor, dass diese Korrelation mit der Produktion von Stresshormonen im Gehirn zusammenhänge, deren Konzentrationen während Gedächtnisleistungstests eine Kurve ergaben, die der des Yerkes-Dodson-Gesetzes ähnelte. Darüber hinaus zeigte die genannte Studie eine direkte Korrelation zwischen gutem Gedächtnis und Leistungsfähigkeit, was darauf hindeutet, dass Stresshormone möglicherweise auch für den Yerkes-Dodson-Effekt verantwortlich sind.

  • Anderson, K., Revelle, W., & Lynch, M. (1989). Caffeine, impulsivity, and memory scanning: A comparison of two explanations for the Yerkes-Dodson Effect. Motivation And Emotion13(1), 1-20. doi: 10.1007/bf00995541
  • Broadhurst, P. (1957). Emotionality and the Yerkes-Dodson Law. Journal Of Experimental Psychology54(5), 345-352. doi: 10.1037/h0049114
  • Lupien, S., Maheu, F., Tu, M., Fiocco, A., & Schramek, T. (2007). The effects of stress and stress hormones on human cognition: Implications for the field of brain and cognition. Brain And Cognition65(3), 209-237. doi: 10.1016/j.bandc.2007.02.007
  • Yerkes RM y Dodson JD (1908). “The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation”. Journal of Comparative Neurology and Psychology. 18: 459–482. doi:10.1002/cne.920180503.