Das wunderbare Gehirn resilienter Personen

18. Mai 2016 en Psychologie 37 Geteilt

Personen mit hoher Resilienz wissen, dass niemand immun gegenüber Leiden ist, gegenüber den Widrigkeiten des Lebens. Sie verstehen, dass wir zwei Möglichkeiten haben, wenn ein Moment der Dunkelheit und der Hoffnungslosigkeit erscheint: Sich besiegen lassen oder sich ihm entgegenstellen, mit allen nur möglichen Strategien dagegen ankämpfen, denn das Leben ist wunderbar, wenn man keine Angst vor ihm hat.

Wusstest du, dass der Begriff „Resilienz“ eigentlich aus dem Feld der Physik stammt? Er bezieht sich auf die Qualität bestimmter Materialien, darauf, wie diese Druck widerstehen, indem sie sich flexibel biegen, um danach wieder ihre ursprüngliche Form einzunehmen. Auf die Psychologie angewandt beschreibt Resilienz eine noch interessantere und essentielle Dynamik: Die unseres Wachstums.

Wenn du dich dem Schmerz stellst, ist es klar, dass es nicht immer funktionieren wird, sich hinter einer Rüstung zu schützen: Diese kann zu deinem eigenen Käfig werden. Es ist besser, sich Kopf an Kopf unserem Feind zu stellen, um ihn zu verstehen und um so Kenntnisse und Weisheiten zu erlangen.
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Resiliente Personen: Ein Gehirn, das lernt, mit Stress umzugehen

Das Konzept der Resilienz begann man zum ersten Mal in den 40er Jahren im Bereich der Kinderpsychologie anzuwenden. Man versuchte, zu verstehen, auf welche Weise stark benachteiligte Kinder mit familiären Problemen und Schwierigkeiten in ihrer Umwelt umgehen.

Für lange Zeit wurde die Idee aufrechterhalten, dass die Resilienz einen genetischen Ursprung habe, dass heißt, dass Menschen, die unter posttraumatischen Stress gelitten haben, im Verlauf ihres Lebens dieses „Gen“ an ihre Kinder übertragen würden. Diese würden dadurch verletzlicher werden und mehr Schwierigkeiten damit haben, komplexe Erfahrungen einzuordnen.

Die Kindheit sollte ein Privileg des Alters sein, etwas, wohin man zurückkehren kann, um sich an glückliche Momente zu erinnern. Wenn es diese nicht gab, wenn unser inneres Kind verletzt bleibt, dann ist der Moment gekommen, es zu heilen, es durch Resilienz wieder vorankommen zu lassen.

Der genetische Ursprung der Resilienz wurde mit der Zeit mehr und mehr außer Acht gelassen und man hat sich dagegen mehr psychosozialen und neurologischen Faktoren zugewendet.

Ein Beispiel dafür ist eine Studie, die von Dennis Charney von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York (New York, USA) und von Steven Southwick von der Medizinischen Fakultät der Universität Yale (Connecticut, USA) durchgeführt wurde, in der bestimmt wurde, auf welche Weise das Gehirn resilienter und nicht-resilienter Personen funktioniert. Dies sind die wichtigsten Befunde der Studie, die man sich merken sollte:

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Neurologischer Ursprung der Resilienz

Es gibt Personen, die sich wesentlich besser als andere an Stress- oder Drucksituationen anpassen.

  • Die Erklärung liegt in einer besseren neurologischen Kontrolle von Hormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortison.

Bei einer Bedrohung erscheinen diese drei Neurotransmitter im Gehirn, wenn jedoch die Bedrohung wieder verschwindet, dann ist die Person mit höherer Resilienz dazu in der Lage, auch diese drei Hormone sofort wieder verschwinden zu lassen. Eine Person mit geringerer Resilienz hingegen wird weiterhin eine psychologische Form der Bedrohung spüren, da in ihrem Gehirn weiterhin ein Überschuss an Cortison, Adrenalin und Noradrenalin vorhanden ist.

  • Das Gehirn resilienter Personen zeichnet sich weiterhin durch eine sehr ausgeglichene Anwendung von Dopamin aus. Dieser Neurotransmitter, der mit Belohnung und Vergütung in Zusammenhang steht, ist nicht sehr nützlich, wenn man sich Widrigkeiten stellen muss.

Man sollte auch beachten, dass in chronischen Stress- oder Angstmomenten unser Gehirn aufhört, Dopamin, den Neurotransmitter des Genusses, freizusetzen, daher kommt die Wehrlosigkeit und die Schwierigkeit, in solchen Momenten mit Resilienz zu handeln.

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Schlüssel, um deine Resilienz zu entwickeln

Wir sollten den Aspekt nicht vergessen, dass Resilienz eine Fähigkeit ist, und somit etwas darstellt, was wir entwickeln und trainieren können. Damit unser Gehirn diese neurochemische Ausgeglichenheit findet, ist es nötig, auf angemessene Weise unsere Emotionen zu steuern.

Du bist ein einzigartiges Universum voller Emotionen, Gedanken, Träume und Empfindungen. Entferne dich vom Ufer der Hoffnungslosigkeit und bring Ordnung in dieses Chaos: Die Resilienz braucht innere Harmonie und Ausgeglichenheit.

Resilienz zu entwickeln ist ein Lernprozess, den man in der Schule lehren sollte. Tatsächlich hat Martin Seligman selbst, der Vater der positiven Psychologie, ein interessantes Programm in verschiedenen Grundschulen begonnen, mit exzellenten Ergebnissen.

Zusammenfassend kann man die folgenden Schlüssel nennen, um Resilienz zu erlernen:

  • Lass dich niemals von deinen eigenen Emotionen ersticken, als wären sie Fesseln, die dich paralysieren. Stell dir vor, dass du einen inneren, emotionalen Kompass bei dir trägst, der dir erlaubt, die Kontrolle über deinen Verstand zu behalten, um so aufmerksamer und effektiver zu sein.
  • Sei du selbst, suche weder nach fremder Bestätigung noch versuche, allen zu gefallen. All dies entfernt dich von deinen eigenen Interessen, von deinem eigenen Gleichgewicht.
  • Lass dich weder von Fatalismus dominieren, noch verfalle einem „unrealistisch“ positivem Denken. Es geht darum, die Dinge möglichst objektiv zu sehen, und dabei zu verstehen, dass Widrigkeiten zum Leben gehören.
  • Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt, denn das, was wichtig ist, ist die Gegenwart: Nimm keine Dinge vorweg, die noch nicht passiert sind und beklage dich nicht fortwährend über Dinge, die bereits passiert sind.
  • Hilf und lass anderen dir helfen. Pflege deine sozialen Beziehungen und baue lohnenswerte, positive Bindungen auf, auf die du dich als Person in Freiheit und Integrität stützen kannst.

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Dich machen weder deine Fehler noch deine Trauer aus, noch die Menschen, die dich in einem Moment haben stehen lassen. Du bist viel größer als das, denn jede Enttäuschung hat ein Ende, während die Hoffnung unendlich ist.

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