Das Lächeln ist die Leinwand der Inspiration

· 5. Juli 2016

Ein Kind lacht bis zu 400 Mal am Tag, der glücklichste Erwachsene jedoch nicht mehr als 100 Mal und der Durchschnitt schafft gerade 20-30 Lacher täglich. Je älter wir werden, desto weniger lachen und lächeln wir in unserem Leben, obwohl Lachen so gewinnbringend für uns ist und wir dadurch lernen, auch in traurigen Momenten uns selbst ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Oftmals verstecken wir unsere Gefühle hinter einem Lächeln, das besagt, dass alles in Ordnung sei, obwohl es das in Wahrheit nicht ist und wir traurig sind, aber wir trauen uns nicht zu erzählen, wieso, und wir denken, dass es einfacher sei, zu lächeln, anstatt jemand anderem den Grund für unsere Traurigkeit zu erklären.

„Ich denke, dass das, was man Schönheit nennt, nur in einem Lächeln zu finden ist.“

Leo Tolstoi

Sogar schon vor der Geburt lächeln Babys. Das fand ein Team von japanischen Wissenschaftlern im Jahr 2012 heraus, als sie 31 ungeborene Kinder mithilfe von Ultraschall-Untersuchungen 62 Minuten lang beobachteten und sahen, dass sie in diesen 62 Minuten 51 Mal gelächelt haben und dass im Durchschnitt für 3,21 Sekunden. Auf diese Weise konnte gezeigt werden, dass wir sogar vor unserer Geburt dazu in der Lage sind, zu lächeln.

Inwiefern unterscheidet sich ein „gefälschtes Lächeln“, das Traurigkeit verbergen soll?

Bis heute wurden verschiedene Studien über dieses Thema angefertigt. 1862 führte der französische Neurologe Duchenne Boulogne eine Studie durch, durch die er zu der Erkenntnis kam, dass ein gefälschtes Lächeln nur die Muskeln im Bereich des Mundes und der Lippen aktiviert, während hingegen ein ehrliches Lächeln auch alle anderen Muskeln rund um die Augen einschließt.

Glueckliche Frau

Im Jahr 1973 führte der Psychologe Paul Ekman ein Experiment durch, in dem 30 Fotografien mit Gesichtern von 14 Personen verschiedener Kulturen gezeigt wurden, die die sechs Grundemotionen ausdrückten (Freude, Angst, Überraschung, Traurigkeit, Wut und Ekel) und kam zu dem Entschluss, dass Emotionen, besonders die der Freude, bei der Mehrheit vorhanden war.

Erst 2012 entwickelten mehrere Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (Massachusetts, USA) ein System, um ein gefälschtes von einem wahren Lächeln zu unterscheiden. Dafür baten sie eine Gruppe von Freiwilligen, zuerst Frustration vorzutäuschen, danach sollten sie ein Formular ausfüllen, das gestaltet wurde, um Frust hervorzurufen (beim Ausfüllen der befragten Bereiche und wenn auf „Akzeptieren“ geklickt wurde, wurde jegliche eingegebene Information gelöscht) und am Ende sahen sie sich ein Video an, dass ein süßes Baby zeigte.

Als zu Beginn ein Gefühl von Frustration nachgeahmt wurde, lächelten 90% der Teilnehmer nicht. Doch im nächsten Schritt lächelten 90% trotz der Tatsache, dass sie enttäuscht waren, und im letzten Fall, als das Video des Babys gezeigt wurde, lächelte auch die Mehrheit ebenso. Der Unterschied ist, dass das Lächeln bei einer Frustration einfach vergänglicher ist als bei der Freude.

Außerdem sind die beanspruchten Muskeln nicht die gleichen. Bei einem ehrlichen Lächeln arbeiten die Muskelpartien, die die Wangen nach oben ziehen und die Haut rund um Augen in Falten wirft.

„Ein Lachen ist unglaublich entspannend, es ist eine großartige Meditationsübung. Wenn du ausgiebig lachen kannst, wenn du vollen Herzens lachen kannst, findest du dich in einem gedankenlosen und zeitlosen Zustand wieder. Der Verstand lebt natürlich von den Erfahrungen, das Lachen kommt aber von viel weiter her.“

Osho

Wieso wir uns hinter einem Lächeln verstecken

Hinter einem gefälschten Lächeln können sich verschiedene Gründe verbergen. Einer der häufigsten ist die Angst, unsere Gefühle zu zeigen, wenn wir traurig sind oder es uns nicht gut geht. In diesen Situationen fühlen wir uns verletzlich und die Tatsache, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen und sie zu erläutern, erscheint uns komplizierter als einfach zu lächeln.

In anderen Fällen verbergen wir damit unsere Traurigkeit, weil wir jemand anderen nicht verletzen wollen. Uns fällt nicht auf, dass uns dieses Lächeln in schwierigen Zeiten verrät und sowohl uns selbst als auch der Person, die wir anlächeln, schaden kann, wenn wir in Wahrheit niedergeschlagen sind.

Die Macht eines ehrlichen Lächelns

Von Kindesbeinen an lernen wir die Macht, die ein Lächeln haben kann, und auch seinen Effekt auf andere kennen. Ein Baby interpretiert das Lächeln seiner Mutter oder seines Vaters als ein Zeichen für Vertrauen, glaubt somit, dass es etwas gut gemacht hat und dass es keinerlei Gefahr gibt. Bezüglich dessen wurde 1957 in den Vereinigten Staaten ein Experiment gemacht, in dem man mehrere Babys über den Rand einer transparenten Oberfläche in einer gewissen Höhe platzierte, was als „visueller Abgrund“ bezeichnet wird.

„Das Leben ist voll von Einsamkeit, Misere, Leid, Traurigkeit und trotzdem geht es viel zu schnell vorbei.“

Woody Allen

Mutter und Tochter laechelnd auf Wiese

Die Kinder hatten das Gefühl, dass sie ins Leere fallen würden, wenn sie weiter auf der durchsichtigen Oberfläche laufen. Weiter hinten standen ihre Mütter, von denen manche lächelten und andere nicht. Diejenigen, die lächelten, schafften es, dass ihre Kinder ihre Angst besiegten und über die transparente Fläche liefen. Die restlichen Kinder, deren Mütter nicht lächelten, zogen es vor, diesen Schritt nicht zu gehen.

Zwischen erwachsenen Frauen und Männern gibt es da auch diese unumstrittene Macht des Lächelns. Im Jahr 2001 wurde eine Studie durchgeführt, bei der sich herausstellte, dass Menschen jemand anderem mehr vertrauen, wenn er lächelt. Und 1985 zeigte sich dann, dass lächelnde Frauen viel attraktiver auf Männer wirken. Umgekehrt gilt das wohl genauso.