Das inspirierende Gleichnis der geruchlosen Blumen

· 3. Juli 2018

Das Gleichnis der geruchlosen Blumen erzählt die Geschichte eines weisen Samurai, vor dem jeder großen Respekt hatte. Der alte Mann hielt häufig Versammlungen in seinem Haus ab, um seine Lehren den Jüngsten zu vermitteln, die ihm mit großem Interesse und Aufmerksamkeit zuhörten. Man sagt, dass sich sein Ruhm bald in die umliegenden Regionen ausbreitete und Menschen aus verschiedenen Orten zu ihm kamen, um von ihm zu lernen. Der alte Samurai sprach hauptsächlich über die Wichtigkeit des Loslassens und darüber, wie sich selbstsüchtige Gefühle überwinden ließen.

„Alles, was dich an anderen Menschen stört, ist eine Projektion dessen, was du in dir selbst noch nicht gelöst hast.“

Buddha

Sein eifrigster Schüler war ein junger Mann namens Alino. Er wollte so viel wie möglich vom alten Samurai lernen, weshalb er jeden einzelnen Tag seine Versammlungen besuchte. Ebenso bereitete er auch Tee für alle vor und war dafür bekannt, sehr hilfsbereit zu sein. Der Samurai sah ihn aufgrund seiner Bescheidenheit und seines großen Interesses an anderen Menschen wohlwollend an. Er sollte sein Protagonist im Gleichnis der geruchlosen Blumen werden.

Die Wut und das Gleichnis der geruchlosen Blumen

Eines Tages, bei einem gut besuchten Treffen, schüttete einer der Anwesenden seinen Tee über die Kleidung eines anderen Teilnehmers. Der Betroffene zögerte keine Sekunde. Er reagierte sofort und schubste denjenigen, der den Tee verschüttet hatte, auf aggressive Art und Weise. „Kannst du nicht aufpassen?“, raunte er ihn an. Danach fügte er hinzu, dass seine Kleidung aus chinesischer Seide und nun komplett zerstört sei.

Samurai bei einem Wasserfall

Der alte Samurai blieb unberührt. Er fuhr fort, als wäre nichts geschehen. Einige der Anwesenden murmelten leise. Es erschien ihnen unerhört, dass der Lehrer eine solche Diskussion in seinem eigenen Zuhause erlaubte. Die Mehrheit meinte, er hätte aufgrund der Überheblichkeit dieses Mannes eingreifen müssen.

Alino war verwirrt. Als das Treffen zu Ende war, konnte er es nicht länger aushalten und fragte seinen Lehrer: Warum erlaubst du diese Ungerechtigkeiten, wenn du weißt, dass nur eines deiner Worte genügt hätte, um diesen Hochmut zu beenden? Warum hast du ihn nicht aus deinem Haus geworfen?“

Der Lehrer lächelte nur. „Es gibt einige Blumen, die keinen Geruch haben und diese sollten nicht in unserem Garten sein“,  antwortete er Alino. Dieser war verwirrt. Er verstand die Botschaft seines Lehrers nicht. So fügte der alte Samurai noch hinzu: Wut ist eine geruchlose Blume, die nur in Gärten wächst, in denen es keine Freiheit gibt.“  Dies war die erste Lektion aus dem Gleichnis der geruchlosen Blumen.

Alino lernt das Gleichnis der geruchlosen Blumen kennen

Ein paar Wochen nach dem Zwischenfall, passierte etwas anderes, das niemand erwartet hatte. Derselbe Mann kehrte zum Haus des Lehrers zurück und verhielt sich von Beginn an sehr feindselig. Er drängte sich schubsend durch die Menge. Ebenso sprach er fast schreiend, ohne zu berücksichtigen, dass der Lehrer gerade dabei war, zu unterrichten.

Samurai in Rüstung

Er ging zu dem Platz, auf dem der Lehrer saß, und spuckte ihm, ohne ein Wort zu sagen, ins Gesicht. Der Lehrer blieb für ein paar Sekunden still. Jeder war verblüfft. Zuerst reagierte niemand, doch bald konnte man wütende Stimmen hören.

Alino machte sich bereit. Er nahm einen der Säbel, die an der Wand hingen. Dann sagte er zu dem alten Samurai: „Erlaube mir, Meister, diesem Mann die Lektion zu erteilen, die er verdient!“  Der Lehrer blieb wieder unberührt und hob lediglich eine Hand, um ihm zu symbolisieren, dass er nichts unternehmen solle. Es schien, dass Alino das Gleichnis der geruchlosen Blumen noch immer nicht verstanden hatte.

Ein unerwartetes Ende

Der Lehrer bat um Ruhe. Er blieb vollkommen gelassen. Der Aggressor war bereit, es mit jedem aufzunehmen, der versuchte, ihn anzugreifen. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinem Gesicht, als er den bekanntesten Mann der ganzen Region herausforderte. Plötzlich brach der alte Samurai sein Schweigen. Er wandte sich an den Mann, der ihn angespuckt hatte und sagte: Danke.“

Die Anwesenden konnten nicht glauben, was sie hörten. Alino wusste nicht, was er denken sollte. Deshalb fragte er den alten Mann: „Was sagst du, Meister? Wie kannst du diesem Grobian danken, der zum zweiten Mal in dein Haus gekommen ist, um dich zu konfrontieren? Wie ist es möglich, dass du ihm dafür dankst?“

Rosen vor einer Wand

Der Lehrer wandte sich ruhig an den Aggressor und sagte: „Deine Geste hat mir erlaubt, zu bestätigen, dass die Wut aus meinem Herzen verschwunden ist. Ich kann dir nicht genug dafür danken. In meinem Garten werden keine geruchlosen Blumen mehr wachsen.“ 

Alino schämte sich. Der Lehrer hatte ihm in den letzten Monaten beigebracht, nicht selbstverliebt zu sein und Emotionen wie Wut zu vermeiden. Menschen, die beleidigen, die Aggressionen provozieren und zerstörerische Kritik ausüben, sind wie geruchlose Blumen. Die einzig vernünftige Antwort auf ihr Handeln ist es, dieses zu ignorieren und ihnen nicht zu erlauben, in unserem inneren Garten Wurzeln zu schlagen. Das ist die Lehre des Gleichnisses der geruchlosen Blumen.