Das Huckleberry-Finn-Syndrom

3. Februar 2019

Ein Syndrom umfasst eine Reihe von medizinischen Zeichen und Symptomen, die gemeinsam auftreten. Es ist Teil eines medizinischen Profils, das das Wohlbefinden einer Person beeinflusst. Das Huckleberry-Finn-Syndrom ist ein perfektes Beispiel dafür.

Huckleberry Finn ist eine Figur, die Mark Twain als Begleitfigur für einen seiner Romane geschaffen hat. Finn erschien zwar in mehreren Romanen des großen US-amerikanischen Autors, allerdings erhalten wir in Die Abenteuer des Huckleberry Finn  einen besonders klaren Blick auf seinen Charakter und seine Probleme.

Bevor wir die Merkmale dieses Syndroms beschreiben, wollen wir darauf hinweisen, dass der Terminus Huckleberry-Finn-Syndrom eine Schöpfung der Populärpsychologie ist. In der medizinischen Literatur wird nicht darauf verwiesen, dass es sich hierbei um ein psychologisches oder psychiatrisches Problem handelte. Das Syndrom erlaubt jedoch die interessante Beschreibung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale, die wir für durchaus erwähnenswert halten.

„Es ist nie zu spät, um eine glückliche Kindheit zu haben.“

Tom Robbins

Wer ist Huckleberry Finn?

Mark Twains berühmteste Figur ist Tom Sawyer. Ein tapferer, trotziger und gerissener Junge, der immer in Schwierigkeiten gerät. Dennoch schafft er es stets, die Nase vorn zu haben und seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Huckleberry Finn ist einer seiner besten Freunde.

Zeichnung von Huckleberry Finn

Die wesentliche Eigenschaft von Huckleberry Finn ist, dass er keine Verantwortung übernehmen will. Er verpasst die Schule und kümmert sich nicht um seine Verpflichtungen. Zuerst erscheint Finn als Nebenrolle in Die Abenteuer des Tom Sawyer.  Er weckte jedoch so viel Interesse, dass Twain beschloss, einen Roman zu schreiben, der sich ausschließlich ihm widmete.

In diesem Roman gewährt uns Twain Einblicke in die Persönlichkeit dieses Jungen, die sich doch stark von der von Tom Sawyer unterscheidet. Huck ist, im Gegensatz zu Tom, ein verlassenes Kind. Er lebt bei seiner Tante und sein Vater ist böse und alkoholkrank. Er stellt eine echte Bedrohung für ihn dar.

In dem Buch entführt ihn sein Vater und hält ihn gefangen. Aber Huck schafft es, zu entkommen, und Jim, ein entlaufener Sklave, hilft ihm aus. Beide erleben gefährliche und aufregende Abenteuer, bis sie von dem tapferen Tom Sawyer gerettet werden. Und es ist dieser psychologische Zustand, der als Huckleberry-Finn-Syndrom bekannt wurde.

Die grundlegenden Merkmale des Huckleberry-Finn-Syndroms

Die psychologische Struktur, die diesem Syndrom zugrunde liegt, entsteht durch Vernachlässigung und durch das Aufwachsen mit grausamen Eltern. Die beiden wichtigsten Merkmale dieses Syndroms sind daher eine existentielle Leere und das ewige Streben nach dem, was Schmerzen lindert oder Glück beschert.

Junge mit Huckleberry-Finn-Syndrom

Lasst uns daher diese beiden wesentlichen Merkmale des Huckleberry-Finn-Syndroms analysieren:

  • Existenzielle Leere. Das intensive Gefühl, etwas zu vermissen, das dem Leben einen Sinn gibt. Es bedeutet ständigen Unmut und ein Gefühl der permanenten Leere. Existenzielle Leere geht mit einer Neigung zu Depressionen einher.
  • Ewige Suche. Infolgedessen geht derjenige mit Huckleberry-Finn-Syndrom auf eine endlose Suche nach etwas, das dieses Leere endlich füllen kann. Es verspürt den tiefen Wunsch, diese Realität zu finden, um sich vollständig zu fühlen.

Wie wir sehen können, steckt hinter dieser Maske der Nachlässigkeit ein Unbehagen, das nicht befriedigt werden kann. Ein Mangel an Bestimmung führt dazu, dass Menschen mit diesem Syndrom stets suchen und versuchen, einen Sinn in ihrem Leben zu finden.

Andere Merkmale, die das Huckleberry-Finn-Syndrom charakterisieren

Neben den beiden Grundeigenschaften gibt es noch weitere Merkmale, die das Huckleberry-Finn-Syndrom definieren. Die Menschen, die darunter leiden, sind meist bemerkenswert intelligent. Dies wird durch ihre Fähigkeit bewiesen, komplexe Probleme zu lösen. Zusätzlich dazu gilt:

  • Es fällt ihnen relativ leicht, sich an verschiedene Situationen anzupassen, aber tief im Inneren fühlen sie sich nie wirklich wohl mit ihrer Umwelt.
  • Sie entziehen sich der Verantwortung. Das liegt daran, dass sie die Idee, sich festzulegen, ablehnen, da sie noch nie feste Wurzeln hatten.
  • Sie haben ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Sie halten sich nicht für wertvoll und neigen dazu, Depressionen zu entwickeln.
  • Sie wechseln ständig Freunde, Partner, Jobs, usw. Es ist schwierig für sie, Stabilität in ihrem Leben zu finden.
Mädchen mit Meer im Haar

Ein Mangel an gesunden intrafamiliären Beziehung verursacht sowohl das Gefühl der Leere als auch die Schwierigkeit, auf solide Lebenszielen hinzuarbeiten. Dies führt zu einer interessanten und doch komplexen Persönlichkeit.

Kann das Huckleberry-Finn-Syndrom überwunden werden? Ja, natürlich. Mit Unterstützung und Bereitschaft ist es möglich, sich mit sich selbst und seiner schwierigen Vergangenheit zu versöhnen.