Das Hellison-Modell der Verantwortung: Werteerziehung durch Sport

Sport kann Kindern und Jugendlichen außergewöhnliche Möglichkeiten eröffnen, um in ihrer Selbstständigkeit zu wachsen. Das Hellison-Modell der Verantwortung zeigt auf, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
Das Hellison-Modell der Verantwortung: Werteerziehung durch Sport
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 08. Oktober 2022

Die Vorteile von Sport sind unbestreitbar. Körperliche Aktivität verbessert die physische und geistige Gesundheit und sollte daher schon in den frühesten Lebensphasen gefördert werden. Aber das ist noch nicht alles: Sport ist eine hervorragende Möglichkeit, Werte zu vermitteln. Wenn du mehr darüber wissen willst, wird dich das Hellison-Modell der Verantwortung interessieren.

Der amerikanische Arzt und Forscher Donald Hellison entwickelte dieses Lehrmodell, um die persönliche und soziale Verantwortung junger Menschen zu fördern. Dem Forscher ging es nicht direkt um den Sport, sondern um die Werteerziehung von (ausgrenzungsgefährdeten) Jugendlichen, denen er Erfolgserlebnisse ermöglichen wollte. Sie sollten damit auch bessere Bewältigungsstrategien entwickeln, um bei Widrigkeiten richtig zu reagieren.

Das Hellison-Modell der Verantwortung: Werteerziehung durch Sport
Sport hilft jungen Menschen, persönliche und soziale Fähigkeiten zu entwickeln.

Das Hellison-Modell der persönlichen und sozialen Verantwortung

Wie bereits erwähnt, hilft diese Methode Kindern und Jugendlichen, in einem sicheren, kontrollierten Umfeld unter Aufsicht von pädagogischen Fachkräften Verantwortung zu entwickeln. Daher wird es im Bereich des Sportunterrichts und in Sportschulen eingesetzt.

Dank dieses Modells werden Werte wie Respekt, Selbstkontrolle, Einfühlungsvermögen, Anstrengung und Hilfe vermittelt. Um dies zu erreichen, schlägt das Hellison-Modell fünf Verantwortungsebenen vor:

Ebene I: Respekt

Das Ziel ist, ein geeignetes Klima des Zusammenlebens und der Arbeit zu schaffen. Zu diesem Zweck wird der Respekt unter den Teamkollegen und gegenüber Autoritätspersonen gefördert, ebenso wie die Pflege von Materialien und Einrichtungen. Um auf dieser Verantwortungsebene zu arbeiten, einigen sich alle auf bestimmte Regeln und vermeiden Gewalt jeglicher Art. Auch die Förderung der Empathie ist grundlegend.

Ebene II: Beteiligung und Anstrengung

Diese zweite Ebene zielt darauf ab, eine proaktive Haltung bei den vorgeschlagenen Aktivitäten unter der Aufsicht der Lehrkraft zu fördern. Das Ziel ist, sich in die vorgeschlagenen Aufgaben einzubringen und sich wirklich anzustrengen, während gleichzeitig die Chancengleichheit für alle Teilnehmenden gefördert wird.

Stufe III: Persönliche Autonomie

Diese nächste Stufe ermutigt die Kinder oder Jugendlichen, die vorgeschlagenen Aktivitäten selbstständig durchzuführen, ohne dass sie eine Beaufsichtigung benötigen. Auf dieser Stufe können sie selbst planen, organisieren, Entscheidungen treffen und die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

Stufe IV: Führung und Hilfe

Auf dieser Stufe geht es darum, die Verantwortung über sich selbst hinaus auszudehnen und sie auf die soziale Ebene zu übertragen. Auf diese Weise können die erfolgreicheren Lernenden denjenigen helfen, die mehr Schwierigkeiten haben, und sogar einen Teil oder die gesamte Sitzung leiten.

Das Hellison-Modell der Verantwortung: Werteerziehung durch Sport

Stufe V: Übertragung auf andere Kontexte

Hellison fügte später diese fünfte Stufe zu seinem Modell hinzu, um es zu vervollständigen und seine Nützlichkeit zu gewährleisten. Es ist wichtig, daran zu denken, dass diese im Sport erworbene Verantwortung, auf den Alltag übertragbar und in allen Lebensbereichen wichtig ist.

Das Hellison-Modell und seine Anwendung

Wenn eine Lehrkraft diese Methodik in ihrem Sportunterricht anwenden möchte, kann sie eine klare Struktur und eine Reihe von Strategien und Werkzeugen verwenden:

  • Struktur der Stunde: Zu Beginn jeder Stunde kann die Lehrkraft die Teilnehmenden an die fünf Verantwortungsebenen erinnern und erklären, welche an diesem Tag mit welchen Aktivitäten bearbeitet wird. Auf diese Weise wissen die Kinder oder Jugendlichen, was von ihnen erwartet wird, und das motiviert sie, sich zu engagieren und besser zu werden.
  • Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülern: Es ist wichtig, dass die Teilnehmenden während jeder Unterrichtsstunde mindestens einmal Kontakt oder Interaktion mit der Lehrkraft haben können. Das hilft jungen Menschen, sich wichtig und wertvoll zu fühlen.
  • Chancen: Die Lehrkraft sollte sicherstellen, dass die Schüler beim Sport die Möglichkeit haben, erfolgreich zu sein, d. h. dass alle Teilnehmenden das Gefühl haben, die ihnen gestellte Aufgabe bewältigen zu können.
  • Gruppentreffen: Am Ende der Sitzung kommen alle zusammen und besprechen, was während der Sitzung passiert ist. Sie denken darüber nach, ob die Ziele erreicht wurden, welche Verhaltensweisen und Maßnahmen angemessen waren und welche verbessert werden können.
  • Reflexion und Selbsteinschätzung: Zum Schluss gibt es für jedes Kind einen Moment der Reflexion, in dem es über seine eigene Leistung und sein Verhalten während der Unterrichtsstunde nachdenken kann. Alle werden gebeten, sich selbst kurz positiv oder negativ zu bewerten, indem sie den Daumen nach oben oder nach unten zeigen.

Kurz gesagt: Das Hellison-Lodell der Verantwortung bietet einen strukturierten und effektiven Ansatz, der in Sportschulen angewendet werden kann. Obwohl es für ausgrenzungsgefährdete Kinder und Jugendliche entwickelt wurde, hat es sich auch in anderen Kontexten als sehr effektiv erwiesen. Wenn also das Potenzial des Sports zur Vermittlung von Werten und zur Förderung von Verantwortung genutzt werden soll, ist dies eine hervorragende Möglichkeit.

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  • Hellison, D. (2010). Teaching personal and social responsibility through physical activity. Human Kinetics.
  • Pardo, R., & García-Arjona, N. (2011). El Modelo de Responsabilidad: desarrollo de aspectos psicosociales en jóvenes socialmente desfavorecidos a través de la actividad física y el deporte. Revista de Psicología y Educación.