Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen: Wir haben nie alles unter Kontrolle

Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen zeigt uns, dass wir nie wirklich alles unter Kontrolle haben. Selbst hinter einer guten Planung kann die Realität schwer zu fassen sein und unsere Erwartungen nicht erfüllen.
Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen: Wir haben nie alles unter Kontrolle

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 26. Februar 2022

Unser Verhalten führt immer oder fast immer zu unbeabsichtigten Konsequenzen. Das gilt besonders für Situationen, in denen Gruppen oder Kollektive beteiligt sind. In diesen Fällen ist es besonders schwierig, die Folgen einer Handlung oder Entscheidung vorherzusehen.

Die Grundgedanken des Gesetzes der unbeabsichtigten Konsequenzen wurden von Robert K. Merton entwickelt. Dieser Soziologe wies darauf hin, dass die Resultate einer Handlung nicht unbedingt der ursprünglichen Absicht entsprechen müssen. Nicht alle Aspekte können vorausgesehen werden und außerdem können zufällige Faktoren die Situation verändern.

Das berühmte Murphys Gesetz ist mit dem von Merton vorgeschlagenen Gesetz verwandt. Ersteres besagt, dass wenn etwas Schlimmes passieren kann, dies der Fall sein wird. Es wird auch so formuliert: “Jede Handlung, die negative Folgen haben kann, wird negative Folgen haben”. Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen besagt jedoch nicht, dass die Folgen negativ sein müssen. Sie können auch positiv oder pervers sein.

Das Unvermeidliche passiert selten; es ist das Unerwartete, das meistens passiert.

John Maynard Keynes

Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen: Wir haben nie alles unter Kontrolle

Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen

Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen wird oft herangezogen, um größere Veränderungen zu vermeiden, wenn die Folgen Variablen betreffen, die nicht kontrolliert werden können, wie z.B. die Reaktion eines Partners.

Es basiert auf der Idee, dass ein größeres Ausmaß an Veränderungen mehr unbeabsichtigte Konsequenzen nach sich ziehen kann. Das stimmt jedoch nicht immer; wir alle haben schon erlebt, wie eine scheinbar unbedeutende Geste einen regelrechten Sturm ausgelöst hat – und auch, wie sie diesen wieder beruhigen konnte.

Die Gründe, warum unbeabsichtigte Konsequenzen auftreten können, sind folgende:

  • Die Auslöser der Veränderungen übersehen die langfristigen Auswirkungen.
  • Bei der Festlegung der nötigen Veränderungen kommt es zu Fehlern.
  • Eine Innovation oder Neuheit taucht auf, die die Landschaft verändert.
  • Das Wertesystem versagt, da die Entscheidung auf dessen Grundlage getroffen wird, aber das Wertesystem möglicherweise nicht auf andere Personen anwendbar ist.
  • Der Widerstand gegen Veränderungen kann zu einem neuen Szenario führen, das ursprünglich nicht geplant war.

Unterschiedliche Arten von Folgen

Wie bereits erwähnt, sind unbeabsichtigte Konsequenzen nach dem Gesetz der unbeabsichtigten Folgen nicht immer negativ. Sie können auch positiv oder pervers sein.

Negative Ergebnisse

Es kann sein, dass eine Aktion als positiv angesehen und durchgeführt wird, aber am Ende negative Auswirkungen hat. Ein deutliches Beispiel dafür ist das Alkoholgesetz in den Vereinigten Staaten. Es konnte seinen Zweck nicht erfüllen, sondern hatte die Ausbreitung der Mafia zur Folge. Dies führte zu beispielloser Gewalt, bis das Verbot wieder aufgehoben wurde.

Positive Ergebnisse oder Glücksmomente

Wenn das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen zutrifft, kann es auch positive Ergebnisse geben. Das ist der Fall, wenn eine Handlung oder Entscheidung mehr Nutzen bringt als erwartet.

Ein Beispiel dafür konnten wir in Chile beobachten. Jahrzehntelang waren verschiedene Sektoren gegen die Zulassung der Scheidung, weil sie glaubten, dass sie die Institution der Ehe schwächen würde. Schließlich wurde sie genehmigt und zur Überraschung aller heirateten viel mehr Menschen und weniger trennten sich.

Perverse Ergebnisse

Diese treten auf, wenn das Ergebnis diametral zu der ergriffenen Maßnahme oder Aktion ist, was beabsichtigt war. Ein Beispiel dafür ist die Einschränkung von Autos in Mexiko-Stadt oder Bogotá. Es dürfen abwechselnd nur Autos mit gerader beziehungsweise ungerader Zahl auf den Nummernschildern verkehren. Als Reaktion darauf kauften viele Menschen ein zweites, älteres und billigeres Auto, um jeden Tag mit einem anderen Auto fahren zu können. Das Ziel war, die Umweltverschmutzung zu verringern, doch am Ende nahm sie zu.

Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen

Vorschläge zur Umgehung des Gesetzes der unbeabsichtigten Konsequenzen

Das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen kann nicht vollständig verhindert werden. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um seine Auswirkungen zu verringern. Du solltest lernen, langfristig zu7 denken. Eine gute Technik ist die 10-10-10-Technik: Denke darüber nach, welche Konsequenzen in 10 Tagen, 10 Monaten und 10 Jahren entstehen könnten.

Eine andere Möglichkeit ist, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn nichts unternommen wird. Wenn eine sehr große Veränderung umgesetzt werden soll und es Zweifel gibt, denkst du am besten darüber nach, was passieren würde, wenn du nichts unternimmst. Wenn es keine schwerwiegenden Folgen gibt, ist es vielleicht am besten zu warten, bis du mehr Informationen über die Situation hast.

Zum Schluss ist es eine gute Übung, die schlimmstmögliche Folge mit vier zu multiplizieren. Wenn du dadurch in der Lage bist, ein sehr hohes Risiko vorauszusehen, ist es vielleicht besser, zweimal nachzudenken, bevor du handelst. Auf diese Weise kannst du vielleicht verhindern, vom Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen bestraft zu werden.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Die Kraft des Zukunftsdenkens für ein gesundes Leben
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Die Kraft des Zukunftsdenkens für ein gesundes Leben

Die Kraft des Zukunftsdenkens kann Großartiges bewirken. Sie hilft dir, deine Ziele zu erreichen und fördert dein Wohlbefinden.



  • Arturo Delgado, L. (2008). La ley de Murphy y la planificación estratégica. Rev. ecuat. pediatr, 68-74.
  • Wells, J. Marx and Engels sobre la aleatoriedad y el agente humano.