Das Drama der Flüchtlinge – im Niemandsland

29. Juni 2018 en Kuriositäten 0 Geteilt
Drama der Flüchtlinge - Mutter und Kind auf der Flucht

Es gab einen Angriff. Eine Mutter nimmt die Hand ihres Kindes. Es tut seinen letzten Atemzug, in den Armen der Frau, die ihm das Leben schenkte. Ein anderes Kind trennt sich heute von seiner Familie, mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mit Tränen in den Augen und ohne zu wissen, ob es seine Familie jemals wiedersehen wird, verabschiedet es sich. Das ist das Leben von Flüchtlingen.

Das Drama der Flüchtlinge steht für den Schmerz von Millionen von Menschen. Menschen, die Träume haben, und sich nach dem Gleichen sehnen wie du und ich. Kinder, die wegen des Leides, vom dem sie umgeben sind, nicht mehr lachen können.

Wer sind Flüchtlinge?

Flüchtlinge können als gezwungene Einwanderer bezeichnet werden, weil sie in ihrem Herkunftsland aus rassistischen oder ideologischen Gründen verfolgt werden. Oder weil ihr Land ein menschenwürdiges Leben nicht länger garantieren kann.

Die Flüchtlinge kommen nicht, um uns unsere Arbeit wegzunehmen. Sie kommen auch nicht, um sich versorgen zu lassen und nie wieder anzupacken. Sie kommen nicht aus einer Laune heraus. Sie sind keine Terroristen.

„Du musst verstehen, dass niemand seine Kinder in ein Boot setzt, außer das Wasser ist sicherer als das Land.
Niemand verbringt Tage und Nächte im Laderaum eines Lastwagens, es sei denn, die zurückgelegten Kilometer bedeuten mehr als nur eine Reise.
Niemand kriecht unter Zäune, niemand will geschlagen werden.“

Revista Fogal

Kleinkind zwischen Flüchtlingen

Welche psychologischen Folgen hat das Leben als Flüchtling?

Als Flüchtling zu leben bedeutet, im Niemandsland zu leben. Flüchtlinge sind nicht in der Lage, ein normales Leben an dem Ort zu führen, der ihr Zuhause war, und gleichzeitig wollen viele Länder, in denen sie Asyl ersuchen, sie nicht aufnehmen. Dazu kommen die ständigen Bombenanschläge in der Heimat. Das verursacht ein hohes Maß an Angst, mitunter sogar Depressionen. Es entwickelt sich ein Zustand der Hypervigilanz und chronischer Stress, was mittelfristig oft schwerwiegendere Erkrankungen wie Schizophrenie oder eine posttraumatische Belastungsstörung auslöst. Und Wut und Hass.

Es ist nicht verwunderlich, dass eine Person im Dauerzustand sozialer und psychologischer Instabilität Handlungen vornimmt, die möglicherweise nicht legal oder ethisch sind. Vielleicht kennt diese Person auch tatsächliche Terroristen, die ihr sagen, dass sie ihren Angehörigen Sicherheit und Gerechtigkeit bieten könne. Wer würde nicht nach einem Verbündeten suchen, wenn alles um ihn herum zusammenbricht?

Aber das sehen wir nicht. Wir sehen schnell den Strohhalm im Auge des anderen, aber nicht den Balken in unserem eigenen! Populisten und Rechtsextreme gewinnen immer mehr an Macht, vor allem in Europa. Sind Flüchtlinge nicht auch Menschen, die nach Sicherheit für die ihren streben dürfen?

Flüchtlinge kriechen unter einem Zaun durch

Welche Rolle spielen wir im Drama der Flüchtlinge?

Wenn die Möglichkeit, eine höllische Reise in einem Boot, durch eine Wüste oder jahrelange Pilgerfahrten in den Händen der Mafia zu überwinden, verlockender klingt, als im eigenen Land zu bleiben, dann werden weder Zäune noch Grenzen, Verordnungen, Polizei, Stacheldraht oder das Mittelmeer ausreichen, um eine Familie aufzuhalten, die nach einem besseren, menschenwürdigen Leben sucht.

In die andere Richtung zu schauen, wird das Problem nicht lösen. Auch die Finanzierung des Konflikts wird Flüchtlingen nicht helfen. Warum sind wir nicht bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, aber durchaus in der Lage, Waffen beizusteuern? Diese doppelte Moral ist beunruhigend.

Warum? Je weiter wir den Bumerang werfen, desto schneller kommt er zurück. Das wird auch passieren, wenn wir uns der Realität dieser Massenflucht verweigern. Oder wenn wir ihre Existenz nicht leugnen, aber sie in unseren Ländern nicht akzeptieren wollen, so wie es die USA tun. Oder wenn wir die Massenflucht notgedrungenermaßen akzeptieren, die Angekommen dann aber nicht in unsere Gesellschaft integrieren wollen. Wir bauen Zeitbomben. 

Flüchtlinge an Maschendrahtzaun

Was würdest du tun, wenn jemand dein Haus zerstört, dein Kind entführt oder deine Heimat bombardiert? Was würden wir tun, wenn wir alles verloren hätten und keine Chance auf ein besseres Leben sähen? Was würden wir tun, wenn wir uns derart hilflos fühlten? Wenn wir das Gefühl hätten, dass jeder wüsste, was um uns herum passiert, aber keiner etwas dagegen täte? Die Antwort ist ganz einfach. An dem Punkt, an dem unser Leben keinen Sinn mehr hat, fangen wir an, uns selbst zu zerstören und nach Rache oder Erlösung zu suchen. Deshalb ist unser Engagement so wichtig.

„Hier, in diesem Niemandsland, angesichts dieses Mangels an Identität und Zugehörigkeit fühlen sich die Menschen allein gelassen.“

Wir sind nicht besser oder anders als Flüchtlinge, aber oft vergessen wir das

Es scheint, dass wir uns nicht mehr erinnern. Noch vor 76 Jahren überquerten 465.000 Spanier die französische Grenze, um dem Bürgerkrieg zu entkommen. Von ihnen sind 220.000 nie wieder nach Spanien zurückgekehrt. Wie Neruda schrieb: „Die Liebe ist so kurz und das Vergessen so lang.“

Spanische Flüchtlinge

Aber es ist umso bemerkenswerter, was wir sehen, wenn wir uns selbst ein wenig beobachten. Die jungen Leute gehen. Sie begeben sich auf die Suche nach einer besseren Zukunft. Die Geschichte der Einwanderung könnte jeden von uns ergreifen!

Es liegt an uns, unsere Stimme für diejenigen zu erheben, deren Hilferufe in Tränen ersticken. Für die mehr als 10.000 Flüchtlingskinder, die vermisst werden und deren Familien hoffen, sie irgendwann wiederzufinden. Und für viele andere Menschen, die ihre Körper in Flüchtlingslagern gegen ihr Leben verkaufen.

Laut UNICEF wurden im Jahr 2015 tausende schwere Verbrechen an Minderjährigen begangen, darunter Mord, Verstümmelung oder Entführung. Von diesen Kindern wurden viele tot aufgefunden, andere werden weiterhin vermisst. Ein paar haben in Europa ein neues Zuhause gefunden. Sind diese Kinder auch Terroristen?

Der einfachste Weg, zu helfen, ist, unseren Geist und unser Herz für unsere Mitmenschen zu öffnen.

Auch interessant