5 Mythen über Angst, die du kennen solltest

· 19. Juni 2018

Bestimmte Mythen über Angst halten sich hartnäckig. Sie kommen denjenigen jedoch nicht zugute, die mit diesem Dämon zusammenleben müssen, mit diesem Wesen, das ihr ruhiges Leben aus dem Gleichgewicht bringt. Niemand sucht sich seine Störung, seine Krankheit oder dieses schwarze Loch aus, das vor uns allen auftreten kann, wenn die Umgebung nicht vorteilhaft wirkt und wir weiterhin falschen und sogar schädlichen Ideen obliegen.

In dieser gegenwärtigen Situation, in der soziale Bewegungen, die Rechte einfordern oder Realitäten sichtbar machen, die bis vor Kurzem in die Ecke der Stille und der Unterdrückung verwiesen wurden, immer lauter werden, hat sich etwas ergeben, das nicht unbemerkt bleiben darf: Unter dem Titel „Ich habe mir meine Krankheit nicht ausgesucht“  wird versucht, die Situation aufzuzeigen, in der sich viele Menschen, die heutzutage mit einer Depression, einer bipolaren Störung, posttraumatischem Stress, Angststörungen usw. kämpfen, leben müssen. Menschen, die nach wie vor beschuldigt oder angegriffen werden, obwohl sie das Leid, das sie ertragen müssen, nicht selbst gewählt haben.

„Angst ist Teil der menschlichen Natur, doch sie nimmt uns gefangen, wenn die Möglichkeit mit der Realität in Konflikt tritt und wenn die Gegenwart von der Zukunft besessen ist.“

Kierkegaard

Diesen Menschen eine Stimme zu geben, ist wichtig. In erster Linie, weil ein großer Teil der Bevölkerung immer noch in den Gewässern der absoluten Unwissenheit segelt, was solche Störungen oder Geisteskrankheiten betrifft. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, dass zur Unwissenheit auch noch ein Stigma und das Gewicht von Vorurteilen hinzuzufügen ist.

Nichts davon hilft der Person, die versucht, zu verstehen, was mit ihr passiert. Viel mehr ist es so, dass das „was die Leute sagen“ in vielen Fällen ein Hindernis ist, um sich Hilfe zu suchen. Auf diese Art und Weise wird nur erreicht, dass diese Zustände solange ignoriert werden, bis maximales Leiden verursacht wird, das sich nicht mehr unterdrücken lässt. Das ist inakzeptabel. Und es gibt etwas so einfaches wie das Wissen, die Klärung von Begriffen und die Visualisierung dieser Art von Realitäten, die eine günstigere Umgebung gestalten.

Mann läuft vor seiner Angst weg

1. Angst sei nur ein chemisches Ungleichgewicht

Bis zum heutigen Tag gibt es immer noch viele Experten im Gesundheitsbereich, die die Idee vertreten, dass Angst ausschließlich auf ein chemisches Ungleichgewicht in unserem Gehirn zurückzuführen sei. Es sollte gesagt werden, dass dies eine Halbwahrheit oder vielmehr ein unvollständiges Konzept ist, das wir nicht als gültig anerkennen dürfen.

Der Grund dafür? Wir wissen, dass es das Wohlergehen steigert, wenn wir eine pharmakologische Behandlung anbieten, durch die die Produktion von Serotonin erhöht wird. Doch Medikamente allein bewirken keine vollständige oder dauerhafte Genesung. Die Idee, dass Angst allein mit Pharmaka gelöst werden könne, ist deshalb nicht richtig. Wir brauchen weitere Strategien, die die medikamentöse Behandlung ergänzen.

2. Wenn meine Eltern an Angststörungen gelitten haben, werde auch ich daran leiden

Dies ist ein weiterer der häufigsten Mythen über Angst: all unseren Problemen, Krankheiten und Störungen eine genetische Veranlagung zuzuschreiben. Es ist weder angemessen noch notwendig, den Besitzer zu betiteln: Das Risiko auf psychische Krankheiten kann zwar durch entsprechende Gene erhöht werden, aber wir dürfen nicht von einer absoluten Bestimmung sprechen.

Umgekehrt klappt es übrigens immer, denn auch jeder Mensch, der nicht „genetisch vorbelastet“ ist, kann eine Angststörung entwickeln.

Verfolgungsangst

3. Wenn ich an Angst leide, liege das daran, dass ich in meinem Leben etwas falsch mache

Die generalisierte Angststörung ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Auswirkungen dieser Krankheit auf das Leben eines Menschen sind immens, chaotisch und erschöpfend. Wenn nun jemand aus der Umgebung eines Patienten diesem mitteilt, dass der Zustand, an dem er so sehr leidet, durch seine Verantwortung entstanden sei, weil er etwas falsch gemacht habe, wird das die Symptome noch verstärken und den Wunsch nach einer Lösung verringern.

Wir müssen zunächst bedenken, dass Angst an sich Teil der menschlichen Natur ist. Manchmal erhöhen jedoch bestimmte Ereignisse, die Umgebung, unsere Vergangenheit und die Art, wie wir unsere Realität sehen und verarbeiten, das Risiko, diese Art von Störungen zu entwickeln. Und diese obliegen in der Regel nicht unserer Kontrolle.

4. Ich sei eine ängstliche Person, Angst sei ein Teil von mir und ich könne das nicht ändern

Dies ist zweifellos ein weiterer der häufigsten Mythen über Angst. Manche Leute denken, dass Angst Teil ihrer Persönlichkeit sei und sie deshalb nichts dagegen tun können – weder eine Psychotherapie noch eine andere Behandlung können Abhilfe schaffen. Sie denken, das sei einfach so und Punkt. Sie identifizieren die Angst als Teil ihres Seins, als eine ihrer Persönlichkeit immanente Emotion.

Ändern wir den Fokus und blicken wir realistischer und optimistischer auf die Angst. Wir alle können neue Denkweisen in unseren Geist integrieren, unsere Emotionen besser verwalten, Verhaltensweisen und Gewohnheiten ändern und sogar unser Gehirn umprogrammieren, um es zu beruhigen, seinen Fokus zu verändern.

Eine Gruppe von Menschen, die jemanden ausschließt

5. Tiefenentspannung allein könne meine Angststörung lösen

Angststörungen können nicht gelöst werden wie ein Kreuzworträtsel: Sie müssen behandelt werden. Das Wort „Behandlung“ hat mehrere Bedeutungen, die wir berücksichtigen sollten:

  • Sie bedarf aktiver Arbeit des Psychologen und des Patienten.
  • Eine Behandlung impliziert, dass die Person eine Reihe von Strategien lernt, die sie immer anwenden sollte, nicht nur, bis sie Verbesserungen wahrnimmt. Sie muss den Zustand der Genesung erhalten.
  • Im Gegenzug dazu ist es wichtig, zu verstehen, dass die Behandlung von Angstzuständen nicht auf einem einzigen Ansatz beruht. Denn Behandlung bedeutet auch Suche, bedeutet Kombination verschiedener Strategien: Tiefenentspannung, Psychotherapie, Verhaltensänderung, Meditation, Sport, neue Hobbys …

Zusammenfassend können wir sagen, dass Tiefenentspannung hilft, jedoch mehrere Ressourcen aktiviert werden müssen, um eine vollständige und dauerhafte Genesung zu erreichen. Wir können sagen, dass wir auf dieser Reise mehrere Strategien ausprobieren müssen, um herauszufinden, welche uns wirklich hilft, welche uns in die Lage versetzt, die Verzweiflung aufzulösen, Ängste abzubauen und Bedenken in einer angemesseneren Weise zu verarbeiten.

Mädchen mit Angstzuständen

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die genannten Mythen über Angst die therapeutische Arbeit und die Normalisierung einer Krankheit, die erfolgreich behandelt werden kann, behindern. Wir dürfen nicht vergessen, dass Angst heute als Epidemie gilt und besonders in der jüngeren Bevölkerung häufiger auftritt. Daher ist es notwendig, Präventionsmaßnahmen zu implementieren, Strategien zu lehren, die uns verstehen lassen, dass der Geist nicht schneller gehen muss als das Leben.