Das Delirium bei Morbus Alzheimer

8. Februar 2019

Morbus Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz. Somit scheint die Verschlechterung der kognitiven Funktionen der Kern der Symptome dieser Krankheit zu sein. Dennoch können auch andere Symptome eine wichtige Rolle spielen und die Lebensqualität des Patienten minern. So kommt es bei einigen Betroffenen zum Delirium.

Diese neurokognitive Erkrankung ist durch Veränderungen der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit gekennzeichnet. Normalerweise ist dies die psychologische Folge einer physiologischen Komplikation. Darüber hinaus geht Morbus Alzheimer jedoch mit einem degenerativen Prozess einher, der durch den Verlust cholinerger Neuronen gekennzeichnet ist. Diese sind für das reibungslose Funktionieren des Gehirns wichtig.

Das Delirium ist eine klinische Störung, die ebenfalls Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, aber auch das Bewusstsein beeinträchtigt. Dennoch ist dessen Pathogenese bisher nur unvollständig verstanden. Obwohl die kognitive Verschlechterung und die Demenz systematisch als Hauptrisikofaktoren für das Delirium identifiziert wurden, bleiben die Mechanismen, die zu diesem erhöhten Risiko beitragen, unklar.

Laut einer im Jahr 2009 veröffentlichten Studie sind Wahnvorstellungen eine Kondition, die die kognitive Leistung stark beeinflussen können. Und diese treten bei 66 bis 89 % der an Morbus Alzheimer erkrankten Patienten auf. Es scheint also, als würden diese beiden Pathologien Hand in Hand gehen. Die zitierte Studie zeigte außerdem, dass Wahnvorstellungen bei Morbus Alzheimer den kognitiven Verfall bei hospitalisierten Patienten noch beschleunigen.

Das Delirium

Aus pathologischer Sicht entsteht das Delirium durch eine diffuse zerebrale Dysfunktion. Es besteht zudem der Anschein, dass es mehrere molekulare und zelluläre Ursachen für das Delirium gebe. Die Autoren Blass und Gibson teilen diese Ursachen in zwei Klassen ein:

  • Beeinträchtigung des zerebralen Stoffwechsels
  • Medikamenten- oder Drogeneinfluss

Eine Intoxikation mit Drogen ist eine der Hauptursachen des Deliriums. Es scheint jedoch, dass viele der Bedingungen, die ein Delirium verursachen können, bei Konsistenz auch zur Demenz führen können.

Weiterhin können auch Hypoxie und Hypoglykämie als metabolische Anomalien zu Funktionsstörungen des Gehirns führen. Wenn diese schwerwiegend und langanhaltend sind, können sie Schäden des Gehirns sowie Demenz zur Folge haben.

Verschwommenes Bild einer Frau, die ihre Hände an den Kopf hält

Das Delirium bei Morbus Alzheimer: Wie stehen diese beiden Konditionen in Verbindung?

Heutzutage werden das Delirium und die Demenz als unterschiedliche Entitäten eingestuft. Zwischen den Jahren 1930 und 1970 wurden sie jedoch als verschiedene Phasen desselben Prozesses verstanden. So schrieben Engel und Romano im Jahr 1959:

„Wie bei den bekannteren Arten des Organversagens bezieht es [das Gehirnversagen] sich darauf, was geschieht, wenn die Funktion des Organs als Ganzes gestört wird – aus welchen Gründen auch immer. Dies kann auf zwei grundliegende Prozesse reduziert werden, das Versagen des Stoffwechsels und den Verlust [von funktionellen Einheiten] durch den Tod. Delirium bezieht sich auf eine eher reversible Störung und Demenz auf eine irreversible. Diese Zustände sollten also als unterschiedliche Grade betrachtet werden.“

So könnte man also sagen, dass das Delirium und Morbus Alzheimer beide mit einem dysfunktionalen zerebralen Stoffwechsel einhergehen. Beide Pathologien stehen zudem mit einer veränderten Funktion cholinerger Neurone in Verbindung.

Bei der Demenz, die im Rahmen von Morbus Alzheimer auftritt, gibt es im Gegensatz zum Delirium auch Hinweise auf strukturelle Schäden des Gehirns. Wenn sich also herausstellte, dass ein Patient, der mit der Diagnose des Deliriums gelebt hat, bei der Autopsie die pathologischen Stigmata eines Morbus Alzheimer aufweist, würde die Diagnose auf Morbus Alzheimer korrigiert.

Mann mit Morbus Alzheimer, der aus dem Fenster blickt

Behandlung

Inhibitoren der Cholinesterase versprechen eine Linderung von Delirium sowie eine Verzögerung des Fortschritts von Morbus Alzheimer. Daher ist es auch diese Gruppe von Pharmaka, die bei Wahnvorstellungen, die bei Alzheimerpatienten auftreten, zur Anwendung kommt.

In Schweden hat Dr. Bengt Winblad bereits erste Studien dazu durchgeführt. Cholinesteraseinhibitoren sollten jedoch mit großer Vorsicht angewendet werden, da sie als cholinerge Agonisten ein implizites Risiko mit sich bringen, einen Bronchospasmus oder ein Sick-Sinus-Syndrom zu verursachen. Es sind deshalb noch weitere Studien erforderlich, um rigoros zu testen, ob eine cholinerge Behandlung das Gehirn vor metabolischen Enzephalopathien und deren Folgen schützen kann.

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