Konfliktmanagement: Wie sich Demenz auf die Familie auswirkt

· 21. Mai 2018

In den letzten Jahren ist unsere Lebenserwartung deutlich gestiegen – wir leben also länger, und wir leben besser. Dies ist eindeutig eine gute Nachricht. Es bedeutet allerdings auch, das gesundheitliche Probleme, die in früheren Zeiten nicht auftraten, nun auf dem Vormarsch sind. Eines dieser Leiden ist die Demenz. Zuweilen bringt das Verstreichen der Zeit auch einen Verfall der kognitiven Fähigkeiten mit sich. Das macht es schwieriger, allein zu leben und die Anforderungen des Alltags zu meistern. Tatsächlich sind in den Industrieländern Demenzerkrankungen der häufigste Grund, warum jemand von seiner Familie abhängig wird.

Wie wirkt sich aber eine solche Erkrankung auf die Familie aus?

„Demenz ist wie ein Augenblick des Zweifels, in dem ich nicht weiß, ob ich meinen Augen oder meiner Erinnerung trauen sollte. Denn beide scheinen die gleichen heimtückischen Fehler zu beinhalten.“

John Katzenbach

Die Konflikte, die entstehen, wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt ist

In jeder Familie treten alltägliche Konflikte auf. Für gewöhnlich werden diese Konflikte zum Besseren oder zum Schlechteren bereinigt. Dies hängt davon ab, wie groß die Kompetenzen eines jeden Familienmitglieds in Sachen Problemlösung sind. Leidet allerdings jemand an Demenz, können die Streitigkeiten und Spannungen über die Norm hinaus zunehmen.

Das liegt daran, dass bei einer Demenz zahlreiche Stressoren ins Spiel kommen, die es vorher nicht gab. So hat man anfangs nur rudimentäres Wissen über die gegebene Krankheit. Dazu kommt, dass es schwer vorauszusagen ist, wie die Demenz fortschreiten wird. Dies verursacht ein Gefühl der Unsicherheit in der Familie.

„Die Demenz frisst die Gedanken der Patienten auf und zerstört die Gefühle derer, die sie lieben und für sie sorgen.“

Dr. Nolasc Acarín Tusell

Oma mit einer analogen Kamera

Sich um ein Familienmitglied zu kümmern, das an Demenz erkrankt ist, kann zudem teuer werden. Besonders deshalb, weil eventuell fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Auch Kosten für eine Tagespflegeeinrichtung oder einen Platz in einem Pflegeheim mit Demenz-Wohnbereich fallen möglicherweise an.

Es kann weiterhin zu Konflikten kommen, weil ein Teil der Familie soviel Zeit und Mittel in Anspruch nimmt. Beide werden zur Mangelware, wenn andere Mitglieder dann auch Unterstützung brauchen.

Schlussendlich gibt es häufig Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man eine Person mit Demenz am besten pflegt. Doch damit nicht genug: Manche Menschen sind vielleicht der Ansicht, dass nicht die richtigen Entscheidungen gefällt werden. Dass Entscheidungen auf Eigeninteressen beruhen, anstatt dem Wohlergehen des Demenzpatienten zu dienen.

Warum halten sich diese Konflikte so hartnäckig?

Nun kennen wir also die Konfliktursachen. Jetzt geht es um das Verständnis dafür, warum sich befriedigende Lösungen nicht so schnell finden lassen wollen. Danach werden wir in Erfahrung bringen, wie wir diese Konflikte tatsächlich lösen können.

Kommunikationsprobleme sind der hauptsächliche Hinderungsgrund, warum die Mitglieder einer Familie keine Alternative finden, die alle zufriedenstellt. Diese Blockaden in der Kommunikation verursachen bei manchen Betroffenen Schwierigkeiten, ihre Gefühle hinsichtlich der Demenz klar auszudrücken und zu vermitteln, wie sie über ihre Situation denken. Sie haben außerdem Angst davor und schämen sich, um Hilfe zu bitten.

Es kommt hinzu, dass Kinder oder Familienmitglieder in der Vergangenheit eventuell Schwierigkeiten mit dem Menschen hatten, der nun an Demenz leidet. Dies kann Schuldgefühle erzeugen und dahin führen, dass sich einige Angehörige aggressiver als andere verhalten.

Letztlich kann es auch zu einem Wettstreit unter den Kindern kommen, wenn sie alle unter Beweis stellen wollen, dass sie die besten Pfleger sind.

Alte Frau geht an den Händen zweier Helfer

Was kann man tun, um Konflikte zu meistern?

Wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt ist, erzeugt das eine komplexe und dadurch schwierige Situation für die gesamte Familie. Es liegt jedoch im Bereich des Möglichen, die „Luft“ aus den Konflikten „herauszulassen“.

Damit dies möglich wird, ist es wichtig, alle kontraproduktiven Dynamiken, die bei der Pflege einer Person mit Demenz auftreten können, in eine positive Richtung zu korrigieren. Maßgeblich dabei ist, an der Kommunikation untereinander zu arbeiten. Wenn man sich in der Lage fühlt, seine Gefühle und Meinungen über eine Demenzerkrankung auszudrücken, kann das dazu beitragen, auftretende Streitigkeiten beizulegen.

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass sich die Mitglieder einer Familie, in der man miteinander spricht und in der es einen festen Zusammenhalt gibt, gegenseitig besser unterstützen können.

„Er bittet um eine Hand, die die seine hält, ein Herz, das für ihn Liebe hegt, und einen Kopf, der für ihn denkt, wenn er es nicht kann; jemand, der ihn auf seiner Reise durch die gefährlichen Windungen und Kurven dieses Labyrinths beschützt.“

Diana Friel McGowin

Wenn man dazu noch flexibel auf die sich verändernden Rollen und Abläufe bei der Pflege einer geliebten Person reagieren kann, bedeutet das auch, dass man größere Unterstützung gibt.

Schließlich müssen wir lernen, Entscheidungen auf eine fokussierte Art und Weise zu treffen. All dies wird der Familie dabei helfen, sich besser an die Demenzerkrankung anzupassen und das Leid zu mildern, das diese schreckliche Krankheit mit sich bringt.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Cristian Newman, Tiago Muraro und Alex Boyd