Das Cotard-Syndrom: Symptome und Ursachen

19. April 2019

Wir hören oft, dass jemand den Ausdruck „tot“ verwendet, um zu beschreiben, dass er die Hoffnung verloren habe und damit die Motivation, weiterzuleben. Das wird recht leichtfertig gesagt und es bedeutet sicherlich nicht, dass die Person tatsächlich tot sei oder bald sterben müsse. Dennoch gibt es eine psychische Erkrankung namens Cotard-Syndrom, bei der sich Betroffene genau so fühlen. 

Das Cotard-Syndrom wird auch „nihilistischer Wahn“ genannt. Die meisten Menschen, die darunter leiden, sind überzeugt, dass sie tot wären oder verwesen würden, wie ein Leichnam. 

Das Cotard-Syndrom

Das Cotard-Syndrom ist eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene sich selbst als nicht existent wahrnehmen. Manche glauben, dass sie außerhalb der Realität lebten oder einfach tot wären. Wenn jemand, der an dem Cotard-Syndrom leidet, sich selbst betrachtet, sieht er keinen lebenden Menschen. Vielleicht nimmt er sogar wahr, wie sich sein Körper zersetzt.

Das Cotard-Syndrom ist eine Erkrankung, bei der Betroffene überzeugt sind, dass sie tot wären.

Eine Person, die an dem Cotard-Syndrom leidet, glaubt, dass sich ihr Körper und Geist auf völlig unterschiedlichen Ebenen befänden. Während sich ihr Körper vermeintlich zersetzt, existiert ihr Geist in einer alternativen Realität und lebt ein getrenntes Leben. Diese Überzeugungen können zu unberechenbaren und auffälligen Verhaltensweisen führen.

Jules Cotard und das Cotard-Syndrom

Im 19. Jahrhundert wurde das Syndrom von Jules Cotard erstbeschrieben. Einer seiner Patienten war eine Frau, die überzeugt war, auf halber Strecke zwischen Himmel und Hölle festzustecken. Aus diesem Grund war sie der Meinung, dass sie keine irdischen Bedürfnisse mehr hätte, wie Essen und Schlafen. Das hat sie die Essensaufnahme und sogar das Trinken verweigern lassen.

Die Cotard-Syndrom ist eine sehr komplexe Erkrankung. Psychologen wissen nicht, warum sie sich manifestiert, nehmen aber an, dass ihm eine Funktionsstörung im Gehirn zugrunde liege. Es scheint damit zu tun zu haben, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. Einige Experten glauben, dass die Störung zwischen den Bereichen des Gehirns liege, die sich mit der Gesichtserkennung befassen, und jenen, die mit der emotionalen Verarbeitung von Sinneseindrücken zusammenhängen, also der Amygdala und dem limbischen System.

Daher können Betroffene die Informationen, die sie aus ihrer Umgebung erhalten, nicht korrekt verarbeiten. Letztendlich besteht das Problem darin, dass die emotionalen Reaktionen, die diese Informationen verursachen, keinen Sinn machen.

Die Negation der Existenz ist eines der auffälligsten Symptome dieses Syndroms. Andere mögliche Symptome sind Halluzinationen, Angstzustände, Depressionen, Delirium und die Unfähigkeit, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Betroffene glauben oft, dass sie unsterblich wären oder kein Blut hätten. Erkrankte Personen können auch das Gefühl haben, dass sie von Würmern zersetzt würden.

Schatten einer Frau hinter Milchglas versteckt

Menschen, die sich von der Realität abgeschnitten fühlen

Eine Person, die an dem Cotard-Syndrom leidet, lebt in einer anderen Realität. Ein weiteres Hauptmerkmal dieser Erkrankung ist, dass der Verstand der betroffenen Person fast jeden Eindruck verzerrt. Dies gilt sowohl für Informationen aus dem Inneren als auch aus der Umgebung.

Diese Unsicherheit lässt Betroffene in der Schwebe leben, in einer Schwebe zwischen der erhöhten Existenz des Geistes und dem leeren, fremden Kadaver, dem Körper der Person. Natürlich kann dies von Fall zu Fall verschieden sein, da erkrankte Menschen unterschiedlich stark betroffen sein können.

Wie wir sehen können, kann dieser Zustand ernste Konsequenzen haben. Denn es kann sein, dass eine Person, die unter diesem Syndrom leidet, aufhört, sich um ihr Wohlergehen zu sorgen und ihre existenziellen Bedürfnisse zu stillen. Experten empfehlen daher, sofort einen Spezialisten aufzusuchen, wenn der Verdacht besteht, dass das Cotard-Syndrom vorliegt.